Roger Willemsen fragt Roland Garve Haben Sie Ihr Zahnarztbesteck bei ihren Reisen dabei?

Roland Garve ist ein Zahnarzt aus Lüneburg. Er erforscht die letzten Naturvölker.

Roland Garve erforscht Naturvölker. Zuletzt erschien sein Buch "Laleo - Die geraubte Steinzeit"

Roland Garve erforscht Naturvölker. Zuletzt erschien sein Buch "Laleo - Die geraubte Steinzeit"

ZEITmagazin: Gibt es in Lüneburg etwas, das an Naturvölker erinnert?

Roland Garven: Bis auf die Inneneinrichtung meines Hauses wohl nichts. Aber ihre soziale Kompetenz ist viel stärker ausgebildet als bei uns. Hauptverantwortlich sind unsere Werte, die Frage etwa, wie man mit Geld umgeht. Es gibt immer noch völlig isolierte Gesellschaften in Neuguinea oder in Südamerika, die dieses Wertesystem noch nicht übernommen haben.

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ZEITmagazin: Haben diese isolierten Völker eigentlich eine Witterung, wer wir sind, was wir tun?

Garven: Einige von ihnen wissen durch Überlieferung, dass es eine Außenwelt gibt. Aber sie wünschen keinen Kontakt.

ZEITmagazin: Ich denke an das Bild der isolierten Indianer in Peru, die mit Pfeil und Bogen auf das Flugzeug schossen, aus dem man sie fotografierte.

Garven: Ja, sie verstecken sich, weil ihre Großeltern oder Eltern schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie wollen von uns nichts wissen.

ZEITmagazin: Und sind von der Globalisierung unerreicht?

Garven: Sie treffen vielleicht durch Zufall mal auf Menschen anderer Kulturen, haben aber oft Angst. Durch Krankheiten und Vertreibung sind dort ganz merkwürdige Rituale entstanden, die schon zum Massensuizid geführt haben.

ZEITmagazin: Warum erkennt man in Ihnen dort nicht den Vertreter dieser gefährlichen Welt?

Garven: Ich komme ja nicht, um zu glotzen. Bei den Zoé im brasilianischen Urwald etwa gab es eine tödliche Grippewelle. Da musste die Indianerschutzbehörde medizinisch helfen. Ich war öfter dort und bekam strengste Auflagen, nicht in ihre Kultur einzugreifen und sie auf keinen Fall in unsere Zeit hineinzustoßen.

ZEITmagazin: Aber indem man sie dokumentiert, stört man sie doch schon.

Garven: Im Kokain-Dreieck von Brasilien, Kolumbien und Peru musste man erst beweisen, dass es dort Indianer überhaupt gibt, sonst weiß man nur von Erdgasfeldern und Holzfällern. Dann und wann hat man mal einen toten Indianer gefunden. Um diesen Indianern zu helfen, die es offiziell gar nicht gibt, musste man ihre Existenz nachweisen.

ZEITmagazin: Sie setzen sich für Schutzzonen ein. Was wäre dort besser als in den nordamerikanischen Reservaten?

Garven: Stimmt, die Reservate machen die Menschen nicht glücklich. Man hat sie in Gebieten siedeln lassen, die vielleicht unfruchtbar oder nicht nutzbar waren. In Brasilien dagegen gibt es immerhin riesige Waldgebiete, die sie bewirtschaften können, ohne sie zu zerstören. Man schützt so Regenwald und Indianer.

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