Protest an Universitäten
Der Kampf um die Herzen der Studenten
Potsdam: Seit zwei Wochen besetzen Protestierer das Audimax, derweil Professoren im Zelt unterrichten sollen. Was wird das bringen?
© Nestor Bachmann/dpa

Studenten der Universität Potsdam halten den größten Hörsaal der Uni am Neuen Palais besetzt. Insgesamt sind mittlerweile über 20 Räume in ganz Deutschland in der Hand streikender Studenten
Am Rand des Schlossparks Sanssouci, ein paar Meter vom Neuen Palais entfernt, steht neuerdings ein Partyzelt. Am Eingang halten Männer in blauen Jacken Wache. Morgens strömen ein paar Hundert Studenten hinein, dann schallt die Stimme ihres Professors nach draußen und übertönt das Brummen der mobilen Heizungsanlage.
Wenn Universitätspräsidentin Sabine Kunst von dem Zelt spricht, nennt sie es »das provisorische Audimax der Universität Potsdam«. Dann kann es passieren, dass ein süffisantes Lächeln ihre Lippen umspielt. Denn das Zelt ist auch ein Signal an die Besetzer des historischen Audimax auf der anderen Straßenseite. Falls ihr auf eine Räumung gehofft habt, vergesst es, sagt das Zelt. Den Gefallen tun wir euch nicht.
Gut zwei Wochen sind vergangen, seit Studenten den größten Hörsaal in der brandenburgischen Landeshauptstadt eingenommen haben, aus Protest gegen die Politik von Landesregierung und Hochschulleitung. Die Uni Potsdam war eine der ersten deutschen Hochschulen, auf die die in Österreich gestartete Besetzungswelle überschwappte.
Mittlerweile sind Hörsäle an über 20 Hochschulen in ganz Deutschland in der Hand streikender Studenten, ein paar weitere wurden bereits wieder aufgegeben oder von der Polizei geräumt. An der Berliner Vorstadt-Uni aber verkündeten sie gleich zu Anfang der Besetzung, sie wollten erst gehen, wenn ihre Forderungen erfüllt seien: mehr studentische Mitbestimmung, mehr Geld für die Hochschulen, Masterstudienplätze für alle, Schluss mit Leistungsdruck und Prüfungsstress in den neuen Bachelorstudiengängen.
Übersicht zu diesem Artikel:
- Seite 1 Der Kampf um die Herzen der Studenten
- Seite 2 Gerade erst hat Potsdam einen Preis für exzellente Lehre gewonnen
- Seite 3 Die Uni-Präsidentin veranschlagt zehn Jahre für den Wandel
- Seite 4 "Unsere Forderungen sind absolut realistisch"
- Datum 20.11.2009 - 10:18 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
- Kommentare 5
- Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







http://www.tagesschau.de/...
Im obigen Bild ist ein Spruchbanner zu sehen: "Träume brauchen Freiräume ..."
Ich unterstütze die Proteste ... eigentlich! Aber: Das A in Freiräume ist durch ein Symbol geprägt, welches Ausdruck einer Gesinnung ist, die ich nicht teile. Und den Bildungsstreik unter diese Gesinnung zu ordnen ist auch eine Praxis an meiner Uni. Aber ich lasse mir nunmal keine Gesinnung aufdrücken. Auch nicht im Namen einer guten Sache. Daher protestiere ich nicht mit!
Ich finde es jedoch albern aus solch einem Grund sich nicht den Protesten anzuschließen. Schließlich gibt es bei einer Demonstration ca. 100 Banner, wovon 99 nichts damit zu tun haben und bei 5.000 Demonstranten stehen vielleicht 10 hinter der Ideologie.
Natürlich mischen immer ein paar Extreme bei solchen Veranstaltungen mit, davon sollte sich aber die breite Basis nicht verschrecken lassen- denn schließlich geht es um die Sache.
Und wie mag das klingen, wenn in 20 Jahren die eigenen Kinder unter einem noch schlimmeren Bildungssystem zu leiden haben, zu sagen "Da waren damals so ein paar Anarchisten dabei, deshalb hab ich nicht mitgemacht..."?
Ich finde es jedoch albern aus solch einem Grund sich nicht den Protesten anzuschließen. Schließlich gibt es bei einer Demonstration ca. 100 Banner, wovon 99 nichts damit zu tun haben und bei 5.000 Demonstranten stehen vielleicht 10 hinter der Ideologie.
Natürlich mischen immer ein paar Extreme bei solchen Veranstaltungen mit, davon sollte sich aber die breite Basis nicht verschrecken lassen- denn schließlich geht es um die Sache.
Und wie mag das klingen, wenn in 20 Jahren die eigenen Kinder unter einem noch schlimmeren Bildungssystem zu leiden haben, zu sagen "Da waren damals so ein paar Anarchisten dabei, deshalb hab ich nicht mitgemacht..."?
Das Problem, das Jeanneret anspricht, ist doch nicht, dass hier und da ein paar Anarchos mitdemonstrieren...
Vielmehr geht es doch darum, dass die Proteste dem Großteil der Studenten einfach zu rot angemalt daherkommen. Der ein oder andere - so auch ich - kann da drüber hinwegsehen und trotzdem mitmachen. Die Mehrheit allerdings nicht. Und das ist etwas, was die Leute, die die Proteste organisieren, einfach nicht ernst genug nehmen. Wenn man (im Bildungsbereich) etwas verändern will, geht das nur über Masse. Diese linke Selbstbeweihräucherung jedoch, dieses Getue, als ob wir uns in einem Terrorstaat mit Knüppelpolizei befänden, diese altbackene Agit-Prop-Ästhtetik usw, die momentan ja nahezu jede Form von Protest begleitet, vergrault die Unentschlossenen und Unbedarften - kurzum: Die Masse, die Mitte, die man eigentlich bräuchte.
Stattdessen gibt man sich stur, bringt große Teile der Studentenschaft gegen satt hinter sich und raubt damit der ganzen Bewegung die Kraft...
Realos braucht der Streik und eine Öffnung für die Mitte...
Frau Prof. Dr. Kunst ist nicht Nordschleswigerin - dafür müsste sie als Angehörige der deutschen Minderheit in Dänemark geboren sein und nicht in Wesselburen. Wesselburen liegt ja nicht einmal in Südschleswig, sondern in Dithmarschen. Sie ist also allenfalls Norddeutsche.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren