Theater Im uncoolen AtlantikSeite 2/2

Ein kleines Zwischenspiel vor der Pause verrät dann doch, was Castorf uns sagen will. Der Schauspieler Mex Schlüpfer, die Füße in Ballettschuhen, versucht einen Spitzentanz und singt: »Ich bin zu weich für diese Welt.« Das sind »wir«, und das ist unsere Lebensform, das Leben auf Spitze, die extreme Verfeinerung. Doch warte, sagt Castorf, es werden härtere Zeiten anbrechen, uncoole Zeiten. Und du, Zuschauer, wirst mit deinen Füßen, die jetzt noch auf Spitze tanzen, auch zutreten müssen.

Was aber verrät Castorf mit diesem Stück über sich selbst? Er bereitet uns vor auf das, was von ihm noch kommen wird. Er will gar kein Theater mehr führen, sondern ein Schiff – ein Totenschiff, das bis zum Ende von Castorfs Vertrag (2013), unbeirrt kreisend, auf Grund laufen darf.

Herzczy, der Revolutionär, unsere Lieblingsfigur aus Ozean, sagt einmal beiläufig, wie beim Menschen Hoffnung und Verzweiflung gemischt sind: »Hofft von Tag zu Tag. Verzweifelt von Stund zu Stunde.«

Verzweifle nur im Augenblick, aber hoffe auf das Glück des fernen Tags! Man kann es das Volksbühnen-Gefühl nennen: Genau das erlebt man in einer Castorf-Inszenierung.

 
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