ZEITmagazin Autotest Sie wurden neulich mit einem GTI gesehen!
Henning Sußebach, Redakteur im Dossier, fährt den VW Golf 6 GTI 2.0
© Volkswagen

Auf Krawall: Der GTI ist schnell und wendig, aber ganz sicher nicht dezent
Da ich oft vergesse, wo genau ich welchen Akzent beim Wort Deja-vu setzen soll, habe ich es nachgeschlagen. Déjà-vu (frz. »schon gesehen«): psychologisches Phänomen, das sich in dem Gefühl äußert, eine neue Situation schon einmal erlebt, gesehen oder geträumt zu haben.
Zwei Wochen lang stand er vor meiner Tür, der neue Golf GTI – und irgendwie verfolgte mich das psychologische Phänomen, das alles schon einmal erlebt zu haben. Konnte es Zufall sein, dass zeitgleich mit diesem Auto auch wieder eine christliberale Koalition in mein Leben kam? Wieder eine tiefe Weltwirtschaftskrise bewältigt schien? Und Wetten, dass …? mit 11,29 Millionen Zuschauern die beste Quote seit Ewigkeiten einfuhr? Der GTI, er war und ist ein Sinnbild der achtziger Jahre, in denen die Wörter »Bundeskanzler« + »Helmut« + »Kohl« zu einem einzigen Bundeskanzlerhelmutkohl verschmolzen – während sich die Gesellschaft, wie an einer Straßenkreuzung, in Besorgte und Sorglose teilte.

Drei Buchstaben als Klassendefinition. Das "I" stand übrigens einst für "Injection", also Einspritzung. In den Siebzigern machte sie den Unterschied zum Normal-Golf
Die Besorgten sorgten sich um die Umwelt. Wegen der Atomkraft. Wegen der christliberalen Koalition. Die Sorglosen fuhren GTI. Ein Auto für junge Männer, bei denen Autofahren keinen Zweck erfüllen sollte, sondern selbst der Zweck war. Manche sagten Sätze wie: »Hängt die Grünen, solange es noch Bäume gibt.« Andere klebten Rammel-Rabbits auf ihren GTI. Ein Bursche namens Markus (vermutlich auch GTI-Fahrer) sang: »Ich will Spaß, ich geb Gas.«
Der GTI im Jahr 2009 – in dem die Wörter »Bundeskanzlerin« + »Angela« + »Merkel« auch schon ziemlich ineinanderlaufen – hat sich kaum verändert: 210 PS, 240 km/h Spitze, 2 rote Streifen im grimmigen Gesicht, 4 Alufelgen, groß und glänzend wie Kreissägeblätter, 0 Gewissensbisse. Zwar wirkt der GTI innen jetzt kommod wie ein Herrensalon (alles schwarz, alles Leder), sein Motor klingt im sechsten Gang sonor wie Egon Hoegen damals im 7. Sinn, und er hat nun sogar Tempomat (als Pendant zur Schuldenbremse). Doch er ist – sorry, VW! – das Auto für den gehobenen, sorgenfreien Proll geblieben. Den Proll mit zu viel Geld für einen alten Manta und zu wenig Geld für einen neuen Porsche.
Ich habe den GTI in den ganzen zwei Wochen nie vor unserem Haus geparkt. Einmal aber bin ich mit ihm übers Wochenende zu einer Verwandten gefahren und habe ihn direkt vor ihrer Haustür abgestellt (denn Mann und Auto waren weg). Später habe ich erfahren: Sofort witzelten die Nachbarn was von »Bums-Besuch«.
- Datum 27.11.2009 - 10:08 Uhr
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- Serie Autotest
- Quelle ZEITmagazin, 26.11.2009 Nr. 49
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Null Information über das Auto, dafür viel über die Schuldgefühle und die Befindlichkeiten des "Testers", dem ein grauer Golf Diesel sicher besser stehen würde und der
von der Autoszene herzlich wenig versteht. Der GTI ist nicht mehr proll, sondern ziemlich spießig geworden.
Spießig und Proll passt doch, oder nicht?
Spießig und Proll passt doch, oder nicht?
Spießig und Proll passt doch, oder nicht?
So ein Un-Artikel? Kein Inhalt, kein Witz, krude Platituden, hauptsache mal den neuen GTI thematisiert?
[Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen dieser Art und formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as]
Nichts, aber auch nichts über das Auto. Und den "Bumsbesuch" hätten die geschwätzigen Nachbarn auch im 3er Golf vermutet... tolle journalistische Leistung.
So wenig Information mit soviel Selbstgerechtigkeit: Das ist wirklicher Qualitätsjournalismus!
Die grossen Lettern auf der ersten Seite nähern sich den (noch) grösseren bei der führenden Tageskonkurrenz...
Ich liebe die Kolumnen und diese ist besonders gut. Es stimmt... ich wüßte auch nicht, warum ich mir - selbst wenn ich Technik und Fahrleistungen gut fände - mir einen Golf GTI kaufen sollte. Einfach zuviel "Image". :)
Also ich mag die Zeit Autotests - herrlich erfrischend und so anders. Liebe Nörgler, wenn sie mehr "Fakten" wollen, lesen Sie doch bitte die "Auto Bild" oder die "Auto Motor und Sport" etc. Ihre örtliche Tankstelle bietet da sicherlich reichlich Auswahl - ich bin jedenfalls immer wieder erstaunt was es da alles gibt wenn ich meinen Fahrradreifen aufpumpe, vom Trucker Magazin über die Feuerwehrautozeitschrift bis zum "pimp my Lupo" Magazin.
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