Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit
Aber auch den Einsatz von mathematischen Methoden haben die Schweizer längst perfektioniert. Im Jahr 2003 zeigte der Wirtschaftswissenschaftler Yves Flückiger vor dem Bundesgericht, wie gut seine Methode der Gehaltskalkulation funktioniert. Eine Juristin mit einem Jahresgehalt von 140.000 Franken hatte gegen ihren Arbeitgeber aus Lausanne eine Lohnklage angestrengt. Der Gutachter untersuchte sämtliche Gehälter der Firma. Mit mathematischen Methoden analysierte er, wie in diesem Unternehmen das Alter, die Ausbildung, die Berufserfahrung, die Position und das Geschlecht eines Angestellten dessen Gehalt beeinflussten. Nach Flückigers Berechnungen hätte die Juristin dort 195.000 Franken verdient – wäre sie ein Mann. Was die Richter beeindruckte: Im Unternehmen fand sich tatsächlich ein Mann, der fast das gleiche Profil hatte wie die Juristin. Sein Gehalt: 196.000 Franken. Seither ist die Methode vor Gericht zugelassen.
In Deutschland bekommen Frauen 23 Prozent weniger Gehalt als Männer
Auf diesem mathematischen Prinzip beruht auch das Programm Logib, das das Eidgenössische Gleichstellungsbüro auf seiner Internetseite bereitstellt. "Dieser Selbsttest bietet für Unternehmen die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand einen Anhaltspunkt dafür zu bekommen, ob es deutliche Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen gibt", sagt die Berner Ökonomin Silvia Strub, die die Grundlagen für Logib entwickelt hat. Firmen, die vom Bund Aufträge wollen, sollten diesen Test gemacht haben, denn sie müssen sich verpflichten, die Lohngleichheit einzuhalten. So schreibt es das Schweizerische Bundesgesetz für das öffentliche Beschaffungswesen vor. "Das ist eine wichtige Säule zur Umsetzung der Lohngleichheit", sagt Sajeela Schmid vom Gleichstellungsbüro, das immer wieder Unternehmen kontrolliert.
Auch in der Schweiz verdienen die Männer nach den aktuellsten Zahlen immer noch 19 Prozent mehr als Frauen. Aber die Lohnlücke schwindet: Im Jahr 1996 lag sie bei 23 Prozent, 2002 bei 21 Prozent. In der deutschen Wirtschaft dagegen ist die Lücke stabil, sie liegt bei 23 Prozent. "Die Lohnunterschiede sind in Deutschland stärker verfestigt als in anderen Ländern", sagt Hermann Gartner vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung. So konnten sämtliche Länder der Europäischen Union, in denen nach der EU-Statistik von 1995 die Lohnunterschiede besonders hoch waren, die Ungleichheiten verringern – mit Ausnahme Deutschlands.
Immerhin, ein Teil der Lücke lässt sich durch andere Faktoren als Diskriminierung erklären. In der älteren Generation gibt es viele Frauen mit schlechter Ausbildung. Ein Teil des Unterschiedes hat also mit der Qualifikation zu tun. Ein anderer mit der Berufserfahrung: Wenn ein Paar ein Kind bekommt, steigt in der Regel die Frau aus dem Job aus. Aber jedes Jahr Pause zählt, das wissen die Experten. Außerdem drängen Frauen eher in Wirtschaftszweige, in denen schlecht bezahlt wird. Sie arbeiten auch häufiger in kleinen Firmen; die aber zahlen niedrigere Löhne als große. Dies alles hat zur Folge, dass bei ihnen weniger auf dem Gehaltszettel steht.
Doch nicht die ganze Lohnlücke lässt sich so aufschlüsseln. Egal, welche Faktoren Experten heranziehen, um Frauengehälter zu analysieren, so gut wie immer fehlen am Ende etliche Franken oder Euro. Ein Rest, den sich die Experten mit nichts erklären können. Außer mit dem Frausein.
In der Schweiz wie in Deutschland macht dieser diskriminierende Anteil im Schnitt etwa 40 Prozent der Lohnlücke aus – aber in der Alpenrepublik sinkt dieser Anteil, hierzulande nicht. Doch selbst das geht den Schweizern nicht schnell genug: Sie dachten im vergangenen Jahr über die Einführung einer Kontrollbehörde nach, um den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen. Die Arbeitgeber konnten das durch ein Abkommen mit den Gewerkschaften noch einmal verhindern: Sie verpflichteten sich, mehr freiwillige Lohntests durchzuführen. Die Gewerkschaften verzichten im Gegenzug auf Verbandsklagen. Fünf Jahre lang, bis 2014, soll die Vereinbarung gelten. Die Arbeitgeber haben eine Gnadenfrist bekommen.
In Berlin hat noch die alte Bundesregierung Ziele formuliert, die wahrscheinlich selbst in den Ministerien kaum jemand kennt: Laut einem Fortschrittsbericht zur Nachhaltigkeit soll die Lohnlücke im Jahr 2010 nur noch 15 Prozent betragen – und bis 2015 um weitere 5 Prozentpunkte geschrumpft sein. Das sind jedoch Fantasiewerte: "In Deutschland fehlt eine politische Strategie zur Förderung der Entgeltgleichheit. Ohne eine solche wird das Ziel kaum erreichbar sein", sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Astrid Ziegler, die sich bei der Hans-Böckler-Stiftung mit dem Thema befasst hat. Eine deutsche Version des Logib-Rechenprogramms gibt es immerhin, sie wird aber erst von wenigen Firmen benutzt. Und mehr als das hat sich die neue Regierung von Union und FDP nicht vorgenommen: Im Koalitionsvertrag verspricht sie, für Logib zu werben. Das tut keinem weh, wird aber auch nicht viel ändern.
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- Datum 20.11.2009 - 14:39 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
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„Egal, welche Faktoren Experten heranziehen...die Experten mit nichts erklären können. Außer mit dem Frausein.“
Feministinnen und Frauenbeauftragte können (oder wollen) es nicht erklären.
Gemäs LSE 2006 sind 60% durch Alter, Ausbildung, Dienstalter oder Wirtschaftssektor zurückzuführen. Interessanterweise wird kein Unterschied bei der Studienrichtung gemacht (also egal ob man Englisch, Geschichte oder Wirtschaft studiert), berufliche Stellung, Tätigkeit und Branche, wird nur teilweise berücksichtigt. Arbeitszeit, respektive Überstunden (Männer leisten fast doppelt so viele Überstunden wie Frauen), Fehltage und Krankheit werden überhaupt nicht berücksichtigt.
Somit wird von den 18,9% LohnUNTERSCHIED, 7,56% einfach als diskriminierend angenommen.
http://www.bfs.admin.ch/b...
Anzumerken ist, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der gleichen Firma gegeben ist. Dies wurde auch von der EU so bestätigt.
„...Arbeit und Gleichstellung zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla in seiner Bilanz: „Direkte Lohndiskriminierung’, also ungleicher Lohn für gleiche Arbeit sei in der EU fast ganz verschwunden.“
Des weitern wurden in der Schweiz im Jahr 2008 ganze 7 (!) Fälle betreffend Lohngleichheit angestrebt!
Präzise und genau wurde die „Lohndiskriminierung“ in Deutschland von Manndat analysiert:
http://manndat.de/fileadm...
Die Quellen die Sie angeben geben meines Erachtens etwas anderes wider - sie stützen eher den Artikel, da angegeben ist, dass die Lohndifferenz bei zunehmenden Ausbildungsgrad steigt.
Die Quellen die Sie angeben geben meines Erachtens etwas anderes wider - sie stützen eher den Artikel, da angegeben ist, dass die Lohndifferenz bei zunehmenden Ausbildungsgrad steigt.
Diese 23 Prozent Differenz kommen nur zustande, wenn man alle(!!) Tätigkeiten in einen Topf wirft - ohne irgendwelche für den Lohn relevanten Dinge wie den Beruf, die tatsächliche ausgeführte Tätigkeit, die Höhe der Ausbildung usw. usf. zu berücksichtigen. Es wird also das Gehalt der Putzfrau mit dem der Abteilungsleiterin in einen Topf geworfen und dieser Mittelwert mit dem Mittelwert aus Wachschutz, Maschinenführer und Abteilungsleiter verglichen. Das hat nichts mit gleichwertiger Arbeit zu tun, mit gleicher Arbeit erst recht nicht. Ein einfacher Anruf beim statistischen Bundesamt hätte genügt, um der Welt-Redaktion Aufklärung zu verschaffen.
http://www.destatis.de/je...
Da schreibt das statistische Bundesamt, aus guten Grund, weil die Art der Zahlenermittlung es gar nicht hergibt, Zitat:
„Bei der Interpretation der Werte sollte berücksichtigt werden, dass es sich um den unbereinigten Gender Pay Gap handelt. Aussagen zum Unterschied in den Verdiensten von weiblichen und männlichen Beschäftigten mit gleichem Beruf, vergleichbarer Tätigkeit und so weiter sind damit nicht möglich.“
Ich finde es empörend, dass selbst eigentlich seriöse Zeitungen wie „Die Zeit“, bei diesem Thema wiederholt Artikel drucken, die so lausig recherchiert wurden [...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)
Ähm ... wie alt ist eigentlich das Bild, hm? Diese Tausender da sind sicher seit bald 15 Jahren schon nicht mehr im Umlauf. Ich darf noch einmal "lausig recherchiert" wiederholen.
Ähm ... wie alt ist eigentlich das Bild, hm? Diese Tausender da sind sicher seit bald 15 Jahren schon nicht mehr im Umlauf. Ich darf noch einmal "lausig recherchiert" wiederholen.
Ähm ... wie alt ist eigentlich das Bild, hm? Diese Tausender da sind sicher seit bald 15 Jahren schon nicht mehr im Umlauf. Ich darf noch einmal "lausig recherchiert" wiederholen.
Es ist nicht zu fassen: Vor 20 Jahren ging die DDR -zu Recht- unter, weil sie keine ökonomischen Unterschiede und Arbeitslosigkeit zulassen wollte ("Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik").
Jetzt wird von einer liberal-konservativen Zeitung wieder in dieselbe Kerbe geschlagen, diesmal nicht im Namen der klassenlosen, sondern der geschlechtslosen Gesellschaft.
Wir sollten, nach hundert Jahren wirtschafts- und noch längerer Zeit sonstiger politischer Irrungen, uns doch bitte endlich dessen bewußt sein, daß die Höhe des Lohnes primär (!) von der Leistung abhängen sollte. [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf herabwürdigende Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ]
erscheint es manchem, dass "immer wieder solche Artikel erscheinen!" Dabei sind die Kommentare fast informativer und lassen doch tief in die Volksseele blicken. Gleichberechtigung von Frauen in unserer Gesellschaft muss noch viele Widerstände überwinden.
Wer etwas über Lohngerechtigkeit erfahren möchte mag sich einmal drei Stunden in eine Arztpraxis stellen und dort den medizinischen Fachangestellten zusehen. Was diese für ihre Schufterei erhalten, auch als Tariflohn, hat mit Leistungsgerechter Entlohnung meines Erachtens wenig zu tun.
Hut ab vor den Schweizern! Die Widerstände dort sind sicherlich nicht geringer als in Deutschland. Die Politiker hatten sicherlich Mut!
Die Quellen die Sie angeben geben meines Erachtens etwas anderes wider - sie stützen eher den Artikel, da angegeben ist, dass die Lohndifferenz bei zunehmenden Ausbildungsgrad steigt.
gleichwertigkeit von krankenschwestern mit polizeisoldaten
na ja krankenschwesetrn tragen ja auch zu ihrem und dem schutz anderer eine pistole bei sich - das allein zeigt die vergleichbarkeit - heutzutage würde man wahrscheinlich auch verkäuferinnen (die stehen immerhin den ganzen herum) in nobelboutiquen gleich entlohnen wie bauarbeiter,
die frage ist doch was wäre man im kriegsfall lieber, im bereich pflege der verwundeten soldaten oder ein soldat
dieses gutachten würde ich mir gerne durchlesen
in der schweitz gibt es jeden tag transferleistungen von männern an frauen in der höhe von 50 millionen schweizer franken
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