Die Zukunft der Linken Doch, Siege sind möglich

Warum es in Europa eigentlich mehr als genug Wähler für eine starke Sozialdemokratie gäbe

Es sieht ganz so aus, als befinde sich die europäische Sozialdemokratie im Niedergang. Das katastrophale Ergebnis der SPD bei der Bundestagswahl war nur der jüngste Beleg dafür. Zugleich sind die Progressiven in den Vereinigten Staaten auf dem Vormarsch.

Diese gegenläufige Entwicklung erscheint paradox, wenn man den Einfluss demografischer Trends bedenkt, die in Europa und den USA Modernisierungsprozesse eigentlich begünstigen sollten: Eine progressive jüngere Generation wächst heran; die Zahl der Bürger aus eingewanderten Familien hat zugenommen; das Bildungsniveau steigt; die Schichten, die in Dienstleistungsberufen arbeiten, haben sich verbreitert; es gibt immer mehr Menschen, die alleine oder auf nicht traditionelle Weise gemeinsam mit anderen leben; religiöse Vielfalt und säkulare Weltanschauungen nehmen zu. All diese Trends müssten im Grunde einer breiten linken Mitte zugutekommen. Einfach gesagt: Progressive politische Parteien sind die natürlichen Nutznießer von Modernität.

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Nimmt man noch die auch weiterhin starke Verankerung der Sozialdemokraten in der Arbeiterschicht, die gegenwärtige globale Wirtschaftskrise und das offenkundige Scheitern der ökonomischen Konzepte der Konservativen hinzu, sollten progressive Kräfte bei den Wahlen eigentlich von Sieg zu Sieg eilen.

Genau so ist es in den Vereinigten Staaten gekommen. Der Wahlsieg des Demokraten Barack Obama vor einem Jahr war nicht nur deshalb bemerkenswert, weil Amerika mit ihm den ersten schwarzen Präsidenten erhielt. Das Wahljahr 2008 bescherte auch den konservativen Republikanern vernichtende Niederlagen – selbst in vielen Regionen des Landes, in denen sie zuvor ihre Hochburgen gehabt hatten. 53 Prozent der amerikanischen Wähler entschieden sich für Obama – kein anderer Kandidat der vergangenen zwei Jahrzehnte brachte eine größere Mehrheit hinter sich.

In Europa liegen die Dinge anders. Hier ist die Unterstützung der Wähler für die Sozialdemokraten im Laufe des vergangenen Jahrzehnts auf das niedrigste Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg gefallen. Im europäischen Durchschnitt kommen die sozialdemokratischen Parteien derzeit nur noch auf etwa 27 Prozent der Stimmen. Wie ist diese – im transatlantischen Vergleich – kümmerliche Entwicklung der europäischen Sozialdemokraten zu erklären?

Der erste Grund liegt im Wesen des europäischen Parteiensystems. In den USA haben die Demokraten im Ringen um fortschrittlich gesinnte Wähler keine ernsthaften Wettbewerber. Die europäischen Sozialdemokraten dagegen müssen sich typischerweise mit gleich drei Konkurrenten herumschlagen: mit den Grünen, mit weit links stehenden Kräften und mit Parteien der liberalen Mitte. Diese Konkurrenten erzielen ihre besten Ergebnisse bei den Wählergruppen, deren Bedeutung langfristig wächst. Im Gegensatz dazu sind diejenigen Gruppen geschrumpft, auf welche sich die Sozialdemokraten stützen. Die jüngste Bundestagswahl in Deutschland hat diesen Trend eindrucksvoll belegt.

In dieser Situation stehen Sozialdemokraten vor gleich mehreren Herausforderungen. Da ist erstens die koalitionspolitische Herausforderung. Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass sozialdemokratische Parteien in Zukunft wieder besser abschneiden. Trotzdem ist es sehr wahrscheinlich, dass die Ära sozialdemokratischer Vorherrschaft der Geschichte angehört. In dieser Lage ist die Bereitschaft der Sozialdemokraten gefragt, neue progressive Koalitionen zu schmieden. Diese Koalitionen müssen nicht nur andere Parteien aus dem Spektrum der linken Mitte einschließen. Ihnen sollten auch progressive Bürger sowie fortschrittliche, aber parteiunabhängige Organisationen angehören.

Leser-Kommentare
  1. Das Wortgeklingel aus dem liberalen Think Tank täuscht nicht darüber hinweg, dass es lediglich wieder die alte Leier ist: die marktliberale Politik der Schröder/Clement Und Blair/Brown war richtig, nur Mitglieder und Wähler waren zu blöd, den tiefen Weisheiten zu folgen.
    Kurz, nur ein Vermittlungsproblem, eine neue einleuchtendere Werbekampagne muss her: Sozialdemokraten waschen genauso porentief rein wie die bürgerlichen Christliberalen. Nicht nur Schwarzgeld.

  2. Da könnt Ihr in den Massenmedien noch so oft sinnlos fragen, warum denn die vielen Arbeiter und Arbeitslosen, die Jugendlichen und Studenten und die Zugezogenen aus dem Ausland und die Rentner und die Kranken die SPD nicht wählen.

    Antwort: weil die SPD die Interessen all ihrer Wähler gegen gutes Geld von den Konzernen und lukrative Posten für ihre Funktionäre unter dem Einfluss der Neoliberalen verraten hat.

    Wer wählt so eine Verräterpartei?

    Eben, es werden immer weniger. Die SPD lernt ja auch nichts dazu, sondern möchte gerade so weiter machen. Die Wähler wären zu blöde gewesen, die großartige Politik der SPD zu erkennen und sich dafür zu bedanken.

    Macht nur weiter so. Und viel Spaß der Redaktion mit solchen Artikeln.

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    Das Lustigste an dem Wort "Neoliberal" ist, daß 99,9% seiner Benutzer nicht einmal wissen, was es bedeutet.

    Das Lustigste an dem Wort "Neoliberal" ist, daß 99,9% seiner Benutzer nicht einmal wissen, was es bedeutet.

  3. wird noch eine große Zukunft vor sich haben, davon bin ich überzeugt. Nur schade, dass es gerade in Deutschland gar keine sozialdemkokratische Partei gibt, genauso wenig wie eine Liberale. Dafür aber genau drei Christliche (und keine mehr!), nämlich "christliche Mitte", PBC und das Zentrum. Die wählt aber zum Glück kaum jemand.

  4. des dritten Weges ist gescheitert. Sie hat kein einziges Problem wirklich gelöst, dafür aber ganze Menschenmasse wirtschaftlich und sozial aus der Gesellschaft ausgeschlossen und in eine unsäglichen Bürokratie (Hartz IV, Riester-Rente etc.)Solange die Sozialdemokraten das nicht verstehen, gibt es für sie keine Zukunft.

  5. Wie soll man die Zeit verstehen?
    Ihr sagt also wir sollen so denken:

    Hartz IV, super!!
    AGENDA 2010, geil!!
    Rente mit 67, bombastisch!!!
    Münte, es gibt nix besseres!!
    Schröder, was sonst??
    Steinmeier, trotz Guantanamo und Kurnaz, na und?!!
    Ein Innerminister Schilly, Wilhelm zwei wäre auf ihn Stolz gewesen.

    Wovon sprecht Ihr eigentlich?
    Von welcher Sozialdemokratie?
    Was an dieser Partei ist sozial und was ist eigentlich demokratisch. Oder definiert Ihr sozial und demokratisch neuerdings anders?

    Hört bitte auf die Menschen für dumm zu verkaufen, das ist nicht fair.

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    aber exakt diese dinge die sie aufzählen sind doch die gründe warum ich SPD wähle und immer wählen werde. weil sie den mut hat zu unbequemen reformen.

    verzeihung, aber wenn man sich ihren eintrag so durch liest wird man das gefühl nicht los das da nur jemand sauer ist weil man ihm die vielzittierte soziale hängematte unterm allerwertesten weggezogen hat. haben sie mal drüber nachgedacht WARUM all die punkte die sie aufzählen umgesetzt wurden? sicher nicht aus reiner selbstzerstörung. aber mir ist meine zeit zu schade um ihnen das jetzt zu erklären.

    aber exakt diese dinge die sie aufzählen sind doch die gründe warum ich SPD wähle und immer wählen werde. weil sie den mut hat zu unbequemen reformen.

    verzeihung, aber wenn man sich ihren eintrag so durch liest wird man das gefühl nicht los das da nur jemand sauer ist weil man ihm die vielzittierte soziale hängematte unterm allerwertesten weggezogen hat. haben sie mal drüber nachgedacht WARUM all die punkte die sie aufzählen umgesetzt wurden? sicher nicht aus reiner selbstzerstörung. aber mir ist meine zeit zu schade um ihnen das jetzt zu erklären.

  6. Ich finde diese Gleichsetzung der Sozialdemokraten mit den amerikanischen Demokraten mehr als umstritten, es gibt gravierende Unterschiede, überhaupt lassen sich amerikanische Parteien nicht mit europäischen Parteien vergleichen.

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    Diese Sichtweise kann ich durchaus teilen. Im Artikel wird der eigentliche Unterschied im Parteiensystem von USA und Deutschland beschrieben. Wenn man den Hass erlebt hat, mit denen einige Konservative an Stammtischen den Erfolg Obamas, des anderen Lagers in den USA, begleitet haben, dann wird einem dies noch klarer.
    Meinem Eindruck nach kämpft die SPD um ihre neue Rolle. Sie ist zur Sozialiberalen Partei geworden, hat ihre Traditionen verlassen. Ihr modernen Traditionen aber lauten Bad Godesberg und Bonn 1982.

    Diese Sichtweise kann ich durchaus teilen. Im Artikel wird der eigentliche Unterschied im Parteiensystem von USA und Deutschland beschrieben. Wenn man den Hass erlebt hat, mit denen einige Konservative an Stammtischen den Erfolg Obamas, des anderen Lagers in den USA, begleitet haben, dann wird einem dies noch klarer.
    Meinem Eindruck nach kämpft die SPD um ihre neue Rolle. Sie ist zur Sozialiberalen Partei geworden, hat ihre Traditionen verlassen. Ihr modernen Traditionen aber lauten Bad Godesberg und Bonn 1982.

  7. 7.

    aber exakt diese dinge die sie aufzählen sind doch die gründe warum ich SPD wähle und immer wählen werde. weil sie den mut hat zu unbequemen reformen.

    Antwort auf "Weiter so!"
  8. verzeihung, aber wenn man sich ihren eintrag so durch liest wird man das gefühl nicht los das da nur jemand sauer ist weil man ihm die vielzittierte soziale hängematte unterm allerwertesten weggezogen hat. haben sie mal drüber nachgedacht WARUM all die punkte die sie aufzählen umgesetzt wurden? sicher nicht aus reiner selbstzerstörung. aber mir ist meine zeit zu schade um ihnen das jetzt zu erklären.

    Antwort auf "Weiter so!"

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