Martenstein Carpe diem, verdammt noch mal!

Harald Martenstein weiß, dass er in gefährlichen Zeiten lebt. Und dass es gegen die größte Bedrohung auch nie einen Impfstoff geben wird

Ich möchte die Gefahr nicht kleinreden. Es gibt sie. Und sie ist nicht klein. Man sagt immer: Jeder Tote ist einer zu viel. Das stimmt ja auch. Ich möchte den Eindruck vermeiden, dass ich mich über die Opfer lustig mache. Es könnte auch jemanden aus meinem Umfeld erwischen, jemanden, der mir nahesteht. Oder sogar mich selber. Falls es mich selber erwischt, mit vollem Mund, im Schlafanzug, wäre das eine interessante Pointe, aber ich selber würde es ganz bestimmt nicht amüsant finden. Ich lebe gerne, verdammt noch mal.

Andererseits finde ich es falsch, in Hysterie zu verfallen. Meine Oma sagte oft: Das Leben ist lebensgefährlich. Irgendwann und irgendwie erwischt es dich halt. Aus Angst vor dem Tod keinen Spaß mehr im Leben zu haben, nicht mehr zu genießen – das kann es nicht sein. Carpe diem, verdammt noch mal!

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Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen

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Ich kenne die Gefahr. Aber ich verändere meine Lebensgewohnheiten nicht. Ich esse, ich trinke. Ich frühstücke, mit Honig, ich sitze in der Küche, ich gehe unter Leute. Ich sage mir, dass seit dem Beginn der Menschheit etwa 100 Milliarden Menschen gestorben sind, an allem Möglichen. In der Süddeutschen zum Beispiel stand, dass in jedem ganz normalen Jahr in Deutschland zwischen 5000 und 12.000 Leute an der Grippe sterben, ohne dass die Zeitung oder das Fernsehen davon groß Notiz nimmt. Wenn man jedes einzelne dieser 5000 bis 12.000 Opfer mit Foto einzeln vorstellen und in der Tagesschau melden würde, hätten wir an 365 Tagen des Jahres Massenpanik. Man muss die Relationen sehen. Trotzdem versucht man, sich zu schützen.

Aber wie soll ich das machen? Es gibt keinen Impfstoff. Ich glaube, dass es niemals einen Impfstoff geben wird. Wasser ist gefährlich. Wasser müsste ich meiden. Aber es gibt kein Leben ohne Wasser.

Ich kann weggehen von den Menschen, ich könnte mich aus Angst in eine Erdhöhle verkriechen, dann wandele ich nicht mehr unter Euch. Ich kann mich mit dem Fallschirm über dem brasilianischen Dschungel abwerfen lassen. Will ich das? Nein. Ich bleibe, bei Euch und dem Risiko, von dem ich rein zufällig erfahren habe. Einem Film der Umweltorganisation Save our Seas habe ich die Information entnommen, dass im vergangenen Jahr, weltweit, 791 Personen durch defekte Toaster zu Tode gekommen sind.

Leser-Kommentare
  1. Vielen Dank für diese Kolumne. Im Sinne der Wiederverwertung toten Holzes habe ich das ZEIT Magazin an meine Frau übergeben. Sie war genauso wie ich auf dem falschen Holzweg und vermutete zunächst ... nun ja, eben etwas anderes als lebensgefährliche Toaster.

    Wir haben beide über unseren eingefahrenen Denkweg gelacht, und meine Frau sagte dann: "Kann man dem schreiben, dem Martenstein". Im Sinne einer ZEITsouveränen Nutzung der ZEIT entschloss ich mich, hier zu kommentieren und kein totes Holz für einen Brief zu vergeuden, so wie man ihn früher eben schrieb. Denn: Nutze den Tag, und verschwende keine ZEIT in totes Holz!

    Doch das Anmelden hier und jetzt verdarb mir die Nutzung des Tages. Erst einmal die AGBs durchlesen und bestätigen. Acht Bildschirmseiten zum Durchscrollen und -lesen! Wie soll ich da den Diem noch carpen? Was soll's, Schwamm drüber. Ich habe einfach ohne tiefsinniges Lesen den Haken gesetzt. Ich vertraue Ihnen - und schließlich soll noch etwas vom Tage übrigbleiben.

    P.S. Wir werden Ihrem Vorbild folgen und trotz der gefährlichen Lage weiter unseren Toaster benutzen. Vielleicht nicht mehr ganz so häufig...

  2. 2.

    Die Leute sind nun mal zu sehr daran gewöhnt, alles "sicher" haben zu wollen. Sie erkennen dabei nicht, das es keine absolute Sicherheit gibt (außer, dass wir alle sterben müssen). Sie haben angst vor dem Fliegen, fahren aber mit dem Auto zum Flughafen. Die Risikowahrnehmung uns -Abschätzung ist nicht in Ordnung. Kann man es ihnen ubelnehmen? Nein. Statistik ist sehr schwer. Meist "vertrauen" sie den falschen Leuten oder Aussagen, schalten nur selten ihren Menschverstand ein. Oh, gesunder Menschenverstand: Ich bin der Meinung, dass das 21. Jahrhundert als das Jahrhundert in die Geschichte eingehen wird, indem der gesunde Menschenverstand abgeschafft wurde!

    Übrigens: Das Robert-Koch-Institut zählt ca. 100 - 300 Grippetote im Jahr.

  3. Lieber Herr Martenstein,

    wie tröstlich, dass eben nicht nur der berühmte eventuell vom Dach fallende Backstein (sicher härter als ein verschmortes Toastbrot), sondern auch der Toaster an sich zur Vielzahl der "unbeimpfbaren" Todesarten gehören. Wir toasten in der Mikrowelle. (Oh, das könnte Krebs erregen!) In Toaster-Zeiten gab's bei uns immer nach dem Lüften ungetoastetes "Trostbrot". Man konnte sich dabei voll in GB fühlen, da "Trostbrot" (untoasted) wie Muffins schmeckte, die ihrem Namen Ehre machen.
    Ihren dunkelblauen Toaster kennen wir schon aus Ihrer Video-Kolumne, die wir nebst diesem charmanten Toaster ziemlich vermissen.
    Wiedersehn macht Freude

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Diese elenden Toaster stehen bei mir schon längst unter Generalverdacht. Nicht nur die kinetische Energie des Toasters allein ist das Problem. Zu recht wurde bereits festgestellt, dass Lüften zum Standardbetrieb eines Toasters gehört. Man stelle sich nur vor, wie viele Toasts in zurückliegender Zeit tatsächlich elend in Rauch aufgegangen sind, ja allein in diesem Moment verkohlen, und mit Feinstaub ohne Ende erst die Raumluft verpesten, später dann genial einfach in die Umwelt des Allgemeinwohls entlassen werden. Allein in Deutschland werden, mit Spitzenzeiten am Samstag- und Sonntagmorgen, sicher täglich Tonnen von diesen Muffin-Brüdern getoastet. Nach ersten Berechnungen geht damit, sollte täglich im Schnitt auch nur 1 von 100 Toasts abfackeln, ein Feinstaubausstoß von wenigstens mehreren 100 Tonnen einher, den größten Teil davon direkt in die Lunge eingesogen.

    Diese elenden Toaster stehen bei mir schon längst unter Generalverdacht. Nicht nur die kinetische Energie des Toasters allein ist das Problem. Zu recht wurde bereits festgestellt, dass Lüften zum Standardbetrieb eines Toasters gehört. Man stelle sich nur vor, wie viele Toasts in zurückliegender Zeit tatsächlich elend in Rauch aufgegangen sind, ja allein in diesem Moment verkohlen, und mit Feinstaub ohne Ende erst die Raumluft verpesten, später dann genial einfach in die Umwelt des Allgemeinwohls entlassen werden. Allein in Deutschland werden, mit Spitzenzeiten am Samstag- und Sonntagmorgen, sicher täglich Tonnen von diesen Muffin-Brüdern getoastet. Nach ersten Berechnungen geht damit, sollte täglich im Schnitt auch nur 1 von 100 Toasts abfackeln, ein Feinstaubausstoß von wenigstens mehreren 100 Tonnen einher, den größten Teil davon direkt in die Lunge eingesogen.

  4. Diese elenden Toaster stehen bei mir schon längst unter Generalverdacht. Nicht nur die kinetische Energie des Toasters allein ist das Problem. Zu recht wurde bereits festgestellt, dass Lüften zum Standardbetrieb eines Toasters gehört. Man stelle sich nur vor, wie viele Toasts in zurückliegender Zeit tatsächlich elend in Rauch aufgegangen sind, ja allein in diesem Moment verkohlen, und mit Feinstaub ohne Ende erst die Raumluft verpesten, später dann genial einfach in die Umwelt des Allgemeinwohls entlassen werden. Allein in Deutschland werden, mit Spitzenzeiten am Samstag- und Sonntagmorgen, sicher täglich Tonnen von diesen Muffin-Brüdern getoastet. Nach ersten Berechnungen geht damit, sollte täglich im Schnitt auch nur 1 von 100 Toasts abfackeln, ein Feinstaubausstoß von wenigstens mehreren 100 Tonnen einher, den größten Teil davon direkt in die Lunge eingesogen.

  5. Man rufe sich nun gleichzeitig in Erinnerung, dass demgegenüber die Staatsmacht in Person des neuen SPD-Chefs Gabriel erst vor ein paar Jahren glatt die Kaminkehrverordnung ändern und (nicht nur mir) den Betrieb des heiß geliebten, alten Kaminofens wegen seines Feinstaubaustoßes verbieten wollte. Es kann, im Hinblick auf die wirklich wichtigen Probleme dieser Menschheit, einfach nicht angehen, dass die archaisch-feurige, uns von unseren Vorfahren genetisch mitgegebene und in uns allen überlebende Sehsucht nach dem Blick ins Feuer ...

  6. ... mit unsäglichen technischen Verkapselungen und Verfilterungen hinter einer technokratischen Sichtweise zugunsten irgendeines eines Toasters, auch eines blauen, an- oder gar ausgepinkelt wird. Wenn schon meinen Ofen der Technikgläubigkeit opfern, dann zu unsrer aller Sicherheit auf jeden Fall auch jeden Toaster, in jedem Haushalt!
    Ikarus.

  7. Hier eine faktenerhärtende Statistik, wieviele Menschen weshalb resp. woran sterben (inkl. der paar Leute wegen "swine flu":
    http://media.mercola.com/...

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