DIE ZEIT: Herr Borgfeldt, Sie organisieren Pilgerreisen nach Mekka. Ende des Monats werden Sie mit fast tausend in Deutschland lebenden Muslimen in Saudi-Arabien unterwegs sein. Wie sind Sie dazu gekommen?

Muhammad Siddiq Borgfeldt: Ich bin schon als 17-Jähriger 1962 zum Islam konvertiert und dann mehrmals zum Hadsch gefahren. Das hat mich tief beeindruckt. Irgendwann bin ich gebeten worden, auch für andere solche Fahrten zu organisieren – was ich im Rahmen meiner Tätigkeit im »Haus des Islam«, einem Zentrum für Muslime in Lützelbach im Odenwald, dann auch getan habe.

ZEIT: Was für Menschen reisen mit Ihnen?

Borgfeldt: Ein paar wenige pilgern nur, weil es Tradition ist. Die meisten kommen jedoch aus echtem religiösen Interesse. Das Durchschnittsalter dürfte bei 50 Jahren liegen. Aber zumindest pilgern inzwischen mehr junge Menschen als früher. Sie haben wohl erkannt, dass sie einen inneren Halt brauchen. Vor 30 Jahren war es vielen jungen Muslimen peinlich, in eine Moschee zu gehen, heute ist das anders.

ZEIT: Stammkunden hat man in Ihrer Branche wohl nicht.

Borgfeldt: Das stimmt schon. Die allermeisten pilgern nur ein einziges Mal in ihrem Leben nach Mekka. Aber da gibt es zum Beispiel auch eine gebürtige Marokkanerin, die schon fünf- oder sechsmal mit mir gereist ist.

ZEIT: Wie bereiten Sie die Pilger auf den Hadsch vor?

Borgfeldt: Mit einem Seminar in Deutschland und einem weiteren während der Pilgerfahrt. Da kommen dann viele Fragen: Darf ich auf dem Hadsch feste Schuhe tragen? Ist Parfum erlaubt? Manche wollen auch wissen, was sie in Mekka zu Gott sagen sollen. Denen sage ich: Wer das nicht weiß, ist wohl am falschen Ort.

ZEIT: In diesem Jahr gibt es neben den üblichen organisatorischen Fragen auch eine gesundheitliche zu klären: Einige Experten befürchten, dass das Zusammentreffen von Menschen aus allen Kontinenten die Ausbreitung der Schweinegrippe beschleunigen könnte.