Forschung in Dresden Labore des Pioniergeists
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In den USA gibt es eine "Laufbahn-Garantie"

Surendra will hier bleiben, obwohl es die Stadt Menschen wie ihm nicht immer leicht macht. Wie eine Umfrage an der TU Dresden im Sommer ergab, hat jeder dritte Ausländer hier schon »negative Erfahrungen« gemacht. Surendra kann das nicht bestätigen. Er konnte auch seine besorgte Mutter beruhigen, die neulich anrief und ihn zurück nach Indien holen wollte. Dortige Medien hatten vom Mord an der Ägypterin Marwa al-Scherbiny berichtet. Marwas Ehemann war ein Kollege von Vineeth Surendra. Am Institut arbeiten Menschen aus 45 Nationen.

»Grundsätzlich«, sagt Michael Brand, »hat Dresden in der internationalen Szene einen guten Ruf.« Brand kam selbst vor zehn Jahren her, nach Stationen in Köln, Tübingen, Harvard und Heidelberg. Heute ist er Direktor des Zentrums für Regenerative Therapien (CRTD), des einzigen Exzellenz-Clusters in den neuen Bundesländern. Sechzehn interdisziplinäre Arbeitsgruppen forschen an Therapien für Alzheimer, Parkinson, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und nach nicht einmal vier Jahren gelten die Dresdner hier schon als führend in Europa.

»Sachsen und Dresden haben es zwar geschafft, Spitzenforschung gezielt zu fördern«, sagt Brand, »aber bisweilen sind wir noch zu unflexibel, zu langsam, zu bürokratisch.« Aus seinem Büro blickt der 48-Jährige auf eine Großbaustelle. Das neue CRTD-Haus sollte seit zwei Jahren stehen, aber es wird erst 2011 öffnen. Brand muss improvisieren.

Doch gerade kurzfristiges Planen ist nicht hilfreich, wenn es darum geht, Nachwuchstalenten Karriereperspektiven zu eröffnen. In den USA gibt es seit Langem den tenure track , eine »Laufbahn-Garantie«: Wer sich über einen bestimmten Zeitraum hinweg bewährt, wird angestellt – ohne Befristung. In Deutschland landen auch Toptalente auf der Straße, wenn gerade keine Stelle frei ist. »Viele überlegen sich sehr genau, ob sie dieses Risiko eingehen«, sagt Brand.

Um auch diesen Forschern Perspektiven zu bieten, bemühen sich die Dresdner darum, Projekte mit Marktpotenzial aus den Instituten auszugründen. Karl Leo ist einer dieser Pioniere, Chef der Initiative Organic Electronics Saxony, TU-Professor und Direktor des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme im Stadtteil Klotzsche. »Um auf Dauer erfolgreich zu sein, braucht man eine kritische Masse«, sagt Leo, »und muss dafür sorgen, dass die Stadt für Unternehmen attraktiv wird.«

Leos Spezialgebiet ist es, Plastik zum Leuchten zu bringen. Organische Leuchtdioden, OLEDs, sind hauchdünn, durchsichtig und erzeugen unter Spannung Licht in allen Farben – auf jedem Material. Das Fenster der Zukunft ist tagsüber transparent, abends taucht es das Wohnzimmer in ein warmes Weiß. OLEDs leuchten nicht nur, sondern können auch selbst »sehen«, etwa in Datenbrillen: So ordert der Bauleiter der Zukunft einfach mit einem Zwinkern Nachschub, und Computerspieler daddeln freihändig. »Vor zehn Jahren haben sich in Dresden fünf Leute mit dem Thema befasst«, sagt Leo, »inzwischen sind wir der führende Standort in Europa mit rund 500 Beschäftigten allein in Dresden.«

Als Bundesforschungsministerin Annette Schavan kürzlich nach China fuhr, ließ sie deutschlandweit nach einem innovativen Produkt made in Germany suchen. Überreicht hat sie schließlich ein beidseitig leuchtendes OLED-Display mit Brandenburger Tor und Unterschrift. Es war die etwas kitschige Kunde davon, welches Geschenk Dresdner Zukunftstechnologie künftig sein kann.

 
Leser-Kommentare
  1. Diesen Artikel kann ich nur bestätigen. Ich war schon wiederholt im Laufe meiner Karriere als Wissenschaftler auf Dienstreise in Dresden, und die dortigen Einrichtungen sind wirklich erstklassig. Hier zeigt sich, dass der Geldtransfer nach Osten sich wirklich manchmal lohnt!

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