Depression
Das Versteckspiel der Anna S.
Warum sich eine erfolgreiche Artdirektorin plötzlich in die Psychiatrie einweisen ließ. Beispiel einer Depression
© Theo Heimann/ ddp

Eine Frau im Regen
Am Tag, als Anna Sander (Name geändert) beschloss zu sterben, hatte sie alles minutiös vorbereitet. In der Firma ein dreimonatiges Sabbatical eingereicht, ein Hotelzimmer in Venedig gebucht, das Flugticket besorgt, Tabletten. Der Koffer stand seit Wochen gepackt in der Ecke, den ganzen Sommer, und jetzt war Herbst. Sie wollte es so machen, dass sie andere möglichst wenig verletzt, deshalb Venedig, weit weg, das war der Plan.
Nun saß sie im Taxi, das sie zum Flughafen bringen sollte, vor ihr die dunkle Straße – und sie hörte ihre eigene Stimme. Sie sagte nicht: »Zum Flughafen bitte.« Sie sagte, als wäre es das Normalste auf der Welt: »Bitte fahren Sie mich in eine psychiatrische Klinik.«
Am nächsten Morgen stand Anna Sander am vergitterten Fenster eines spärlich möblierten Fünfbettzimmers, hinter ihr rannten Nackte über den Flur. Und sie dachte immer wieder diesen einen Satz: Wie konnte ich hierher geraten?
Anna Sander, Mitte dreißig, Artdirektorin in einer Werbeagentur, einflussreiche Freunde, eine Traumwohnung in Berlin-Mitte. Zu Terminen ging sie im Herrenanzug mit Krawatte, eine Frau wie aus einer Karrierezeitschrift. Ein Leben, das ihre Eltern »schillernd« nannten.
Sie, die immer alles unter Kontrolle hatte, hatte die Kontrolle verloren. Schwere Depression, lautete die Diagnose der Ärzte. Seit mehreren Jahren.
»Es war reines Glück, dass ich meinen Plan nicht umgesetzt habe«, sagt Anna Sander. Sieben Jahre ist es nun her, dass das, was sie heute ihr »Doppelleben« nennt, implodierte. Sie sitzt in ihrer großen, hellen Wohnung und streicht über das Fell der italienischen Straßenhündin, die sie nach der Zeit in der Klinik bei sich aufgenommen hat. »Nach der Klinik« und »vor der Klinik« – in diese Teile trennt sie ihr Leben nun. Der Morgen am vergitterten Fenster war eine Befreiung, sagt sie.
Der erste Tag ihres neuen Lebens.
Anna Sander trägt eine beigefarbene Hose, einen weißen, weichen Pullover. Wenn sie lächelt, sieht man die Grübchen in ihrem hübschen Gesicht. Die Trauerfeier für Robert Enke hat sie aufgewühlt, noch immer ist sie frisch, die Erinnerung an dieses schwarze Loch, in dem sie über Jahre saß. Wo zunächst nur ein dumpfes Gefühl der Trauer war. Und bleierne Müdigkeit.
Auf ihren Charakter schob sie es anfangs – hatte sie nicht schon als Kind diese Hochs und Tiefs?
- Datum 23.11.2009 - 15:04 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
- Kommentare 29
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bei allem respekt vor der problematik der krankheit depression, ich hoffe sehr, daß dies vor hintergrund des todes eines prominenten nicht zu einer mode-erscheinung verkommt.
Es ist zu befürchten, dass Ihre Bedenken begründet sind.
Wenn ich eine These aufstellen darf: Eventuell waren die klassischen Rollenverteilungen der Geschlechter gar nicht so verkehrt. Ganz entgegen der Jahrzente anhaltenden Predigt, die zwischen den dünnen Lippen Alice Schwarzers und ihrer Anhängerschaft hervorlispelt. Es ist an der Zeit, darauf zu pfeifen, den Ideen der Unzufriedenen hinterherzurennen. Vor lauter Zwang zum Ausbrechen aus "gesellschaftlichen Normen" haben wir den Blick für's Wesentliche verloren: "was BRAUCHE ich, damit es mir gut geht?"! ---> Garantiert kein Alice-Gelaber.
Denn im Grunde war und ist die auch bloß darauf aus, mit dem Blödsinn, den sie von sich gab und gibt, Kohle zu machen, weil sie keinen Versorger abbekommt. Wer will so eine auch? Und dabei spreche ich nicht von Äußerlichkeiten!
So. Sie dürfen das Feuer eröffnen, meine Damen und Herren.
Das ist sicherlich ein ernstes Thema! Mit Sicherheit zu ernst für einen Artikel dieser Qualität. Ist der Stil jetzt
Rosamunde Pilcher oder doch Hedwig Courths-Mahler oder sonst was in der Richtung?
Artdirektorin!! !!!Artdirektorin!!!
Mann! Ein anderer Beruf war nicht mehr zu haben oder?
Wenn ich mich dem Thema Depression ehrlich nähern möchte ... wie wäre es dann mit einer Kindergärtnerin, einer Kassiererin, einem Schuhverkäufer oder einem Programmierer .... nein! Es muss eine Artdirektorin sein!!
Weil: Bei den Kreativen ist ja alles um soviel tragischer!!
Und der Selbstmord muss natürlich in Venedig stattfinden oh Gott! Ich befürchte das Gleiche wie Kommentator 1!
In bestimmten (vornehmlich FDP Wähler) Kreisen wird es schick sich eine Depression zu zulegen.
*räuschper* also das mit den fdp-wählern hätt ja nu nicht sein müssen ... ;-DDD
Sie machen es sich sehr leicht. Überheblich?
...es kann jeden treffen. Unabhängig von Beruf und Geschlecht .
*räuschper* also das mit den fdp-wählern hätt ja nu nicht sein müssen ... ;-DDD
Es ist zu befürchten, dass Ihre Bedenken begründet sind.
Wenn ich eine These aufstellen darf: Eventuell waren die klassischen Rollenverteilungen der Geschlechter gar nicht so verkehrt. Ganz entgegen der Jahrzente anhaltenden Predigt, die zwischen den dünnen Lippen Alice Schwarzers und ihrer Anhängerschaft hervorlispelt. Es ist an der Zeit, darauf zu pfeifen, den Ideen der Unzufriedenen hinterherzurennen. Vor lauter Zwang zum Ausbrechen aus "gesellschaftlichen Normen" haben wir den Blick für's Wesentliche verloren: "was BRAUCHE ich, damit es mir gut geht?"! ---> Garantiert kein Alice-Gelaber.
Denn im Grunde war und ist die auch bloß darauf aus, mit dem Blödsinn, den sie von sich gab und gibt, Kohle zu machen, weil sie keinen Versorger abbekommt. Wer will so eine auch? Und dabei spreche ich nicht von Äußerlichkeiten!
So. Sie dürfen das Feuer eröffnen, meine Damen und Herren.
Schnarch...
zum Thema klassische Rollenverteilung gäbe es noch eine andere Alternative: beide arbeiten Teilzeit (theoretisch würden dann doch auch mehr Arbeitsplätze entstehen, es würden weniger Leute aus Arbeitslosigkeit oder aus Überarbeitung depressiv werden), weder er noch sie machen sich im Leistungszirkus zum Affen.
Leider wird durch die Politik Ungleichheit (arm-reich, evtl. auch Mann-Frau) mehr gefördert als Chanchengleichheit.
Und zum Artikel an sich: Anscheinend ändert sich in letzter Zeit die Meinung zum Thema Depression. Wäre schon schade wenn es zu einer Art Mode wird - aber wenn man offen über die Krankheit reden kann würde das den Betroffenen schon sehr helfen.
in diesem topic geht es um depressionen, nicht um geschlechter.
;-P
Schnarch...
genau: wer keine meinung hat und vermutl. auch keine Ahnung, schläft weg. Genauso wie damals im Hörsaal, nicht wahr, mein lieber "da nich für"? Aber vermutlich haben Sie sowas noch nie von innen gesehen.
Warum behalten Sie Ihre unqualifizierten Laute nicht einfach für sich?
zum Thema klassische Rollenverteilung gäbe es noch eine andere Alternative: beide arbeiten Teilzeit (theoretisch würden dann doch auch mehr Arbeitsplätze entstehen, es würden weniger Leute aus Arbeitslosigkeit oder aus Überarbeitung depressiv werden), weder er noch sie machen sich im Leistungszirkus zum Affen.
Leider wird durch die Politik Ungleichheit (arm-reich, evtl. auch Mann-Frau) mehr gefördert als Chanchengleichheit.
Und zum Artikel an sich: Anscheinend ändert sich in letzter Zeit die Meinung zum Thema Depression. Wäre schon schade wenn es zu einer Art Mode wird - aber wenn man offen über die Krankheit reden kann würde das den Betroffenen schon sehr helfen.
Meine Meinung dazu war eben, dass exogene Depression (wobei es sich im beschriebenen Fall vermutlich handelt) auch durch die Tatsach ausgelößt werden kann, wenn ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, seinen persönlichen Bedürfnissen zu folgen. Als Ursache für diese "Verblendugn" halte ich den medialen mainstreem, der von Erscheinungen wie Alice Schwarzer infiltriert ist und der den Menschen vorgaukelt zu wissen, was das Beste für sie sei. Wir schimpfen über unsere verzogene Jugend. Aber wenn ich mir die Glotze einschalte und mich mal bewusst frage, welchen schwachsinn ich mir da gebe, muss ich feststellen: wir sollten ganz schnell ganz kleinlaut werden. Wer auch nur länger als zwei Sekunden einer Schwarzer zuhört braucht sich nucht wundern, wenn er irgendwann depressiv ist. Denn die schluckt selber Antidepressiva. So schaut's nämlich aus!
in diesem topic geht es um depressionen, nicht um geschlechter.
;-P
Sie ist nicht verwunderlich, die Depression als Folge der selbstverliebten und zwangs-toughen Welt der Werbe"götter". Aufopfern für das Projekt, das ganze Ich ins Spiel bringen für ein meist minderwertiges Produkt irgendeines Anderen. Dazu die ständige Forderung, als Top-Kreativer erscheinen zu müssen. Das alles geschieht in einer Welt, in der sich ein paar Krickler aufspielen, dass man seinen Augen kaum noch traut. Ich habe wenige Branchen erlebt, in denen so viel emotionales Pack sein Unwesen treibt, in denen so viel Selbsterhöhung statt findet und jede/r bemüht ist, dem zu folgen. Auch mir sind Vorgänge bekannt, in denen Menschen verbrannt wurden - Opfer der (immer unbegründeten) Abgehobenheit Einiger - unterworfen dem innerem Zwang, diesen Gestalten zu entsprechen. Da kann man - und das hat die beschriebene Person ja klugerweise getan - aussteigen, sein eigenes Ding machen, um irgendwann wieder das zu sein, was man vorher war - ein selbstbestimmtes Wesen. Das lässt sich erreichen, indem man frei arbeitet und sich auch Freiräume schafft. Das geht und man sieht schnell, dass man die Superburschis dazu nicht braucht. Man kann - wie sie es getan hat - auch vollständig wechseln. Es ist gut, sich diesen Tretmühlen zu entziehen. Sie sind es nicht wert, denn sie verbrennen sich ohnehin selbst - vermutlich nicht nur in der Werbewelt.
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