Finanzkrise Die Landesskandalbanken
Giftpapiere in den staatlichen Instituten bedrohen das Land. Wie konnte das geschehen? Die wahre Geschichte beginnt mit einem EU-Praktikanten, setzt sich fort mit politischer Großmannssucht und endet beim Versagen der Finanzmanager. Von Marc Brost, Hanns-Bruno Kammertöns, Mark Schieritz und Arne Storn
Das Phantom trägt eine blaue Bulgari-Krawatte, die hoch aufgeschossene Gestalt steckt in einem managerfarbenen Einreiher, sein Händedruck ist kühl und fest. Dirk Jens Nonnenmacher, Vorstandschef der HSH Nordbank und studierter Mediziner, sieht so aus, als müsse er zur Kur. Unter den Augen dominiert das Grau, manchmal zieht er unbewusst die linke Braue hoch. Abgespannt, das trifft es wohl. Nur 48 Stunden zuvor sind zwei seiner Vorstandskollegen vom Aufsichtsrat wegen "Pflichtverletzungen" fristlos entlassen worden. "Natürlich berührt das einen", sagt er und leert ein Glas Wasser in einem Zug. Nonnenmacher selbst ist noch einmal davongekommen. Seit Monaten prasselt die Kritik auf ihn ein, Politiker und Bürger fordern seinen Rücktritt. Doch der oberste Kontrolleur, Hilmar Kopper, vertraut ihm, und nur das zählt für ihn. "Lass sie doch reden", empfiehlt der Exchef der Deutschen Bank manchmal.
Bei aller Kritik, bei allem Stress, Dirk Jens Nonnenmacher, 46, Professor der Mathematik, zwingt sich zur Ruhe. Er nimmt sich Zeit, will erklären, neigt zu Monologen, während derer seine Augen die rotbraun getäfelten Wände des Konferenzzimmers im Hamburger Hauptsitz fixieren. Hinter ihm hängt ein Barometer. Es deutet, wen wundert es, auf ein kolossales Tief. "Ich bin hier, um einen Job zu machen. Meine Person ist da nachrangig", sagt er. "Ich klebe nicht an meinem Stuhl", er wolle aber alles zu einem guten Ende bringen. Der Chef fühlt sich in der Pflicht.
Das Merkwürdige ist: Nonnenmacher darf gelassen sein. Deutschland braucht ihn noch. Obwohl sich Staatsanwälte und zwei Untersuchungsausschüsse für seine Arbeit interessieren, obwohl er für viele Bürger das ganze Elend der deutschen Landesbanken personalisiert.
- Die Landesbanken
Fast alle Landesbanken gehören Ländern und Sparkassen gemeinsam – ein Erbe aus der Zeit, als sie vor allem als Förderbanken und Dachinstitute dienten. Eigenständig geblieben sind sieben Institute, die sehr unterschiedlich von der Finanzkrise betroffen sind: Vier Problemfälle und drei, die bisher ohne größere Schäden durch die Krise gekommen sind.
- Die Problemfälle
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HSH Nordbank: Sie verlor 2008 fast drei Milliarden Euro und musste von Hamburg und Schleswig-Holstein mit drei Milliarden Euro Kapital und zehn Milliarden Euro Garantien gestützt werden. Sie wird ihre Bilanzsumme von 200 Milliarden Euro halbieren. Welche Rolle spielt die Restbank beim Zusammenlegen von Landesbanken? »Als Fusionspartner sehe ich derzeit keine Landesbank, eher andere Institute«, sagt der HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher.
WestLB: Sie geriet früher als andere in Schieflage und ist am weitesten bei dem Versuch, Geschäfte mithilfe des Bundes auszulagern. Es geht um knapp 90 Milliarden Euro, ein Drittel der Bank. Deren Chef Dietrich Voigtländer ist offen für Zusammenschlüsse der Kernbank mit anderen Landesbanken: »Unsere Zukunft bemisst sich nicht daran, ob auf diesem Turm WestLB steht oder nicht.«
LBBW: Noch 2007 rettete sie die Sachsen LB – und ließ 2008 einen Verlust von rund zwei Milliarden Euro folgen. 2009 wird es wohl ähnlich schlimm. Ihre Eigentümer stützten sie mit fünf Milliarden Euro Kapital und 12,7 Milliarden Euro Garantien. Die Bank wartet wie HSH und BayernLB darauf, wie die EU ihre Restrukturierungspläne bewertet.
BayernLB: Abschreibungen auf Wertpapiere ließen sie 2008 in die Krise geraten. Bayern stützte sie mit zehn Milliarden Euro. Die Bank wird Teile ihres Geschäfts abgeben und kämpft mit Problemen der Österreich-Tochter Hypo Alpe Adria.
- Die Gesunden
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Helaba: Das Bankhaus von Hessen und Thüringen kam bisher ohne große Schäden durch, auch weil es mit der Frankfurter Sparkasse eine Tochter hat, deren Kunden private Sparer sind.
NORD/LB: Die Bank von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt musste noch keine hohen Verluste vermelden. Sie gilt wie die Helaba als Haus, um das sich andere Landesbanken scharen könnten.
LBB: Sie gehört den Sparkassen und entkam der Krise, weil sie während des Booms mit Restrukturierungen statt mit US-Papieren beschäftigt war.
Sein Gesicht steht für Milliardenverluste, für all die windigen Abzocker, die sich ihr Versagen mit Millionenboni honorieren lassen. "Scheißbanker!" Auf der Mönckebergstraße pöbeln ihn Leute an, von den Medien fühlt er sich regelmäßig verkloppt. Sie titulieren ihn als "Dr. No", ein Inbegriff des Bösen, sie sind erbost über sein beharrliches Schweigen, das ihn, den Verantwortlichen, wie ein Phantom erscheinen lässt. Fast jedes Foto, das es von ihm gibt, ist ein einziger Vorwurf. Er weiß das, doch ihm gefällt seine Frisur. Jene schwarzen, streng nach hinten gegelten Haare, die auf Kragenhöhe in einer Welle etwas nach oben zeigen. Mehr was für Galerien, Klubs oder was auch immer, dieser Schnitt, jedenfalls nichts für ein Bankhaus mitten in Hamburg. Nur gibt es eben kaum noch jemand anderen, der bereit wäre, diesen Karren zu ziehen.
Fiele die HSH Nordbank, könnte sie alle anderen Landesbanken mitreißen, mit ihnen die Sparkassen und das Finanzsystem. Sie einfach zu schließen, auch das verbietet die Sorge um die Stabilität, und so ist es mit jeder Landesbank. Das Schicksal des Landes hängt also auch davon ab, dass Dirk Jens Nonnenmacher sein Haus in den Griff kriegt.
Ähnlich düster ist die Lage in Düsseldorf, in Stuttgart, in München. Überall dort schrammten die Landesbanken in der Zeit seit Ende 2008 nur knapp an der Insolvenz vorbei, rund 20 Milliarden Euro an Kapital und etwa 30 Milliarden Euro an Garantien waren bisher nötig, um Institute zu stützen. Spätestens wenn in den nächsten Tagen der Bund, wie derzeit diskutiert, bei der WestLB einsteigen sollte, ist klar: Die Landesbanken sind das größte finanzielle Risiko der Republik.
Wird die Geschichte der Landesbanken erzählt, geht es fast immer um gierige Banker in den Vorständen und überforderte Kontrolleure in den Aufsichtsräten. Um Hybris, Zockerei und die Nonnenmachers. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere handelt vom Versagen der Politiker – über Jahrzehnte hinweg.
Zentrale Kiel, Ziel Asien. So hatten es die Landesbanker gern
Der Niedergang der Landesbanken ist nicht denkbar ohne die politischen Zwänge und Begehrlichkeiten, die wieder und wieder über die ökonomische Logik siegten. Ohne die Länderchefs, die, wie Heide Simonis einmal zugab, in guten Zeiten "wie besoffen" waren vom Erfolg. Sie trieben ihre Landesbanken zu Wachstum um jeden Preis und können trotz Krise nur schwer von ihnen lassen. Auch die Sparkassen tragen bis heute eine Mitschuld an der Misere. Sie verweigerten den Landesbanken den Zugang zu Kunden in der Heimat und ziehen sich nun zurück, weil sie nicht willens sind, in ihre Schatullen zu greifen.

Wer diese Geschichte erzählt, muss von Menschen berichten, die in Brüssel einst als Cheflobbyisten für die Landesbanken kämpften und sie heute als Politiker attackieren. Vom mächtigen Verbandspräsidenten Rolf Gerlach, der seit Jahren im Hintergrund Einfluss auf das Schicksal der WestLB nimmt. Oder von Torsten Albig, der als Sprecher von Peer Steinbrück das Gezerre um die Landesbanken hautnah erlebte und heute als Oberbürgermeister die Folgen des Desasters jeden Tag in der Kasse spürt. In Kiel. Wo in gewisser Weise alles begann.
Dienstag, der 11. Dezember 1990. Im Landeshaus, einem mächtigen Bau aus der Kaiserzeit mit Paternoster und Blick auf die Kieler Förde, fällt an diesem Tag eine weitreichende Entscheidung. Der Landtag gliedert der Landesbank Kiel eine Wohnungsbauförderanstalt an. Dieser Kniff bringt mehr Eigenkapital – hat aber zwei gravierende Folgen.
Zum einen übernehmen andere Bundesländer, zum Beispiel NRW, die Idee und dopen ihre Landesbanken damit auf Wachstumskurs. Plötzlich ist vieles möglich. In Kiel etwa steigt das Geschäftsvolumen von etwa 45 Milliarden Mark im Jahr 1990 auf 82 Milliarden Euro im Jahr 2000 – rund das Vierfache. Zum anderen weckt der Schritt die Neugier der Wettbewerbshüter in Brüssel. Ihre Kontrolleure halten die Landesbanken von nun an streng unter Beobachtung.
- Datum 20.11.2009 - 11:17 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
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Solange Banken noch 750Tsd.€ Jahresgehalt für Abteilungsleiter als normal ansehen, solange jedes Land eine
staatliche Bank hat wird auch jedes Dorf eine Sparkasse und jede Kleinstadt mehrere Filialen haben.
Wer oben nicht aufräumt wird unten nie ankommen.
Welch Wahnsinn unseres Systems- best ausgebildete Ingenieure finden keinen Job oder können nicht entsprechend ihrer Fähigkeit eingesetzt werden.
Unternehmer, Erfinder, Visionäre mit guten Ansätzen und zukunftsfähigen Arbeitsplätzen scheitern an der Gleichgültigkeit, dem Egoismus und der Willkür der Banken und Sparkassen.Miserabel ausgebildete Kaufleute und Banker machen unser Land und deren Menschen kaputt.
3 Jahre Studium ohne richtige Prüfung erzeugen Rhetorikakrobaten, Blender und Egoisten- aber mit einem Jahresgehalt von 750Tsd.€ ohne Verantwortung zu tragen wie jedes Familienoberhaupt sie tragen muss. Versagen wird geheim gehalten und im Notfall ein oder zwei Opfer gefunden mit"kleinen Abfindungen". Stand ja im Vertrag.
Wie sollen Unternehmer arbeiten können wenn Bankgespräche nur auf den Kontostand reduziert sind.
Wie soll eine Sparkasse mit 650 Mitarbeitern wirtschaftlich und qualitativ gut arbeiten wenn nur 7 Mitarbeiter Firmenkundenberater sind.
Sparkassenvorstände und Bankdirektoren geht nicht zu jedem Pressetermin, nicht zu jeder Vip Veranstaltung-
bitte geht wieder zu Euren Kunden, zu Euren Geldanlegern, zu Euren Kreditnehmern, zu Euren Firmen und übernehmt wieder
Verantwortung.Streicht Basel II.
...dass die Landesbanken kein Geschäftsmodell haben, das ohne Subventionen funktioniert. Daran ist nichts neu. Neu ist lediglich, dass es für so viele Bürger jetzt klar wird oder werden sollte, wie korrupt und schlampig der Umgang mit Steuergeldern und Regulierung war. Dafür ist der Landesbanksektor lediglich ein Beispiel, aber ein eindruckvolles Beispiel dennoch der Lokalmythologien und Heldensagen zur Sozialen Marktwirtschaft und der Deutschland AG.
Das Problem scheint systemisch, auch wo man es an Einzelpersonen aufhängt.
Dank an die ZEIT für investigativen unbestechlichen Journalismus zu Themen, bei denen die Finanzpresse eher umschreibend kritisiert..(Unvergessliches Beispiel: Die ZEIT zu BGH-Richern beim Schrottimmobilien-Skandal.)
Frage aber zur Verantwortung des Journalismus noch === VOR === der Katastrophe?
Auf aha7.com wird seit 2002 die Schließung aller Staatsbanken gefordert (gemeint: Landesbanken und KfW):
Weil Filzokratie-Netzwerk durch die Natur der Konstellation... also Besserung ausgeschlossen.
Ferner dort seit 2002 die Forderung der Schließung aller Förderbanken: Ein Sodom Gomorrha, umlagert von Netzwerkern, Filzokratie-Profitierern, Schwarzen Kassen statt Haushaltsauweis gemäß Verfassung und Demokraite. Förderbanken - die größte Geldverbrenn-Fabrik der Nation. Ein paar Staubkörner, wie edle Studentenkredite und edle Minigründer-Finanzierung, ... die Potemkinschen Dörfer für Journalisten.
Alles seit 2002, 2003 bis heute nachzulesen auf aha7.com (Details), politisch vox7.com.
Insgesamt 30 Pressemitteilungen 2003...2009 hierüber an praktisch alle überregionalen Redaktionen u.a.m., Fax Mails: Themenlisten, systematisch, sekundenschnell überfliegbar, bestens aufgreifbar. Niemand kann sagen, dass er nicht wissen konnte.
Warum hat kein einziges Presseorgan von 2002 bis 2009 der damit erkärten Streitbereitschaft den Rücken gestärkt? (Kontakt: ok _AT_ vox7.com )
Wäre es erfolgt, so hätte der deutsche Zweig der Finanzkrise nicht stattgefunden.
Warum war dieser Wahnsinn nicht bei den Bundestagswahlen gebührend thematisiert? (vielleicht weil alle Parteien mit drin hängen?)
Warum erhebt sich auch jetzt, wo's doch der Letzte mitbekommen haben sollte kein Sturm der Entrüstung und warum fordert niemand öffentlich die Köpfe der Verantwortlichen? (weil das in einer Revolution enden könnte?)
Wo bleibt die Staatsanwaltschaft, die eigentlich per se gar keine andere Wahl haben sollte, als solche Straftaten zu verfolgen? (Bananenrepublik?)
... Solange sich die scheidenden Bundestagsabgeordneten noch zum Abschied mit teueren Schreibgeräten auf Kosten der Steuerzahler eindecken können und die amtierenden Bundestagsabgeordneten stillschweigend am kommenden Staatsbankrott mitwerkeln ist alle Hoffnung verloren. Und schämen tut sich von diesen Profiteuren garantiert niemand, denn vor uns deutschen Schafen braucht kein Politiker Angst zu haben, wir sind anscheinend mit Konsumieren und Schweinegrippe beschäftigt und schon zufrieden, wenn die Preiserhöhungen unserer gedulteten Monopolisten/Kartelle mal einen Monat ausbleiben. Altes Politikermotto: "Ist der Ruf mal ruiniert, lebt sich's weiter ungeniert... wenigstens eine Legislaturperiode!"
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