Studentenproteste Die Revolution ist nicht zu erwartenSeite 2/2
ZEIT: Gibt es denn gar keine Feindbilder mehr?
Rucht: Ein Feindbild ist der Neoliberalismus, aber das ist eine abstrakte, nur schwer personalisierbare Struktur.
ZEIT: Den deutschen Studenten wurde politische Apathie unterstellt. Ist das nun widerlegt?
Rucht: Das war immer falsch. Es gab zu jeder Zeit politisch engagierte Studierende.
ZEIT: Aber heute haben sie keine Führungsfiguren mehr, es gibt keinen Rudi Dutschke.
Rucht: Das spricht aber nicht gegen den Protest. Die Frauenbewegung war auch sehr erfolgreich, obwohl sie weder zentral organisiert war noch charismatische Leitfiguren hatte.
ZEIT: Die Studenten sind heute vernetzt, verabreden sich online, es gibt Videokonferenzen zwischen besetzten Unis. Erleichtert das die Mobilisierung?
Rucht: Man darf die alten Medien nicht unterschätzen. Es gab 1986 massenhafte Studentenproteste in Frankreich. Damals wurde per Fax kommuniziert; das klingt heute altmodisch, war aber sehr effektiv.
ZEIT: Deutsche Studenten protestierten 1988/89, 1997/98, 2003/04, 2006, 2009. Muss jede Generation wenigstens einmal Dampf ablassen?
Rucht: Auffällig ist, dass die Forderungen und die Art des Protests über die Jahre gleich geblieben sind. Schon 1988 forderten die Studenten eine bessere Ausstattung und mehr Professoren. Damals schrieb der Spiegel, das sei eine neue Art der Studentenbewegung, "ideologiefrei, pfiffig und nicht allzu frech". Das könnte man heute wieder schreiben.
Die Fragen stellte Justus Bender
Dieter Rucht, 63, ist Soziologe. An der FU und am Wissenschaftszentrum Berlin erforscht er soziale Bewegungen und politischen Protest
- Datum 26.11.2009 - 15:59 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
- Kommentare 12
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Ich stimme Dieter Rucht in seiner Auslegung, dass wir(damit meine ich UNS Studierende und Protestierende), nicht als Bewegung bezeichnet werden können, in keinerlei Weise zu! Allein die große Masse an Stundenten national sowie international zeigt eine neue qualitative und quantitative Entwicklung, bei den sich mittlerweile hoch politisierten protestierenden Studentenschaften!
Seiner Argumentation nach, können wir nicht als Bewegung dargestellt werden, da wir keinen gesamtgesellschaftlichen Fokus verfolgen. Jedoch muss man dagegen halten, dass genau dies geschieht. Wenn man sich die Forderungskataloge durchliest, dann wird man merken, dass zwar auf dem ersten Blick die Forderungen relativ ambivalent sind und sich erstmal auf die Hochschulen projezieren lassen, jedoch in diesen Forderungen eine Systemkritik implementiert ist! Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass viele der Protestierenden, die ich gesprochen habe, sehr wohl eine Veränderung unserer gesamtgesellschaftlichen Strukturen und Verhältnisse einfordern.Die Hochschulreformen der letzten Jahre gehen doch einher Hand in Hand mit den ganzen anderen Sozialabbaureformen und damit meine ich nicht nur in Deutschland!Wir haben doch mittlerweile das Phänomen, dass wir alles,aber auch alles aus ökonomischen Gesichtspunkten betrachten! Ob es die Hochschulen sind, die wertschöpfend und hoch kalkulierend wirtschaften müssen oder die einzelnen Kita Stätten,die sich in einem Wettbewerb um Kinder befinden!
Dies ist das Problem!
Kammer ned anfangen aufzuhören, jedesmal "die 68er" (die es ja als geschlossene "Bewegung" so auch nicht gab) ins Spiel und irgendwoher als Maßstab für Proteste von Schülern und Studenten anzusetzen???
Das ist einfach nur Schwachsinn und außerdem 41 Jahre her!!!
Wir Studenten sind engagiert, sind informiert, sind auch bereit, Protest gegen die UNis zu führen - auch wenn die uns jetzt "umarmen". Aber:
Von einer Bewegung kann man allerdings wirklich nicht sprechen, denn wir kämpfen in allererster Linie für bessere Studienbedingungen, und selbst darunter verstehen wir nicht alle dasselbe. Kritik am Bologna-Prozess (die eine Vielzahl von Protagonisten, nicht bloß und nicht immer überhaupt Politiker treffen sollte) wird oft vermischt mit den Themen Studiengebühren, überfüllte Seminare und den Planspielen eines "Elite"-Masters - und allen sonstigen Missständen, die wir eben so ausmachen.
Eine gesamtgesellschaftliche Aussage (außer eben à la "Bildung ist wichtig für unsere Zukunft - und deshalb brauchen wir bessere Bedingungen") steckt nicht dahinter (das wäre auch kontraproduktiv!).
Gerade habe ich gelesen, wie unser Lieblingspolitiker, Roland Koch, die protestierenden Studenten als "verwöhnte Gören ohne Sinn und Verstand" bezeichnet hat. Eigentlich ein Skandal, aber irgendwo hat er auch Recht, die Studenten fordern und fordern, sind aber nicht bereit die Samthandschuhe auszuziehen.
"Eigentlich ein Skandal, aber irgendwo hat er auch Recht, die Studenten fordern und fordern, sind aber nicht bereit die Samthandschuhe auszuziehen."
@Peter Schneider: Was meinen Sie mit "die Samthandschuhe ausziehen"? Sollen die Proteste in Gewalt ausarten? Das ist mehr als schwachsinnig, will man doch eine bessere Lehre und keine zertrümmerten Universitäten.
Oder meinen Sie die angebliche Stressintoleranz der heutigen Studierenden? Auch dann muss ich Sie enttäuschen.
http://www.zeit.de/politi...
"Eigentlich ein Skandal, aber irgendwo hat er auch Recht, die Studenten fordern und fordern, sind aber nicht bereit die Samthandschuhe auszuziehen."
@Peter Schneider: Was meinen Sie mit "die Samthandschuhe ausziehen"? Sollen die Proteste in Gewalt ausarten? Das ist mehr als schwachsinnig, will man doch eine bessere Lehre und keine zertrümmerten Universitäten.
Oder meinen Sie die angebliche Stressintoleranz der heutigen Studierenden? Auch dann muss ich Sie enttäuschen.
http://www.zeit.de/politi...
bevor Sie für sich in Anspruch nehmen solchen Unsinn zu verbreiten, würde ich Ihnen raten sich einmal in unser Plenum in der LMU München zu setzten. Alles was da zählt IST DIE GESMATGESELLSCHAFTLICHE SITUATION. Warum sonst sollten wir versuchen Schüler ebenso in unseren Protest zu inkludieren?(Kritik am dreigliedrigen Schulsystem, Abschaffung des G8 etc...) Oh man ich liebe es wenn einfach wenn total planlose Hanswurschten über Sachen reden an denen sie in keinster Weise teilhaben...
Wie wäre es zum Einstieg mal damit unsere Forderungskataloge zu lesen? Gute Idee oder? Und wo sind wir bitte verwöhnt? Koch, seid der CDU Spendenaffäre alles andere als ein Politiker mit weißem Hemd, sollte sich gefälligst zurücknehmen, das Wort korrupt beutze ich ganz bewußt nicht, obwohl es seine Berechtigung hätte...
Was ist gesamtgesellschaftlich daran, Schüler in die Kampagne zu "inkludieren"? Es ist gut und richtig, dass dies geschieht, aber der Bildungsstreik dreht sich ja schon ausschließlich um - ja, eben Bildung. Unsere Probleme als Studenten werden thematisiert. Aussagen über oder gar Forderungen an die Gesellschaft stellen wir nicht an, außer dass eben allgemein mehr für Bildung getan werden muss, das Ist-Zustand vielerorts unmöglich ist und die bisherigen Perspektiven nicht vielversprechender sind.
Und das ist gut so, denn so hat der Streik Aussicht auf Erfolg.
Was ist gesamtgesellschaftlich daran, Schüler in die Kampagne zu "inkludieren"? Es ist gut und richtig, dass dies geschieht, aber der Bildungsstreik dreht sich ja schon ausschließlich um - ja, eben Bildung. Unsere Probleme als Studenten werden thematisiert. Aussagen über oder gar Forderungen an die Gesellschaft stellen wir nicht an, außer dass eben allgemein mehr für Bildung getan werden muss, das Ist-Zustand vielerorts unmöglich ist und die bisherigen Perspektiven nicht vielversprechender sind.
Und das ist gut so, denn so hat der Streik Aussicht auf Erfolg.
"...Die Studierenden heute aber fordern primär etwas für sich, sie haben kaum die Gesellschaft im Blick."
Gesetzt den Fall die Studenten würden einen gesamtgesellschaftlicher Wandel einfordern, würde man sie als total weltfremde Spinner abtun und ihre konkreten Verbesserungsvorschläge schon 2x nicht beachten.
Der Alles-oder-Nichts Ansatz ist hier mal gar nicht zu gebrauchen.
PS: die ollen ´68 interessieren heute nur noch menschen die primär in der vergangenheit leben, also sicher nicht diejenigen die heute im Bologna-LAufrad stecken.
Was ist gesamtgesellschaftlich daran, Schüler in die Kampagne zu "inkludieren"? Es ist gut und richtig, dass dies geschieht, aber der Bildungsstreik dreht sich ja schon ausschließlich um - ja, eben Bildung. Unsere Probleme als Studenten werden thematisiert. Aussagen über oder gar Forderungen an die Gesellschaft stellen wir nicht an, außer dass eben allgemein mehr für Bildung getan werden muss, das Ist-Zustand vielerorts unmöglich ist und die bisherigen Perspektiven nicht vielversprechender sind.
Und das ist gut so, denn so hat der Streik Aussicht auf Erfolg.
mal. Allein, wie wir die Bildungsmiserie anprangern, zeigt schon, dass wir ein gesamt gesellschaftliches Interesse verfolgen. Es geht doch nicht darum, dass die aktuelle Generation den Nutzen für sich raus zieht, sondern, dass endlich ein soziales, für alle ermöglichtes Bildungssystem in Zukunft nachhaltig etabliert werden kann. So geht es auch darum, wie man zum ganzen System steht. Denn, wie ich oben bereits schon geschrieben habe, geht es in diesem Fall um die Ökonomisierung, dieses "Lebensbereichs". Anhand des Bildungsstreiks, setzen sich die Menschen doch mit den Belangen auseinander. Es wäre doch viel zu einfach zu sagen "wir schaffen nun die Gebühren ab und haben ein paar weniger Klausuren"! Was dahinter steckt ist das Schema, das Muster, das System in das unsere Minister unsere Bildung gedrängt haben, welches nun öffentlich kritisiert wird!
Und wenn wir dort ansetzen, die kapitalistische Auslegung und Ausbeutung der Bildung zu kritisieren, dann lässt sich dieser Sachverhalt auch auf andere Bereiche des Lebens projezieren. Denn fakt ist, dass immer mehr Lebensbereiche, nach ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden!
Also meiner Überzeugung und bisherigen Wahrnehmung nach, wird vom Großteil der Studenten eine gesamtgesellschaftliche Systemfrage immer öfter gestellt!
Liebe Grüße
mal. Allein, wie wir die Bildungsmiserie anprangern, zeigt schon, dass wir ein gesamt gesellschaftliches Interesse verfolgen. Es geht doch nicht darum, dass die aktuelle Generation den Nutzen für sich raus zieht, sondern, dass endlich ein soziales, für alle ermöglichtes Bildungssystem in Zukunft nachhaltig etabliert werden kann. So geht es auch darum, wie man zum ganzen System steht. Denn, wie ich oben bereits schon geschrieben habe, geht es in diesem Fall um die Ökonomisierung, dieses "Lebensbereichs". Anhand des Bildungsstreiks, setzen sich die Menschen doch mit den Belangen auseinander. Es wäre doch viel zu einfach zu sagen "wir schaffen nun die Gebühren ab und haben ein paar weniger Klausuren"! Was dahinter steckt ist das Schema, das Muster, das System in das unsere Minister unsere Bildung gedrängt haben, welches nun öffentlich kritisiert wird!
Und wenn wir dort ansetzen, die kapitalistische Auslegung und Ausbeutung der Bildung zu kritisieren, dann lässt sich dieser Sachverhalt auch auf andere Bereiche des Lebens projezieren. Denn fakt ist, dass immer mehr Lebensbereiche, nach ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden!
Also meiner Überzeugung und bisherigen Wahrnehmung nach, wird vom Großteil der Studenten eine gesamtgesellschaftliche Systemfrage immer öfter gestellt!
Liebe Grüße
mal. Allein, wie wir die Bildungsmiserie anprangern, zeigt schon, dass wir ein gesamt gesellschaftliches Interesse verfolgen. Es geht doch nicht darum, dass die aktuelle Generation den Nutzen für sich raus zieht, sondern, dass endlich ein soziales, für alle ermöglichtes Bildungssystem in Zukunft nachhaltig etabliert werden kann. So geht es auch darum, wie man zum ganzen System steht. Denn, wie ich oben bereits schon geschrieben habe, geht es in diesem Fall um die Ökonomisierung, dieses "Lebensbereichs". Anhand des Bildungsstreiks, setzen sich die Menschen doch mit den Belangen auseinander. Es wäre doch viel zu einfach zu sagen "wir schaffen nun die Gebühren ab und haben ein paar weniger Klausuren"! Was dahinter steckt ist das Schema, das Muster, das System in das unsere Minister unsere Bildung gedrängt haben, welches nun öffentlich kritisiert wird!
Und wenn wir dort ansetzen, die kapitalistische Auslegung und Ausbeutung der Bildung zu kritisieren, dann lässt sich dieser Sachverhalt auch auf andere Bereiche des Lebens projezieren. Denn fakt ist, dass immer mehr Lebensbereiche, nach ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden!
Also meiner Überzeugung und bisherigen Wahrnehmung nach, wird vom Großteil der Studenten eine gesamtgesellschaftliche Systemfrage immer öfter gestellt!
Liebe Grüße
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