Medien Der BeschützerSeite 3/3
Der Hof ist am Ende wichtiger als der Bauer. Schächter hat die Formulierung am Morgen gelesen, und sie hat ihm offenbar gefallen. Sie passt tatsächlich zu ihm. Denn für das ZDF könnte es derzeit keinen besseren Beschützer geben.
Am Abend des 9. November nach den Mauerfeierlichkeiten hat der Intendant kalte Füße bekommen. Er hält sie vor jedes verfügbare Heizgerät, aber es hilft nichts. Hunger hat er auch, also geht es um halb zehn noch ins Borchardt, Füße aufwärmen und Schnitzel essen im Berliner Promitreff.
Wenig später kommt Thomas Steg hinzu, der ehemalige SPD-Regierungssprecher. Schächter redet in diesen Tagen viel mit Menschen aus der Politik, um auszuloten, was geht. Wenn er mit Steg spricht, hält er die linke Hand vor den Mund. Auch Steg verdeckt seine Lippen. Niemand soll verstehen, was die beiden bereden.
Steg ist das, was man einen Spindoktor nennt, er gibt den Nachrichten einen Dreh, seinen Dreh. Auch für Schächters Fall hat er ein Konzept. Markus Schächter jedenfalls ist entschlossen, bis zum Freitag, den 27. November an seinem Kandidaten festzuhalten. Vorher einzuknicken würde dem Sender mehr schaden als diese Niederlage, das weiß er.
Dass er so denkt, darf nicht verwundern. Schächter ist Teil des Systems. Für seinen Job war er nicht die erste Wahl, sondern die fünfte. Vor acht Jahren waren vier hochkarätige Kandidaten im Fernsehrat diskutiert und dann dem Parteienproporz geopfert worden. Auch für Schächter reichte es nur knapp, zehn Mitglieder waren der Abstimmung ferngeblieben. Schächter war der »Kompromisskandidat«, der »kleinste gemeinsame Nenner«. Das Netteste, was man nach seiner Ernennung zum ZDF-Intendanten über ihn lesen konnte, war, dass der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck ihn eine »vertretbare Lösung« nannte.
Er sei nicht beleidigt gewesen, er sei doch vom Organ gewählt worden, sagt er heute. »Aber die damalige Geschichte wurde ja geheilt, in dem man beim zweiten Mal gesagt hat, dem trauen wir das zu, dass er das kann.« Drei Jahre später gab es nur eine Gegenstimme. Die nächste Wahl ist 2010.
Während er im Borchardt mit Thomas Steg auf der einen Seite des Tisches die große Rundfunkpolitik diskutiert, sitzen auf der anderen Seite Gottschalk und Boris Becker und erörtern für dessen Gattin Lilly auf Englisch, ob Gottschalk oder sein Freund Jauch »the biggest TV-Guy in Germany« ist. Es ist ein bisschen so wie sonst auf der Wetten, dass…? -Couch – nur ohne Kameras.
Schächter ist das fünfte von sechs Kindern, sein Vater arbeitete als Lagerist in einer Schuhfabrik. Aus dem pfälzischen Hauenstein, dem größten Schuhdorf Deutschlands, hat er es bis nach ganz oben geschafft. Auf dem Lerchenberg wurde er schnell Chef der Kinder- und Jugendredaktion, dann Leiter der Planungsredaktion, Programmdirektor.
Auch wenn die bunte Glitzerwelt nicht so seine sei, sagt er später in die kühle Novemberluft vorm Borchardt, ab und an betrachte er sie sich doch ganz gern aus der Nähe. Er fühlt einen Schnupfen heranziehen wegen der kalten Füße. Zur Abwehr des Infekts nimmt er noch zwei Williams Birne an der Hotelbar. Es waren keine leichten Wochen und Monate. »Das geht schon an die Nieren«, sagt er nach dem ersten Williams. Oft wacht er in diesen Tagen morgens um vier auf. Das sind die Momente, in denen er sich allein fühlt mit der Last des Amtes.
Es wird halb eins. Schächters Flieger geht um sieben raus nach Frankfurt, um zehn Uhr soll er einen Vortrag beim Mainzer Mediendisput halten. In 28 Jahren ZDF war er noch keinen Tag krankgemeldet, sagt er. Er will jetzt noch mal richtig kalt duschen und dann unter die warme Bettdecke.
- Datum 25.11.2009 - 18:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 19.11.2009 Nr. 48
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Herr Koch war sich noch nie für irgend eine "Schweinerei" zu
zu schade, Juden Erbschaften, Ausländische Jugendkriminalität etc.
Herr Berlusconi scheint bei alle die 1,65 nicht überschreiten Schule zu machen, leider ist Herr Schächter
nicht der Man der Ihm Paroli bieten kann, und so werden wir wiedermal ein Stücke Professionalität in der politische Berichterstattung verliern.
Campact hat gestern eine Online-Unterschriftenaktion für Brender gestartet, unterstützt von zahlreichen bekannten Journalisten aller politischen Couleur.
Eben habe ich nochmal nachgesehen: bisher haben 27.000 Leute unterschrieben, an einem Tag. Unsere Pressefreiheit ist vielen tatsächlich doch noch ein wichtiges Gut.
Ich hoffe, den Moderatoren der ZEIT ist es recht, wenn ich hier die Adresse nenne:
http://www.campact.de/eil...
Ich werde meine GEZ Zahlungen einstellen.
Ich bin doch nicht bereit einen Kabel1 Abklatsch zu finanzieren.
Und gebe dem ZDF keine zehn Jahre mehr. Und der Tag wird gefeiert werden wenn abgeschaltet wird!
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