Saudi-Arabien "Die Grippe macht uns zu schaffen"Seite 3/3

ZEIT: Zu der Sie als Reiseveranstalter ja auch beitragen.

Borgfeldt: Anders ist es gar nicht mehr möglich. Früher sind wir einfach mit einer Gruppe von Leuten nach Mekka gefahren. Mittlerweile aber dürfen nur noch spezielle, von Saudi-Arabien zugelassene Agenturen solche Reisen durchführen. Wir haben deshalb im Frühjahr eine GmbH gegründet.

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ZEIT: Ist das Pilgern zu einer Pauschalreise geworden?

Borgfeldt: Es ist nicht mehr so strapaziös wie früher. Die meisten unserer Gäste schlafen in Hotels. Deren Sterne richten sich nicht so sehr nach der Ausstattung wie nach der Nähe zu Mekka. Bei unserer Tour nach Mina allerdings leben auch Wohlhabende einfach. Mina ist die übrige Zeit des Jahres ein verlassener Ort, während des Hadsch steht dort jedoch eine riesige Zeltstadt. Je 25 Pilger teilen sich ein Zelt. Da ist so wenig Platz, dass stämmige Menschen beim Schlafen auf der Seite liegen müssen. Aber es ist diese Einfachheit, an die die meisten später zurückdenken.

ZEIT: Verändern sich die Menschen, wenn sie an einem Hadsch teilnehmen?

Borgfeldt: Nicht immer. Es gab mal ein Erlebnis, das mich ernüchtert hat: Eine alte Dame bat, im Bus ganz vorne sitzen zu dürfen, weil sie sich nicht wohlfühlte. Wir waren da gerade in Mekka, der Hadsch war erst wenige Stunden vorbei. Und trotzdem war keiner bereit, auf seinen Platz zu verzichten. In solchen Momenten zweifelt man an dem, was man tut. Aber das sind zum Glück Ausnahmen. Der Hadsch ist wie eine Audienz bei Gott höchstpersönlich – und wird von fast allen Pilgern auch so wahrgenommen.

 
Leser-Kommentare
  1. Zu Zeiten des Propheten bedeutete Hadsch Entbehrung sowohl unterwegs als auch vor Ort. Wer diese Strapazen überwand, der war von Gott geprüft und gesegnet.

    Heute unterscheidet sich die Wallfahrt nur in wenigen Etappen von einer touristischen Reise. Die Hadschi-Anwaerter setzen sich in einen bequemen Jet, übernaechtigen in Luxushotels und werden sehr oft bis zu den Staetten der Rituale befördert.

    Das Gemeinschaftserlebnis wird beinahe zu einer einfachen Gruppenreise.

    Auf diese Weise kann man ja auch dreissig-vierzigmal nach Mekka pilgern. Und das mit einem Riesenaufwand. Für das Geld könnte man viel lieber Schulen bauen, die Kinder von armen Leuten unterrichten, Hungrige verköstigen und auch sonst gute Taten im Grossdschemaat des Islam verrichten.

    Zumindest sollten die Religionsweisen predigen, dass auch eine Wallfahrt allein den Sinn des Buches erfüllt.

    Vergessen wir nicht, dass wir in einer sozialen Welt leben -und der Islam geht darin allen anderen Religionen voran. Es kommt hinzu, dass im Durchschnitt Moslems zu den aermsten Erdenmenschen gehören und immer noch mehr als die Haelfte Analphabeten sind. Das macht die Muslime gegen die Konkurrenz der Christen und Juden schwach und sie werden deshalb dauernd benachteiligt.

    Islam ist die Religion der Vernunft - also seien wir vernünftig hauen wir nicht über den Strang.

    • dacapo
    • 28.11.2009 um 18:21 Uhr

    Sie sagen: "Vergessen wir nicht, dass wir in einer sozialen Welt leben und der Islam geht darin allen anderen Religionen voran". Wo lebt der Islam den anderen Religionen eine sozialeres Leben vor? An welchem Ort der Welt? Den Ort und/oder die Umstände, wo das ssich abspielt, möchte ich kennenlernen. Wo ist das?

    • dacapo
    • 28.11.2009 um 18:23 Uhr

    .....bevor er zum Islam konvertiert ist. Wie soll das denn abgelaufen sein.

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