Liebeskolumne Ist er zu wenig Vater?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss er seinen Sohn mehr unterstützen?

Meldet sich der Sohn von selbst, wenn er Probleme hat oder muss der Vater eingreifen?

Meldet sich der Sohn von selbst, wenn er Probleme hat oder muss der Vater eingreifen?

Die Frage: Stefan und Alexandra sind seit zwölf Jahren zusammen. Sie haben zwei Kinder und zusammen eine Pfarrstelle in einer Gemeinde. In letzter Zeit gibt es Streit über den jüngsten Sohn Martin. Er war bisher der Augapfel der Mutter, beide waren unzertrennlich, haben zusammen gespielt und gebastelt. Stefan hat das eher amüsiert verfolgt; er ist der Überzeugung, dass Kinder sich schon melden, wenn sie etwas brauchen. Seit Martin in die Schule geht, ist die Harmonie mit der Mutter zerstört. Martin will nicht erzählen, was er dort erlebt und ob alles in Ordnung ist. Alexandra fürchtet, den Kontakt mit ihm zu verlieren. Vielleicht ist er depressiv? »Du musst mit ihm reden, auf dich hört er vielleicht!«, sagt sie zu Stefan. »Tu’s mir zuliebe!« – »Er wird schon wieder was sagen, wenn er will!«, entgegnet Stefan.

Liebeskolumne
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wenn Eltern unterschiedliche Wege beschreiten, um ihren Kindern eine gedeihliche Mischung aus Haltgeben und Loslassen zu bieten, ist das sehr in Ordnung. Gefährlich ist die Entwertung des Partners – wenn beispielsweise Alexandra Stefan uninteressiert findet, und Stefan Alexandra gluckenhaft. Martin braucht alle seine Kräfte, um mit der neuen Situation in seiner Klasse und den damit verbundenen Rivalitäten klarzukommen. Die Vertraulichkeit zur Mutter erlebt er als Schwäche. Stefan hat in der Sache recht, in der Form nicht: Martin wird sich melden, wenn er Hilfe braucht. Aber es ist Alexandra, die Unterstützung braucht – nicht beim Festhalten ihres Jüngsten, sondern in ihrer Loslösungskrise. Nicht Martin ist traurig, sondern Alexandra.

Anzeige

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

 
Leser-Kommentare
  1. [ Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/m.e. ]

  2. Seit einem Jahr bin auch ich Vater - was würden Sie mir raten? [ Entfernt wegen Doppelpostings. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Liebeskolumne
  • Quelle ZEITmagazin, 19.11.2009 Nr. 48
  • Kommentare 2
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Liebe | Partnerschaft | Familie
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service