Kulturkritik Wir Süchtigen

Das Internet macht abhängig. Frank Schirrmacher sucht in "Payback" nach Heilung von der digitalen Droge

Zu den Eigentümlichkeiten der jüngeren Computer- und Internetdebatten gehört, dass es keineswegs ausreicht, sachkundig zu argumentieren, um als zeitgemäß zu gelten. Es genügt auch nicht, technischen Entwicklungen eine ungeheure Relevanz zuzusprechen. Nein, man muss sie grundsätzlich befürworten. Ansonsten heißt es reinheitsgebieterisch, man sei kulturkritisch, elitär, und (besonders beliebt) habe Angst vor gesellschaftlichen Neuerungen.

Der FAZ -Herausgeber Frank Schirrmacher insistiert vor dem Hintergrund dieser Ideologisierung in seinem neuen Buch Payback also nicht ohne Grund darauf, ausgesprochen technikaffin zu sein. Ja, gerade weil er den Reizungen der digitalen Welt erlegen sei, wolle er die fatale Macht der Computer über unser aller Leben zum Thema machen. Und mit »Leben« sind keineswegs nur unsere Alltagsgewohnheiten, unsere Marotten, unsere Beziehungen gemeint. Im Fokus steht unsere biologische Verfasstheit. Schirrmachers bevorzugter Untersuchungsgegenstand ist zunächst sein eigener Körper, genauer: sein Gehirn, das sich eigentümlich transformiert habe, seitdem er simst und googelt, sich YouTube-Videos anschaut und Twitter-Einträge liest. Dieses Gehirn sei angesichts der Informationsflut, der es sich ausgesetzt sieht, würdelos herabgestuft. Schirrmacher gesteht, er fühle sich oft unkonzentriert, er sei vergesslich, überfordert, er wisse gar nicht mehr recht, welche der Informationen, die er beständig über allerlei Informationskanäle erhalte, relevant seien und welche nicht. Er drohe das selbstständige Denken zu verlernen. Er sei Knecht der Maschinen geworden. Er wolle wieder ihr Herr werden.

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Was kaum noch möglich ist. Zunächst einmal, so Schirrmacher, weil unser Handeln vollkommen auf Verzweckung abgerichtet ist, ganz im Sinne des amerikanischen Ingenieurs Frederick Winslow Taylor, der einst durch rigide Arbeitsteilung in der Industriegesellschaft grobe Arbeiterhände an feingliedrige Maschinen anzupassen und Bewegungsabläufe effizient zu synchronisieren suchte. Nun aber hat sich ein digitaler Taylorismus ans Werk gemacht, auch das menschliche Hirn konsequent auf Maschinenkonformität hin zu modellieren. Die Überforderungen, die wir dabei verspüren, sind Geburtswehen einer neuen Zeit, die es darauf abgesehen hat, unser Denken vollkommen auf Rechnerlogik zurechtzustutzen. Der Rechner will beispielsweise, dass wir multitasken, er will uns auf Gleichzeitigkeit trimmen, und wir gehorchen: Wir schreiben einen Bericht in Word, rufen nebenher unsere E-Mails ab und twittern. Ein fortwährendes Unterbrechen, das in krassem Widerspruch zum linearen Lesen steht, das auf einem Sichversenken, auf Nachdenklichkeit, auf Entschleunigung basiert – eine Kulturtechnik, die nachweislich zu verkümmern droht. Die Verwandlung unserer Lebensgewohnheiten bedeutet Schirrmacher zufolge allerdings nicht, dass wir verdummen. Nein, es ist schlimmer: Wir verlieren die Kontrolle über uns selbst.

Der neue Taylorismus suggeriert dabei durchaus Willensfreiheit. Es fällt der Kränkung wegen, die er uns zufügt, schwer, sich einzugestehen, dass wir unser Handeln sklavisch nach der Software ausrichten, die uns umgibt. Der Computer scheint uns längst anthropomorph geworden, er schlägt uns qua feinster Algorithmen vor, welche Entscheidungen wir zu fällen haben. Die Software des Onlinebuchhändlers weiß, dass wir dieses Jahr bereits drei leicht bekömmliche Krimis bestellt haben, sie schlägt uns zwei weitere vor, die überraschenderweise unserem Geschmack entsprechen. iTunes wiederum kennt unsere musikalischen Vorlieben längst besser, als wir es selbst tun. Die Daten, die wir im Netz hinterlassen, kehren neu zusammengesetzt wieder – als Entscheidungshilfen, die wir dankbar annehmen. Sie entlasten von der Frage, was für uns relevant ist. Der Computer scheint bereits vor uns zu wissen, was wir eigentlich wollen. Wir handeln zunehmend »nach einem Skript, einem Programm oder Drehbuch«. Die Algorithmen, vom Menschen erdacht, haben sich von ihm emanzipiert. Und doch leben wir im trügerischen Glauben, unsere Bewegungen im Netz seien selbstbestimmte, ganz von Zufällen geprägte Spaziergänge.

Ohne Zweifel: Das Leben, das wir führen, wäre einst als Dystopie bezeichnet worden. Wir werden, glaubt Schirrmacher, kontrolliert, indem man uns, wie in Aldous Huxleys Roman Schöne neue Welt , Freude zufügt. Jedes Mal, wenn wir uns im Internet auf die Suche nach Informationen begeben und etwas Brauchbares finden, schütten wir den Glücksstoff Dopamin aus. Wir lieben die neuen Technologien, obgleich sie uns überfordern. Wir sind süchtig. So sehr, dass wir so werden wollen wie sie selbst und unsere Körperfunktionen nach ihnen ausrichten. Über den computerzugerichteten Menschen aber »legt sich ein Netz der Vorausberechnung, des Determinismus«. Banker verstehen die Finanzprodukte nicht mehr, die sie mithilfe ihrer Software erstellen, Ärzte nicht mehr die Analyseinstrumente, die ihre Diagnosen leiten, und doch müssen sie sich als selbstständige Handlungsträger begreifen. Diesen glühenden Kern der Schirrmacherschen Überlegungen hat kurz vor der Wende Heiner Müller noch etwas pointen- und stilsicherer formuliert: »Es gibt einen Grad von Unterdrückung, der als Freiheit empfunden wird.« Die Normierung seines Denkens verschleiert sich dem vernetzten Individuum, das sich als autonom verstanden wissen will. Jedwede Überforderung schreibt es sich als persönliches Versagen selbst zu.

Aufschlussreich und inspirierend zugleich muss man vor allem jenes Kapitel nennen, das den »digitalen Darwinismus« in merklich nervösem Duktus verhandelt. Glaubte man lange Zeit an den Tüchtigen, der überlebt, so ist es heute der Bestinformierte, der sich durchsetzt. Unsere urinstinkthafte und hässliche Gier nach Neuigkeiten befriedigen Suchmaschinen, die – entgegen dem Klischee vom freien Netz – nach reinen Machtgesetzen strukturiert sind. Die Popularität einer Internetseite, um ein naheliegendes Beispiel anzuführen, bemisst sich danach, wie viele Links auf sie verweisen, was beständig zu einem »Matthäus-Effekt« führt: »Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, dass er Fülle habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch genommen, was er hat« (Mt 25,29). Kurzum: Google verstärkt massentaugliche Informationen, andere, womöglich relevantere, versenden sich ungelesen im Netz wie das »Gemeine«, das Schiller zufolge klanglos zum Orkus hinabgeht.

All diese Überlegungen sind in ihren Grundzügen gewiss nicht neu. Bereits der Informatiker Joseph Weizenbaum warnte in den sechziger Jahren vor Kontrollverlusten gegenüber künstlichen Intelligenzen. Weshalb man Schirrmachers Buch auch eher als wichtiges kulturkritisches Update angesichts einer allumfassenden Digitalisierung und Vernetzung kulturrevolutionären Ausmaßes verstehen sollte, die nunmehr schlechterdings jeden etwas angehen. Die finstere Anthropologie und polemische Suggestionskraft, die seinem Buch unterlegt sind, treffen auf eine Zeit, die sich aufgrund ihrer Kränkung durch Technik paradoxerweise dezidiert technikoptimistisch geriert. Schirrmachers Fatalismus helfen auch nicht die bisweilen eingestreuten Bemerkungen ab, es handele sich bei seinen Ausführungen keineswegs um ein »Pamphlet gegen Computer«. Derartiges darf man als Captatio Benevolentiae verbuchen, als rhetorische Figur, die um das Wohlwollen des skeptischen Lesers buhlt. Das Herz, das hier schlägt, ist ein lauernd konservatives: Das Menschenbild, wie schon in seinen Büchern zur Überalterung der Gesellschaft und zur Familie, ist ein trauerndes, das Zeitalter des linearen Lesens ist untergehendes Glück, das Papier wertvoller als der Bildschirm.

Weniger überzeugend ist deshalb – auch da hier mühsam um Konstruktivität gerungen wird – das letzte Drittel des Buches geraten. Es soll uns zeigen, »wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen können«. Hier kommt Schirrmacher über den Imperativ, den (womöglich von Peter Sloterdijk inspirierten) »Muskel der Selbstkontrolle« qua Krafttraining zu stärken, kaum hinaus. Der Argumentationsgang verstrickt sich überdies in einen unschönen Selbstwiderspruch: Ausgerechnet der heillos vom digitalen Darwinismus getriebene, vom Algorithmus überwältigte Mensch soll nun qua aufklärerischer Weitsicht und Exerzitien wieder zum Herrn über die Maschine werden, sich als unberechenbares, als unperfektes Wesen begreifen, das doch auch seine Vorzüge hat. Wie genau das bei dem Autor funktionieren soll, bleibt undeutlich. Gewiss, Schulen und Universitäten sollen in Zukunft Denken lehren und nicht Gedanken, heißt es. Man wird nicht widersprechen wollen. Und Meditationsübungen sollen auf den Studienplan zum Zwecke einer neuen, ungeahnten Selbstbesinnung gesetzt werden. Da fällt das Rezept angesichts des düsteren Zustands der conditio humana, von der beredt die Sprache war, doch überraschend homöopathisch aus.

Noch ein Wort zum dunklen Titel dieses argumentativ nicht immer ganz konsistenten, sprunghaften, aber zweifellos anregenden, durch allerlei wissenschaftshistorische Anekdoten und persönliche Erfahrungen gesättigten Traktats: Payback . Die Payback-Karte legt man in Kaufhäusern an der Kasse vor. Auf die Kaufsumme erhält der Kunde einen Rabattbetrag, der in Form von Punkten gutgeschrieben wird. Die Punkte darf man später wieder gegen Waren austauschen. So wie der Computer uns etwas zurückgeben möge, da wir doch ordentlich in ihn investiert haben, unter anderem unfassbar viel Lebenszeit auf Kosten von etwas, das sich nur mit einem absterbenden Begriff erfassen lässt: Muße. So weit die Schirrmachersche Hoffnung. Womöglich aber erleben wir die Technik längst nicht mehr als etwas von uns Abgespaltenes und Fremdes, um noch derlei unzeitgemäße Forderungen zu wagen.

 
Leser-Kommentare
  1. Lieber Herr Soboczynski, warum verwenden Sie so vehement Worte und Begriffe, die der Internetsüchtige von heute nicht versteht? "Exerzitien", "qua", "Captatio Benevolentiae" usw. ... Ihre Zielgruppe kann eigentlich nur eine elitäre Gruppe von Menschen über 60 sein, die sich beim Internet von ihren Enkeln helfen lassen. Oder Sie wollen damit klarmachen, dass Ihnen das Internet nichts anhaben kann. Herzlichen Glückwunsch. Good for you.

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    Diese Antwort ist das geradezu der Beweis für die Behauptung des Autors im ersten Absatz: "Zu den Eigentümlichkeiten der jüngeren Computer- und Internetdebatten gehört, dass es keineswegs ausreicht, sachkundig zu argumentieren, um als zeitgemäß zu gelten. […] Nein, man muss sie grundsätzlich befürworten. Ansonsten heißt es reinheitsgebieterisch, man sei kulturkritisch, elitär, und (besonders beliebt) habe Angst vor gesellschaftlichen Neuerungen."

    Und wirklich, es ist häufig schwer mit den Digital Natives eine Diskussion über die nachteilhaften Auswirkungen unseres Umganges mit den technischen Errungenschaften zu führen, ohne dass man als ewig Gestriger dargestellt wird. Auch mit sachlichen Argumenten kommt man nicht weiter; stellen die Vereinfachungen des Alltags durch Twitter, iPhone und Co. doch jeden Nachteil gefühlt in den Schatten. Zudem schreckt es die meisten Menschen schon gar nicht mehr ab, dass sie durch Payback, Google und dem praktischen Routenplaner auf dem Handy für große Konzerne bereits zum gläsernen Kunden geworden sind.

    Ein kritischer Umgang mit den neuen Medien und ein zumindest wages Hinterfragen des Sinnes der technischen Errungenschaften sollte trotz aller Begeisterung für Neues stets gepflegt werden. Und das betrifft gerade nicht die über 60jährigen, sondern vielmehr die junge Generation, die sonst droht, immer weiter im medialen Informationssumpf zu versinken.
    Herzlichen Dank. Good for all.

    • S.R.
    • 25.11.2009 um 0:39 Uhr

    "Die finstere Anthropologie und polemische Suggestionskraft, die seinem Buch unterlegt sind, treffen auf eine Zeit, die sich aufgrund ihrer Kränkung durch Technik paradoxerweise dezidiert technikoptimistisch geriert."
    Irgendwie musste ich gerade bei diesem Satz zu schmunzeln beginnen, konnte aber direkt herausfinden, was "gerieren" bedeutet. Schöne neue (Google-)Welt.
    Herzliche Grüße.

    Diese Antwort ist das geradezu der Beweis für die Behauptung des Autors im ersten Absatz: "Zu den Eigentümlichkeiten der jüngeren Computer- und Internetdebatten gehört, dass es keineswegs ausreicht, sachkundig zu argumentieren, um als zeitgemäß zu gelten. […] Nein, man muss sie grundsätzlich befürworten. Ansonsten heißt es reinheitsgebieterisch, man sei kulturkritisch, elitär, und (besonders beliebt) habe Angst vor gesellschaftlichen Neuerungen."

    Und wirklich, es ist häufig schwer mit den Digital Natives eine Diskussion über die nachteilhaften Auswirkungen unseres Umganges mit den technischen Errungenschaften zu führen, ohne dass man als ewig Gestriger dargestellt wird. Auch mit sachlichen Argumenten kommt man nicht weiter; stellen die Vereinfachungen des Alltags durch Twitter, iPhone und Co. doch jeden Nachteil gefühlt in den Schatten. Zudem schreckt es die meisten Menschen schon gar nicht mehr ab, dass sie durch Payback, Google und dem praktischen Routenplaner auf dem Handy für große Konzerne bereits zum gläsernen Kunden geworden sind.

    Ein kritischer Umgang mit den neuen Medien und ein zumindest wages Hinterfragen des Sinnes der technischen Errungenschaften sollte trotz aller Begeisterung für Neues stets gepflegt werden. Und das betrifft gerade nicht die über 60jährigen, sondern vielmehr die junge Generation, die sonst droht, immer weiter im medialen Informationssumpf zu versinken.
    Herzlichen Dank. Good for all.

    • S.R.
    • 25.11.2009 um 0:39 Uhr

    "Die finstere Anthropologie und polemische Suggestionskraft, die seinem Buch unterlegt sind, treffen auf eine Zeit, die sich aufgrund ihrer Kränkung durch Technik paradoxerweise dezidiert technikoptimistisch geriert."
    Irgendwie musste ich gerade bei diesem Satz zu schmunzeln beginnen, konnte aber direkt herausfinden, was "gerieren" bedeutet. Schöne neue (Google-)Welt.
    Herzliche Grüße.

  2. doch die Arbeitsucht überlesen. Die gibt es.

  3. Diese Antwort ist das geradezu der Beweis für die Behauptung des Autors im ersten Absatz: "Zu den Eigentümlichkeiten der jüngeren Computer- und Internetdebatten gehört, dass es keineswegs ausreicht, sachkundig zu argumentieren, um als zeitgemäß zu gelten. […] Nein, man muss sie grundsätzlich befürworten. Ansonsten heißt es reinheitsgebieterisch, man sei kulturkritisch, elitär, und (besonders beliebt) habe Angst vor gesellschaftlichen Neuerungen."

    Und wirklich, es ist häufig schwer mit den Digital Natives eine Diskussion über die nachteilhaften Auswirkungen unseres Umganges mit den technischen Errungenschaften zu führen, ohne dass man als ewig Gestriger dargestellt wird. Auch mit sachlichen Argumenten kommt man nicht weiter; stellen die Vereinfachungen des Alltags durch Twitter, iPhone und Co. doch jeden Nachteil gefühlt in den Schatten. Zudem schreckt es die meisten Menschen schon gar nicht mehr ab, dass sie durch Payback, Google und dem praktischen Routenplaner auf dem Handy für große Konzerne bereits zum gläsernen Kunden geworden sind.

    Ein kritischer Umgang mit den neuen Medien und ein zumindest wages Hinterfragen des Sinnes der technischen Errungenschaften sollte trotz aller Begeisterung für Neues stets gepflegt werden. Und das betrifft gerade nicht die über 60jährigen, sondern vielmehr die junge Generation, die sonst droht, immer weiter im medialen Informationssumpf zu versinken.
    Herzlichen Dank. Good for all.

    Antwort auf "Elfenbeinturm"
  4. Ich finde gerade den von Ihnen zitierten ersten Absatz als Begründung eher misslungen. „Nein, man muss sie grundsätzlich befürworten.[...] Ansonsten heißt es reinheitsgebieterisch, man sei kulturkritisch, elitär, und (besonders beliebt) habe Angst vor gesellschaftlichen Neuerungen.

    Das ist einfach nur leere Rhetorik als Verteidigung gegen den Wandel der stärkeren »Immaterialisierung der Information« der durch das Internet stattgefunden hat.

    Interessanterweise ist es aus meiner Sicht noch(!) genau andersherum. Die meisten, die momentan über Technik sprechen (und daher auch oft mal Herrn Soboczynski widersprechen), wissen noch wovon sie reden, sie haben die Entwicklung des Internets selbst auch miterlebt.

    Von dem Wort „Digital Natives“ halte ich nichts. Es ist wie vieles eine sinnlose Schublade. Das Internet mit seinen viele Facetten und Nutzerpersönlichkeiten passt da nicht rein. »Das Internet« als solche gibt es übrigens auch nicht. (Kulturkritik und Kulturpessimismus und Kapitalismus sind weitere...) Technikaffine Gruppe wie der CCC oder andere EFF sind eher extrem technikfeindlich – wenn es darum geht das Technik gegen Menschen eingesetzt wird.

    Der oft gemacht Vorwurf – den den Herr Soboczynski mit dem „Inet-Jünger-Abs.“ abzuwehren versucht – ist aus meiner Sicht folgender:

    Das »Internet« wird gerade durch die zu der fürchterlichen Überwacher-Waffe gemacht, die eigentlich den Untergang von Kultur und Moral durch die Zähmung des Internet aufhalten wollen.

    • quoth
    • 20.11.2009 um 17:23 Uhr
    5. Ja

    Ja, Lesen, Konzentration, bei einer Sache/Thematik bleiben, Meditation - das sind die Waffen gegen die Zerstreuungsdroge, das Infotainment und Infobusiness des Internet. Ich kenne Internetnutzer, die sich wie Trinker in bestimmten Abständen Abstinenz in Form von Offline-Wochen verordnen, um sich ihrer Selbstbestimmung wieder zu vergewissern.

    • vivo
    • 22.11.2009 um 10:15 Uhr

    "Der Rechner", "Das Internet" ... wer?

    Ich bin immer wieder fasziniert, wenn die sogenannten "Digital Natives" sich in Alarmismus ("Zensursula") verschwurbeln und wenn andererseits Menschen wie Adam Soboczynski einen Popanz namens "Der Rechner" aufbauen. Auch ich kenne den Sog der Information, Verbindung (Link) nach Verbindung zu verfolgen, aber doch nicht, weil "Das Internet" das aus tayloristischer Hinterhältigkeit so darreicht, sondern weil Menschen diese schnelle Verfolgung von Ideen und Gedanken schätzen. Es liegt doch kein inherenter Wert in der mühseligen Suche nach Information. Natürlich besteht die Gefahr, dass die gründliche Analyse, der dafür notwendige Abstand verloren gehen. Aber ist "Der Rechner" daran schuld? Wenn ich mich richtig erinnere wurde "Das Buch" auch als gefährlich eingestuft; Menschen, die sich im Eskapismus von "Romanzen" verlieren, wurden beschworen.
    Soboczynski verfällt einem kulturkritischem Alarmismus ("Kränkung", "Dystopie, "trügerischer Glaube") -- und klingt damit genau so albern wie "Digital Natives", die das Copyright ad absurdum führen wollen.
    Viel interessanter ist doch die Frage, warum wir es so lieben, den Informations-Verbindungen zu folgen, warum wir auf You-Tube die seltsamsten Vidoes anschauen -- und damit Stunden und Tage ausfüllen? Was haben wir in dieser Zeit früher gemacht? Haben wir dabei "unser Handeln vollkommen auf Verzweckung abgerichtet"?
    Und wenn dabei etwas wichtiges verloren geht, wie können wir es wiedergewinnen?

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    Ich glaube „der Zustand einer Abkehrung der Aufmerksamkeit (...) von gewissen herrschenden Vorstellungen durch Verteilung derselben auf andere, ungleichartige¹“ ist für den Menschen extrem wichtig, denn so kann er neue Verbindungen herstellen und auf neue Ideen kommen. Quasi als kreative Pause.

    Ob dies nun ein Sparziergang, ein Katzenvideo, eine Vorabend-Soap, eine amerikanische Serie oder Comic ist, ist dabei recht egal, wobei ich Soaps & Serien für am gefährlichsten halten, da hier oftmals unbewusst „Handlungsvorbilder“ unreflektiert übernommen werden.

    Menschen werden gerne unterhalten. In diesem Zustand sind sie aber auch am manipulierbarsten. Was für ein Zufall das es gerade für diesen Bereich im Vorabendprogramm so ein großes »kostenloses« (aber sicherlich Copyright geschütztes und PR-betreutes) Angebot gibt.

    Paranoia? Verschwörung? Nein, ich halte nicht alle Serien für gefährlich, aber wer man ab und an genau hinsieht, wird wissen das Werbung, PR und Vorabendserien oftmals ein- und dasselbe sind.

    (Stichworte: Rundfunkstaatsvertrag, Schleichwerbung, ISNM, Marienhof – die griffigste Kombination, es gibt viele mehr, gerade in amerikanischen Serien, zusätzlich natürlich auch: Produktwerbung/Marken)

    Verloren geht dadurch nichts, es wird sogar etwas dazu gewonnen. Aber es kommt wie immer im Leben auf die Dosis, das Setting und Beschaffenheit des „Gifts“ an.

    ¹ s. http://www.korpora.org/Ka...

    Ich glaube „der Zustand einer Abkehrung der Aufmerksamkeit (...) von gewissen herrschenden Vorstellungen durch Verteilung derselben auf andere, ungleichartige¹“ ist für den Menschen extrem wichtig, denn so kann er neue Verbindungen herstellen und auf neue Ideen kommen. Quasi als kreative Pause.

    Ob dies nun ein Sparziergang, ein Katzenvideo, eine Vorabend-Soap, eine amerikanische Serie oder Comic ist, ist dabei recht egal, wobei ich Soaps & Serien für am gefährlichsten halten, da hier oftmals unbewusst „Handlungsvorbilder“ unreflektiert übernommen werden.

    Menschen werden gerne unterhalten. In diesem Zustand sind sie aber auch am manipulierbarsten. Was für ein Zufall das es gerade für diesen Bereich im Vorabendprogramm so ein großes »kostenloses« (aber sicherlich Copyright geschütztes und PR-betreutes) Angebot gibt.

    Paranoia? Verschwörung? Nein, ich halte nicht alle Serien für gefährlich, aber wer man ab und an genau hinsieht, wird wissen das Werbung, PR und Vorabendserien oftmals ein- und dasselbe sind.

    (Stichworte: Rundfunkstaatsvertrag, Schleichwerbung, ISNM, Marienhof – die griffigste Kombination, es gibt viele mehr, gerade in amerikanischen Serien, zusätzlich natürlich auch: Produktwerbung/Marken)

    Verloren geht dadurch nichts, es wird sogar etwas dazu gewonnen. Aber es kommt wie immer im Leben auf die Dosis, das Setting und Beschaffenheit des „Gifts“ an.

    ¹ s. http://www.korpora.org/Ka...

  5. Schirrmacher scheint keine eigenen Gedanken gefasst zu haben, sondern lediglich wiederzukäuen, was die Kulturkritik in den letzten Jahrzehnten geschrieben hat - von Günther Anders ("Die Antiquiertheit des Menschen") bis Neil Postman ("The Disappearance of Childhood", "Conscientious Objections" & vor allem "Technopoly") - aufgefrischt um ein paar aktuellere Fallbeispiele und Anwendungen der referierten Theorien.

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    Ja, so ist es. Gerne – je nach politischer Ausrichtung – wird oft noch mit N. G. Carr, der Stiftung Lesen (aktiver/passiver Medienkonsum) und R. Sennett garniert.

    Wobei die letzten Artikel von Herrn Schirrmacher in der FAZaS zeigen das er Menge von der aktuellen Diskussion mitgenommen hat. Auch hat die FAZaS z. B. die Wikipedia-Relevanz Debatte mit aufgenommen.

    http://www.faz.net/s/Rub4...

    Ja, so ist es. Gerne – je nach politischer Ausrichtung – wird oft noch mit N. G. Carr, der Stiftung Lesen (aktiver/passiver Medienkonsum) und R. Sennett garniert.

    Wobei die letzten Artikel von Herrn Schirrmacher in der FAZaS zeigen das er Menge von der aktuellen Diskussion mitgenommen hat. Auch hat die FAZaS z. B. die Wikipedia-Relevanz Debatte mit aufgenommen.

    http://www.faz.net/s/Rub4...

  6. Ich glaube „der Zustand einer Abkehrung der Aufmerksamkeit (...) von gewissen herrschenden Vorstellungen durch Verteilung derselben auf andere, ungleichartige¹“ ist für den Menschen extrem wichtig, denn so kann er neue Verbindungen herstellen und auf neue Ideen kommen. Quasi als kreative Pause.

    Ob dies nun ein Sparziergang, ein Katzenvideo, eine Vorabend-Soap, eine amerikanische Serie oder Comic ist, ist dabei recht egal, wobei ich Soaps & Serien für am gefährlichsten halten, da hier oftmals unbewusst „Handlungsvorbilder“ unreflektiert übernommen werden.

    Menschen werden gerne unterhalten. In diesem Zustand sind sie aber auch am manipulierbarsten. Was für ein Zufall das es gerade für diesen Bereich im Vorabendprogramm so ein großes »kostenloses« (aber sicherlich Copyright geschütztes und PR-betreutes) Angebot gibt.

    Paranoia? Verschwörung? Nein, ich halte nicht alle Serien für gefährlich, aber wer man ab und an genau hinsieht, wird wissen das Werbung, PR und Vorabendserien oftmals ein- und dasselbe sind.

    (Stichworte: Rundfunkstaatsvertrag, Schleichwerbung, ISNM, Marienhof – die griffigste Kombination, es gibt viele mehr, gerade in amerikanischen Serien, zusätzlich natürlich auch: Produktwerbung/Marken)

    Verloren geht dadurch nichts, es wird sogar etwas dazu gewonnen. Aber es kommt wie immer im Leben auf die Dosis, das Setting und Beschaffenheit des „Gifts“ an.

    ¹ s. http://www.korpora.org/Ka...

    Antwort auf "Der Rechner will ..."

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