Streit um ZDF-Chefredakteur Meins bleibt meins
Gegen den anmaßenden Übergriff der Politik auf die Chefredaktion des ZDF hilft nur eins: Klagen!
Man muss Roland Koch dankbar sein. Der hessische Ministerpräsident hat mit seinem angekündigten Anschlag auf die Rundfunkfreiheit Schwachstellen des öffentlich-rechtlichen Systems sichtbar gemacht. Und das war bitter nötig. Lange genug wurde im Verborgenen gekungelt. Dank Koch könnte es an diesem Freitag erstmals dazu kommen, dass eine von der CDU geführte Mehrheit im ZDF-Verwaltungsrat einen Chefredakteur des Zweiten Deutschen Fernsehens absägt. Einen, der das Vertrauen seines Intendanten hat.
Das Problem ist nicht, dass Koch den Chefredakteur Nikolaus Brender lieber heute als morgen absetzen würde und das in einem Interview auch so sagte. Mächtige Politiker müssen mächtige Journalisten nicht lieb haben – und umgekehrt. Das Problem ist, dass es in der Macht des Politikers steht, seinen Willen durchzusetzen.
Artikel 5 des Grundgesetzes schreibt die Rundfunkfreiheit vor. Dass die Besetzung der wichtigsten ZDF-Gremien damit konform geht, bezweifeln Rundfunkrechtler schon länger. Nun haben 35 deutsche Staatsrechtslehrer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung noch einmal eindringlich darauf hingewiesen, dass es sich bei Kochs Attacke »um den offenkundigen Versuch, einen unabhängigen Journalisten zu verdrängen und den Einfluss der Parteipolitik zu stärken«, handelt. Mit der gebotenen Staatsfreiheit sei das nicht zu vereinbaren. Die 35 Professoren gehören zu den angesehensten Juristen des Landes. Ihnen ist es ernst. Es geht nicht mehr um Nikolaus Brender allein. Es geht um den unabhängigen Fernseh- und Hörfunkjournalismus im Land.
Das ZDF bekommt jährlich circa 1,6 Milliarden Euro Gebührengeld. Und das nicht nur für Kochshows, Volksmusik und Wetten, dass..?. Vor allem soll der Sender mit den Zwangsabgaben ein Informationsangebot liefern, das sich nicht nach Kommerzinteressen richtet – auch nicht nach den von Koch fadenscheinig verlangten höheren Quoten – und das zugleich politisch unabhängig ist.
Der ZDF-Staatsvertrag, von den Bundesländern 1961 geschlossen, ermöglicht die gebotene staatliche Unabhängigkeit allerdings kaum. Das ZDF hat zwei wichtige Aufsichtsorgane. Dem Fernsehrat, der unter anderem den Intendanten wählt und über das Programm bestimmt, gehören 77 Mitglieder an. Von ihnen werden gut 90 Prozent entweder von Bund, Ländern und Parteien direkt geschickt oder abgenickt. Nur die Kirchen dürfen autonom fünf Vertreter entsenden. Der Verwaltungsrat ist mit seinen 14 Mitgliedern ebenfalls politisch besetzt.
Es ist gut, dass der Fall Brender öffentlich geworden ist und die Fakten so klar sind. Wenn ein Kandidat für einen Posten durchfällt, so bemerkt das oft kein Mensch – weil der Intendant sich seine Mehrheit vor der Wahl besorgt und unliebsame Aspiranten von vornherein durch das Raster fallen.
Die Staatsferne der Sender und ihre gleichzeitige Kontrolle durch die Länder bilden ein Spannungsfeld, das sich nicht einfach aufheben lässt. Aber es gibt Beispiele, die zeigen, dass es deutlich besser geht als in der ZDF-Praxis.
- Datum 27.11.2009 - 10:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
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Brenders unterschreiben!
http://www.campact.de/eil...
Die Kanzlerschaft ist für Koch sowieso in weite Ferne gerückt, da kann man bei fehlender ernsthafter und mit sich selbst beschäftigter Opposition auch schon mal Politik mit dem Brecheisen betreiben und so tun als hätte man Prinzipien. Ich hoffe, dass tatsächlich einer der hohen Herren sich getraut das ZDF-System zu entpolitisieren, der Glaube daran fehlt mir jedoch.
Vielleicht kann man ja auch dagegen Klagen. Es ist schon merkwürdig, wenn jemand ein Pöstchenschachersystem verteufelt, dem er seine Stellung zu verdanken hat. Heuchelei wohin man schaut.
"Es ist schon merkwürdig, wenn jemand ein Pöstchenschachersystem verteufelt, dem er seine Stellung zu verdanken hat. Heuchelei wohin man schaut."
Der Kommentar ist doch nicht von Brender selbst, und wie es in dem Artikel auch steht, geht es dem Autor gar nicht unbedingt um das Schicksal Brenders persønlich, sondern um die Mechanismen, die die Postenverteilung im ZDF bestimmen.
Apropos Autor: Gerade bei Kommentaren fænde ich es gut, wenn die Zeit den Autor nennen kønnte. Danke.
"Es ist schon merkwürdig, wenn jemand ein Pöstchenschachersystem verteufelt, dem er seine Stellung zu verdanken hat. Heuchelei wohin man schaut."
Der Kommentar ist doch nicht von Brender selbst, und wie es in dem Artikel auch steht, geht es dem Autor gar nicht unbedingt um das Schicksal Brenders persønlich, sondern um die Mechanismen, die die Postenverteilung im ZDF bestimmen.
Apropos Autor: Gerade bei Kommentaren fænde ich es gut, wenn die Zeit den Autor nennen kønnte. Danke.
das dieser ganze Sumpf der EINFLUSSNAHME auf die Medien einmal ans Tageslicht kommt.
Roland Koch ist zum Glück so einfach gestrickt, dass er in die Falle gelaufen ist.
Es wird Zeit, dass die sogenannte "Gebühren Einzugs Zentrale" (GEZ) als Zwangsabgabe zur Förderung der Regierungskonformen Berichterstattung demaskiert und als unzulässig verboten wird.
Warum sollen die Bürger so ein undemokratisches Verhalten auch noch unterstützen ? Na ja, es gab in Deutschland ja auch schon Zeiten, in denen man die Kosten für die ... (sie wissen, was ich meine ?)
Wollen wir da wieder hin ?
vorstellen. Vorbildlich für eine neuen, heraufdämmernde Ära des Faschismus light. Eine Ära, in der ehrlose Koofmichs im Namen des Finanzkapitals ein scheindemokratisches Kasperletheater aufführen, nur mit dem Ziel, das dumme Pack ruhig zu halten. Die Freiheit, die Deutschland nach dem Krieg geschenkt bekam, muss hier und heute neu erkämpft werden. Dabei erkennt man die Feinde dieser Freiheit leicht: Sie nennen sich volksparteien.
Die Piratenpartei Deutschland fordert, den Volksparteien ihr Staatspropagandainstrument aus der Hand zu schlagen und die Öffentlich-Rechtlichen Sender von denen kontrollieren zu lassen, die sie bezahlen: Den Bürgern dieses Landes.
Die Rundfunkräte aller ÖR-Sender müssen frei und demokratische von den GEZ-zahlenden Bürgern dieses Landes gewählt werden. Nur so ist gewährleistet, dass sie ihre Arbeit so machen können, wie es die Verfassung vorsieht.
wie die Grundrechte nur auf dem Papier und in den Köpfen der Anpreiser existieren. Andererseits, wenn Fernsehrat und 14 Verwaltungsräte Bedenken zeigen, muss ja ein demokratisches Spektrum der pol. Richtungen gewahrt sein. Oder sind hier nur Anhänger von Koch in diesem Gremium? Kaum zu glauben. Bestehen Gruppenzwänge? http://viereggtext.blogsp...
"Es ist schon merkwürdig, wenn jemand ein Pöstchenschachersystem verteufelt, dem er seine Stellung zu verdanken hat. Heuchelei wohin man schaut."
Der Kommentar ist doch nicht von Brender selbst, und wie es in dem Artikel auch steht, geht es dem Autor gar nicht unbedingt um das Schicksal Brenders persønlich, sondern um die Mechanismen, die die Postenverteilung im ZDF bestimmen.
Apropos Autor: Gerade bei Kommentaren fænde ich es gut, wenn die Zeit den Autor nennen kønnte. Danke.
Schön, dass es gerade am heutigen Tag viel Neues aus Honduras, der exemplarischen Bananrepublik, gibt! Die Gazetten sind empört. Denn in Honduras werden - man fasst es kaum - Posten durch Einfluss der zehn mächtigen Familien des Landes vergeben.
Derweil sind's in Deutschland nur mehr eine handvoll Familien, die darüber bestimmen, was die Wahrheit ist. Nämlich das, was Tags drauf in deren Medien verbreitet wird.
Und da gibt es Störfälle. Insubordination.
Folglich erwähnte Frau Merkel eines Tages bei Punschtorte und Jacobs Krönung im Kreise der Friede S. und der Liz M. dass es da so einen Aufmüpferischen beim ZDF gäbe ...
Den Rest erledigt die Firma. Bemühte man dazu früher gern den § 175, nimmt man heute lieber den § 130. Mal sehen ...
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