Ein Markt am Boden
Nun ist der Boom vorbei. Neben der Kreditklemme verschärfen hausgemachte Probleme die Lage. So haben die Anleger mit den Fonds oft hohe Verluste erlitten. Die Fondsfirmen nehmen daher kaum noch Verträge ab. "Der klassische Absatzkanal über geschlossene Fonds ist tot", urteilt Thomas Schmitt, Aufsichtsratsvorsitzender von Cash Life und Chef des Mehrheitseigners Augur Capital. Schuld seien überhöhte Renditeerwartungen und die Provisionsgier der Fonds-Emissionshäuser. "Die realistische Policenrendite bei Lebensversicherungen liegt bei etwa fünf Prozent. Wenn die Zweitmarktfonds aber mit bis zu 15 Prozent an Kosten belastet werden, lässt sich für die Anleger schwerlich noch eine Rendite erzielen", sagt Schmitt. König & Cie räumt Vertriebskosten in einem Fonds von gut 11 Prozent ein. Die Hamburger haben seit 2008 ihre drei Deutsche-Leben-Fonds mit 2145 Policen fast vollständig abgewickelt und dabei mehr als die Hälfte dieser Verträge gekündigt.
Für Cash Life wird es noch ungemütlicher, seitdem Zweitmarktfondsanbieter MPC den Verwaltungsauftrag für Policen kündigte – nach eigenen Angaben fristgerecht zur Jahresmitte. Cash Life will den Ausfall von rund drei Millionen Euro zum Jahresende nicht hinnehmen. "Wir haben Klage eingereicht", verkündet Rumpf. Zum Ausgleich wollen die Pullacher dem Publikum neue Angebote schmackhaft machen: etwa bei Darlehen auf fondsgebundene Policen. Beißt es nicht an, drohen wohl weitere Kündigungen aus dem Vertragsbestand von noch 100 Millionen Euro.
Für künftige Aussteiger aus Lebensversicherungen fällt die einst viel gepriesene Verkaufsalternative flach. "Der Markt liegt am Boden", urteilt Lutz Delius, früher Vorstand von Cash Life und nun Chef der Beratungsfirma Delius Capital. 2007 erwarben die Händler Verträge für 1,4 Milliarden Euro, 2008 waren es nur 500 Millionen, 2009 geht praktisch nichts mehr. "Wir kaufen derzeit nur noch einzelne Policen mit Spitzenrenditen", sagt Rumpf. Auch die beiden großen Konkurrenten Policen Direkt und CFI Fairpay haben ihr Neugeschäft massiv zurückgefahren. Unseriöse Aufkäufer nutzen den Engpass und vereinbaren mit Versicherten einen Kaufpreis auf Ratenbasis – den sie bei Insolvenz oder im Betrugsfall nie erhalten.
Sinnvolle Alternativen zum Vertragsabbruch der Lebenspolice existieren jedoch auch ohne die Verkaufsoption: Versicherte können den Vertrag beitragsfrei stellen, Beiträge stunden oder die Police beleihen. Sie sollten die verschiedenen Varianten für ihren Vertrag durchrechnen. Oft dürfte sich herausstellen, dass der endgültige Abschied die ungünstigste Option ist. Damit bleibt wenigstens eine Parole der Zweitmarkthändler gültig: Bloß nicht kündigen!
- Datum 20.11.2009 - 12:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
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Jetzt warte ich nur darauf, dass irgendein "Geschädigter" einen Ersatz aus dem Bankenrettungsfond und damit vom Steuerzahler haben möchte...
Bei den Simpsons gibt es so einen Typen an Barts Schule, dessen Namen ich nicht mehr weiß. Aber der stellt sich immer daneben, zeigt mit dem Finger auf den Geschädigten und macht: "Ha-Ha".
Ob gekündigt oder verkauft werden sollte und beides nicht hängt von der speziellen Situation und der gesamteinschätzung der Märkte ab.
Schlecht ist, wenn mit dem weiterleben der Risikoabsicherung geworben wird, und diese dann im Kleingedruckten entfallen kann.
Ansonsten zeigt z.B. der Verfall der Rückkaufswerte und der Druck der Banken auf Policenhalter die schwindende Werthaltigkeit der Policen - da war es klug und glücklich diese rechtzeitig verkauft zu haben.
Policendarlehen habe i.d.R. varibale Zinssätze von stattlicher Höhe - natürlich viel höher als die Verzinsung des eingezahlten Geldes.
Und: Wieviel Versicherte habe die Todesfallabsicherung weil sie wirklich eine brauchen? Die meisten bedenken garnicht, dass sie diese auch extra bezahlen und unflexiebel an eine Sparkomponennte gekettet haben.
Prüfen Sie einmal die Entwicklung der prognostiziereten Rückkaufswerte von Versicherern - und dass schon in einer Zeit, in der die Renditen wegen fallender Zinsen noch hoch waren.
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