Reisekataloge Der Rabatt ruft

Wie Reiseveranstalter der Krise begegnen – ein Blick in die neuen Kataloge

Der Sommer 2010 wird für die deutschen Reiseveranstalter keine Saison wie jede andere. Das sieht man deutlich, wenn man die neuen Kataloge durchblättert. Stärker als zuvor ist den Programmen und Preisen zu entnehmen, wie die Branche sich auf die Wirtschaftskrise einstellt.

Eine Tendenz ist bei allen Anbietern festzustellen: Pauschalreisen werden billiger. Die Abschläge reichen von fünf Prozent für die Türkei bis hin zu 13 Prozent für Thailand. »Wir konnten in diesem Jahr günstiger einkaufen«, sagt TUI-Chef Volker Böttcher. »Unsere Marge tasten wir nicht an.« Viele Hotels sind seit dem Ausbruch der Krise nicht mehr ausgelastet und mussten die Preise senken. Günstiger kalkulieren können die Anbieter auch die Anreise, weil die Fluggesellschaften ihre Kerosinzuschläge abgeschafft oder reduziert haben. Im Segment der Autoreisen hat ITS eine »Bestpreisgarantie« eingeführt: Wer bei der Konkurrenz dasselbe Arrangement billiger entdeckt, bekommt die Differenz erstattet.

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Ein zweiter Trend ist der, zögernden Kunden mit großzügigen Stornoregeln entgegenzukommen. Alltours etwa wirbt mit einem »Vollkasko-Buchungsschutz« um Frühbucher. Wer sich schon jetzt für eine Reise aus den neuen Sommerkatalogen entscheidet, kann das bis zum Jahresende kostenlos widerrufen. »Damit geben wir unseren Kunden ein Stück der Sicherheit zurück, die die Finanzbranche ihnen genommen hat«, sagt der Alltours-Chef Willi Verhuven. TUI hat die Stornobedingungen für Städtereisen nach Berlin und München gelockert: Beim neuen Flex-Tarif kann der Kunde bis drei Tage vor der Abfahrt kostenlos von der Reise zurücktreten.

Eine andere Form der Sicherheit geben Gebeco und Dr. Tigges ihren Kunden: Weil auch hier die Buchungen zurückgingen, haben die Studienreiseveranstalter ihre Planungen umgestellt und die Mindestgrößen für ihre Reisegruppen gesenkt. Die Gäste müssen kaum mehr fürchten, dass eine gebuchte Reise wegen zu weniger Teilnehmer abgesagt wird.

Die Krise beschleunigt zudem Entwicklungen, die sich schon länger abgezeichnet haben – etwa das steigende Interesse an All-inclusive-Reisen, also an einem Urlaub, dessen Kosten von vornherein feststehen. TUI rechnet damit, dass 55 Prozent seiner Kunden sich im kommenden Sommer für diese Reiseform entscheiden, ein Zehntel mehr als 2008, und erweiterte sein Angebot. An vielen Katalogen ist auch abzulesen, dass die Veranstalter ihr Angebot an Hotels mit vier oder fünf Sternen ausgebaut haben. Das klingt in der derzeitigen Lage zunächst überraschend. Aber gerade diese Kategorien gehen seit Langem besonders gut. Und auch im laufenden Jahr waren die Einbußen hier am geringsten. »Die Leute scheinen sich zu sagen: Wenn schon Urlaub, dann richtig«, meint die Alltours-Sprecherin Alexandra Hoffmann. Die Kunden seien preissensibel in dem Sinn, dass sie mehr für ihr Geld erwarten.

Wer beim nächsten Urlaub für weniger Geld mehr Luxus haben möchte, sollte allerdings ein Reiseziel meiden: Deutschland. Die Ferienbranche zwischen Flensburg und Füssen blickt auf ein vergleichsweise gutes Jahr zurück, in dem die Übernachtungszahlen trotz der Krise das hohe Niveau von 2008 erreichten. Gerade weil Deutschland so beliebt und gut gebucht war, bleiben die Preise hierzulande gegen den internationalen Trend stabil. Zwar hätte die Hotellerie durchaus Spielraum für Rabatte. Schließlich gilt im Herbergsgewerbe vom 1. Januar 2010 an der reduzierte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Branchenkenner bezweifeln aber, dass diese Entlastung bei den Gästen ankommen wird. Sie vermuten eher, dass die Hoteliers Rücklagen bilden wollen. Ob die Skeptiker recht behalten, werden dann die nächsten Kataloge zeigen.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
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    • Schlagworte TUI | Reise | Tourismus | Thailand | Türkei | Urlaub | München | Berlin | Flensburg
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