Literarisches Erbe Wem gehört Kafka?Seite 3/3
Schließlich schritt aber die damals noch sehr patriotisch eingestellte Eva Hoffe, die diese Einstellung inzwischen als Fehler bezeichnet, ein und verhinderte weitere Verkäufe nach Deutschland. In den neunziger Jahren nahm dann Hans-Gerd Koch als Herausgeber der in Vorbereitung befindlichen kritischen Ausgabe der Briefe Kafkas wieder vorsichtigen Kontakt zu Ester Hoffe auf. Ihm vertraute sie an, dass es nach wie vor ihr Wunsch sei, das Brod-Archiv möge seinen endgültigen Platz in Marbach finden. Allerdings sei sie nun zu alt und schwach, das selbst durchzuführen. Sie könne nur Wunsch und Auftrag ihren beiden Töchtern hinterlassen.
1978 hatte Ilse Ester Hoffe für 8000 Mark jenen Brief verkauft, den die Auktionshäuser Stargardt und Moirandat am 26. November in Basel aus Schweizer Privatbesitz nun erneut versteigern werden. 120.000 Franken sollen die acht handschriftlichen Briefseiten kosten, die Klaus Wagenbach »einen der schönsten Kafka-Briefe überhaupt« nennt und in denen er im September 1922 seinem Freund Max Brod verzweifelt sein ambivalentes Verhältnis zur Einsamkeit schilderte: »Ich kenne andeutungsweise die Schrecken der Einsamkeit, nicht so sehr der einsamen Einsamkeit, als die Einsamkeit unter Menschen.« Zumindest diese Worte Kafkas waren in einem Banksafe eigentlich am besten aufgehoben. Ob Israel auch versuchen wird, diese Versteigerung noch zu stoppen? Sowenig sich Kafka vorstellen konnte, dass er dereinst zur letzten Heiligenfigur unserer profanen literarischen Kultur werden würde, so unvorstellbar wäre es für ihn gewesen, dass die Schriftstücke, die er zur Vernichtung vorsah, zu modernen Reliquien geworden sind – und zu einem Streitobjekt zwischen zwei Staaten, die erst 25 Jahre nach seinem Tod gegründet wurden.
- Datum 21.11.2009 - 16:06 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
- Kommentare 82
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Ich frage mich, jenes Israel, dass jetzt sein eigenes Recht bricht, das Deutschland zwar die Kafka-Muniskripte missgönnt, das gleiche Israel ist, dass sich erst vor ein paar Jahren U-Boote im Wert von 3 Milliarden Mark schenken liess und erst vor ein paar wochen ankündigte, 2 Korevetten in Deutschland bestellen zu wollen, jedoch davon ausgeht, dass auch diese Israel von Deutschland geschenkt werden - Wert 500 Millionen Euro.
Offensichtlich verteilt Israel sein seine Großzügigkeiten sehr unterschiedlich. Im Nehmen ist es ganz gross - im Geben eher nicht.
Vielleicht erinnert sich Israel einfach daran, dass das heutige Deutschland Erbe jenes Deutschland ist, das ohne groessere Probleme die Nichten Kafkas in die Gaskammer geschickt hat und dass die ganze Kultur, aus der Kafka kam, laecheln ausgeloescht hat. Hier ist nicht der Ort fuer Deutsche sich aufzuplustern. Wir haben das Recht verwirkt, uns als Sachwalter jener deutschen Kultur anzusehen, die unsere Grosselterngeneration vernichten wollte.
, lieber Alexander II. haben Sie in Ihrem Beitrag auf subtile Weise vollbracht (möglicherweise übertreibe hier ich ein bisschen).
Ich versteige mich zu der Behauptung, daß beides nichts miteinander und nichts mit dem Verhalten der Bibliothek zu tun hat. Es mag sein, daß es in verschiedenen Institutionen, vielleicht sogar in einem Klima in dem Rechtsansprüche eher einsitig definiert werden, versucht mit allen Mitteln an die Manuskripte zu kommen, mit einem Politikum der Deutsch Israelischen Beziehungen hat das vermutlich eher wenig zu tun.
Ansonsten könnte man ja auch froh sein, daß sich Deutschland dazu bekennt und auf die Verdienste der deutschen Juden stolz ist. Deutschland ist, das ist heute den meisten klar, mehr als Auschwitz.
Ich vermute, die wittern halt die Chance an eine literarische Kostbarkeit zu kommen, wie es sie im 20. Jahrhundert eben nur begrenzt oft gibt. Die Mittel sind denen dann eben egal.
Kafkaeske Grüße,
Sphinxfutter
Vielleicht erinnert sich Israel einfach daran, dass das heutige Deutschland Erbe jenes Deutschland ist, das ohne groessere Probleme die Nichten Kafkas in die Gaskammer geschickt hat und dass die ganze Kultur, aus der Kafka kam, laecheln ausgeloescht hat. Hier ist nicht der Ort fuer Deutsche sich aufzuplustern. Wir haben das Recht verwirkt, uns als Sachwalter jener deutschen Kultur anzusehen, die unsere Grosselterngeneration vernichten wollte.
, lieber Alexander II. haben Sie in Ihrem Beitrag auf subtile Weise vollbracht (möglicherweise übertreibe hier ich ein bisschen).
Ich versteige mich zu der Behauptung, daß beides nichts miteinander und nichts mit dem Verhalten der Bibliothek zu tun hat. Es mag sein, daß es in verschiedenen Institutionen, vielleicht sogar in einem Klima in dem Rechtsansprüche eher einsitig definiert werden, versucht mit allen Mitteln an die Manuskripte zu kommen, mit einem Politikum der Deutsch Israelischen Beziehungen hat das vermutlich eher wenig zu tun.
Ansonsten könnte man ja auch froh sein, daß sich Deutschland dazu bekennt und auf die Verdienste der deutschen Juden stolz ist. Deutschland ist, das ist heute den meisten klar, mehr als Auschwitz.
Ich vermute, die wittern halt die Chance an eine literarische Kostbarkeit zu kommen, wie es sie im 20. Jahrhundert eben nur begrenzt oft gibt. Die Mittel sind denen dann eben egal.
Kafkaeske Grüße,
Sphinxfutter
Vielleicht erinnert sich Israel einfach daran, dass das heutige Deutschland Erbe jenes Deutschland ist, das ohne groessere Probleme die Nichten Kafkas in die Gaskammer geschickt hat und dass die ganze Kultur, aus der Kafka kam, laecheln ausgeloescht hat. Hier ist nicht der Ort fuer Deutsche sich aufzuplustern. Wir haben das Recht verwirkt, uns als Sachwalter jener deutschen Kultur anzusehen, die unsere Grosselterngeneration vernichten wollte.
Das eine hat mit dem anderen zwar Null zu tun, aber egal oder?
Sippenhaftung gibts bei uns nicht, aber offenbar scheinen sie in ihrer Argumentation die Sippenhaft legitim zu empfinden.
Das eine hat mit dem anderen zwar Null zu tun, aber egal oder?
Sippenhaftung gibts bei uns nicht, aber offenbar scheinen sie in ihrer Argumentation die Sippenhaft legitim zu empfinden.
Der Titel "Wem gehört Kafka?" ist im Grunde unrichtig; im Artikel wird deutlich, dass es um Eigentum an Kafkas Nachlass geht, der vom Staat Israel (so hab ich das, bei aller Verkürzung, verstanden) bestritten wird. Deutschland ist nicht involviert, und das Marbacher Archiv beansprucht ja auch nicht ein Recht auf Kafkas Nachlass (schon gar nicht auf Kafka selbst), sondern nur die Möglichkeit, den Nachlass von Privatpersonen kaufen zu dürfen. Würde die Bundesrepublik Deutschland in irgendeiner Art und Weise irgendein Recht auf Kafka beanspruchen, würde ich sofort, reflexartig, die "typisch deutsche" kolonialistische Attitüde (die ja leider auch oft anzutreffen ist, vor allem hier in Wien, wo manch ein/e Deutsche/r überzeugt ist, seine schiere Gegenwart hebe das kulturelle und intellektuelle Niveau) kritisieren. Aber in dieser Angelegenheit ist den Deutschen nichts vorzuwerfen. Dass die Marbacher den Nachlass gern kaufen würden: wär ich ein Literaturarchiv und hätte die Mittel, ich würde das auch gern.
Mir als Deutschem it es persönlich scheißegal [Anmerkung: Bitte bedienen Sie sich innerhalb der Diskussion und gegenüber Ihren Mitstreitern einer gepflegteren Sprache. Die Redaktion/vv], ob Kafkas Manuskripte in Marbach liegen poder sonstwo auf der Welt. Hauptsache ist, ich kann das Zeug lesen. Aber als Ösi: geben Sie die Reichskleinodien her und entschuldigen Sie sich für Jahrhunderte der habsburgischen Fremdherrschaft. Dann hätten wir einen ehrlichen Dialog.
Mir als Deutschem it es persönlich scheißegal [Anmerkung: Bitte bedienen Sie sich innerhalb der Diskussion und gegenüber Ihren Mitstreitern einer gepflegteren Sprache. Die Redaktion/vv], ob Kafkas Manuskripte in Marbach liegen poder sonstwo auf der Welt. Hauptsache ist, ich kann das Zeug lesen. Aber als Ösi: geben Sie die Reichskleinodien her und entschuldigen Sie sich für Jahrhunderte der habsburgischen Fremdherrschaft. Dann hätten wir einen ehrlichen Dialog.
Tzz tzz, wenn Kafka das noch erlebt hätte. Er sähe sich bestätigt, denn seine Sicht der Welt als groteskes Etwas erhält durch diesen absurden Streit nur Bestätigung, Bestätigung, Bestätigung...
, lieber Alexander II. haben Sie in Ihrem Beitrag auf subtile Weise vollbracht (möglicherweise übertreibe hier ich ein bisschen).
Ich versteige mich zu der Behauptung, daß beides nichts miteinander und nichts mit dem Verhalten der Bibliothek zu tun hat. Es mag sein, daß es in verschiedenen Institutionen, vielleicht sogar in einem Klima in dem Rechtsansprüche eher einsitig definiert werden, versucht mit allen Mitteln an die Manuskripte zu kommen, mit einem Politikum der Deutsch Israelischen Beziehungen hat das vermutlich eher wenig zu tun.
Ansonsten könnte man ja auch froh sein, daß sich Deutschland dazu bekennt und auf die Verdienste der deutschen Juden stolz ist. Deutschland ist, das ist heute den meisten klar, mehr als Auschwitz.
Ich vermute, die wittern halt die Chance an eine literarische Kostbarkeit zu kommen, wie es sie im 20. Jahrhundert eben nur begrenzt oft gibt. Die Mittel sind denen dann eben egal.
Kafkaeske Grüße,
Sphinxfutter
Meines Wissens stammt Kafka aus Prag. Diese Stadt hat ihn geprägt.
Damit dürfte sich diese Debatte erledigt haben.
"Hier ist nicht der Ort fuer Deutsche sich aufzuplustern."
Unbestritten ist die historische Schuld Deutschlands, gänzlich unbestritten und furchtbar.
Aber ich ärgere mich über die anhaltende pauschale Schuld der heutigen Generation der Deutschen. Da machen es sich einige Menschen zu einfach - auch wenn verständlicherweise aus historischem Schmerz heraus argumentiert wird.
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun und sollte argumentativ frei davon ausgetragen werden können. Es geht nicht an, dass kritische Berichterstattung über Israel pauschal mit der historischen Schuld abgebügelt werden - ausgenommen ist selbstverständlich jede Form der antisemitischen Berichterstattung, aber davon ist dieser Artikel weit entfernt.
Hier geht es um Literatur und juristische Spielarten und Spitzfindigkeiten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das sollte doch mit einer gewissen Distanz und Rationalität diskutiert werden können.
Ob Kafka darüber lachen würde oder wütend wäre weis keiner mehr. Doch ist diese Einmischung eines Staates in private Angelegenheiten absurd. Wenn außer den Beschenkten ein Staat Anspruch auf Kafkas Erbe hätte, dann die Tschechei, denn die hat Kafka geprägt, seinen Intellekt geprägt. Israel gab es noch nicht, Deutschland hat nie Anspruch gefordert.
Am Besten man schenkt das ganze google, das nach digitalisiserung den ganzen Kram verbrennt.
an Kafkas Nachlass hat, dann ist das mit Sicherheit die Tschechische Republik. Denn dort gelten noch heute die sog. Benesch-Dekrete. Hätte Kafka die Judenverfolgung des Nazi-Regimes überlebt, als Sudetendeutscher wäre er 1945 enteignet und deportiert bzw. ermordet worden.
Kafka war im übrigen zu keinem Zeitpunkt israelischer Staatsbürger oder sonstwie Einwohner Palästinas. Einen moralischen Anspruch Israels gibt es demnach nicht.
Marbach ist ein vortrefflicher Standort für seine Handschriften.
an Kafkas Nachlass hat, dann ist das mit Sicherheit die Tschechische Republik. Denn dort gelten noch heute die sog. Benesch-Dekrete. Hätte Kafka die Judenverfolgung des Nazi-Regimes überlebt, als Sudetendeutscher wäre er 1945 enteignet und deportiert bzw. ermordet worden.
Kafka war im übrigen zu keinem Zeitpunkt israelischer Staatsbürger oder sonstwie Einwohner Palästinas. Einen moralischen Anspruch Israels gibt es demnach nicht.
Marbach ist ein vortrefflicher Standort für seine Handschriften.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren