Ich möchte die Gefahr nicht kleinreden. Es gibt sie. Und sie ist nicht klein. Man sagt immer: Jeder Tote ist einer zu viel. Das stimmt ja auch. Ich möchte den Eindruck vermeiden, dass ich mich über die Opfer lustig mache. Es könnte auch jemanden aus meinem Umfeld erwischen, jemanden, der mir nahesteht. Oder sogar mich selber. Falls es mich selber erwischt, mit vollem Mund, im Schlafanzug, wäre das eine interessante Pointe, aber ich selber würde es ganz bestimmt nicht amüsant finden. Ich lebe gerne, verdammt noch mal.

Andererseits finde ich es falsch, in Hysterie zu verfallen. Meine Oma sagte oft: Das Leben ist lebensgefährlich. Irgendwann und irgendwie erwischt es dich halt. Aus Angst vor dem Tod keinen Spaß mehr im Leben zu haben, nicht mehr zu genießen – das kann es nicht sein. Carpe diem, verdammt noch mal!

Ich kenne die Gefahr. Aber ich verändere meine Lebensgewohnheiten nicht. Ich esse, ich trinke. Ich frühstücke, mit Honig, ich sitze in der Küche, ich gehe unter Leute. Ich sage mir, dass seit dem Beginn der Menschheit etwa 100 Milliarden Menschen gestorben sind, an allem Möglichen. In der Süddeutschen zum Beispiel stand, dass in jedem ganz normalen Jahr in Deutschland zwischen 5000 und 12.000 Leute an der Grippe sterben, ohne dass die Zeitung oder das Fernsehen davon groß Notiz nimmt. Wenn man jedes einzelne dieser 5000 bis 12.000 Opfer mit Foto einzeln vorstellen und in der Tagesschau melden würde, hätten wir an 365 Tagen des Jahres Massenpanik. Man muss die Relationen sehen. Trotzdem versucht man, sich zu schützen.

Aber wie soll ich das machen? Es gibt keinen Impfstoff. Ich glaube, dass es niemals einen Impfstoff geben wird. Wasser ist gefährlich. Wasser müsste ich meiden. Aber es gibt kein Leben ohne Wasser.

Ich kann weggehen von den Menschen, ich könnte mich aus Angst in eine Erdhöhle verkriechen, dann wandele ich nicht mehr unter Euch. Ich kann mich mit dem Fallschirm über dem brasilianischen Dschungel abwerfen lassen. Will ich das? Nein. Ich bleibe, bei Euch und dem Risiko, von dem ich rein zufällig erfahren habe. Einem Film der Umweltorganisation Save our Seas habe ich die Information entnommen, dass im vergangenen Jahr, weltweit, 791 Personen durch defekte Toaster zu Tode gekommen sind.