Franz Kafka »Marbach wäre der beste Ort für Kafka«Seite 3/3
ZEIT: Sie haben sich auch darüber gesorgt, dass in den Tagebüchern von Brod »Schreckliches« stehe.
Hoffe: Nein, das habe ich nie gesagt, obwohl ich so immer wieder vor allem von israelischen Medien zitiert werde. Ich habe die Tagebücher von Brod noch nicht gelesen. Aber ich vermute, dass auch viel über sein Verhältnis zu unserer Familie darin steht. Das war etwas sehr Besonderes: Max Brod und mein Vater, Otto Hoffe, waren beste Freunde. Meine Mutter liebte meinen Vater, und Brod war Teil unserer Familie. Das alles ist heute kaum nachzuvollziehen. Aber ich möchte nicht, dass es in irgendeiner Weise falsch dargestellt wird.
ZEIT: Wäre eine Einigung zwischen Israel und Marbach denkbar?
Hoffe: Wie sollte die aussehen? Ich bin völlig gegen eine Aufteilung des Max-Brod-Archivs oder der Kafka-Manuskripte in unserem Besitz. Wir haben immer das Gesetz befolgt, nach dem von wichtigen Dokumenten, die das Land verlassen, ein Mikrofilm ans Nationalarchiv gehen muss. Das wird auch weiterhin so bleiben. Marbach traut sich nicht, den israelischen Behauptungen offen zu widersprechen. Da ist immer noch ein schlechtes Gewissen wegen des Krieges und des Holocaust. Die sind zu anständig, und Israel ist zu raffiniert. Israel sollte die Hände öffnen und sagen: Entschuldigung, das alles gehört uns nicht, es gehört Ihnen. Aber das ist ein Traum.
Das gespräch führte Stefan Koldehoff
- Datum 20.11.2009 - 17:19 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
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