Bankenkrise Ein UntergangsszenarioSeite 2/2

Und doch ist die UBS so groß und etabliert, dass man sie sich kaum wegzudenken wagt. Gewiss, Untergangsszenarien gehören zur Schweizer Wirtschaftsgeschichte: BBC, Ciba-Geigy, Saurer, Bührle, Winterthur-Versicherungen – sie alle galten als imposante Bastionen, bis sie in stärkeren Gebilden aufgingen und verschwanden; oft begannen gerade im Untergang neue Erfolgsgeschichten, etwa bei ABB oder Novartis. Andererseits lehrt die größte Firmenkatastrophe der Schweizer Wirtschaftsgeschichte, dass eine entscheidende Frage gar nicht früh genug gestellt werden kann: Kann das wirklich gut gehen? Mit unerschütterlichem Vertrauen schaute das Land einer wahnwitzigen Strategie zu – ohne die Rückfrage, wie sinnvoll die angestrebten Ziele denn überhaupt seien. Als die ersten Experten im Sommer 2000 Fundamentalkritik anmeldeten, ignorierte man sie, feindete sie sogar an und ließ sich weiter einlullen. Periodisch fand die Konzernspitze Anlass, neue Hoffnungen zu wecken – Hoffnungen, die dann ebenso periodisch wieder enttäuscht wurden. Die Rede ist vom Untergang der Swissair.

Dies ist der Hintergrund, vor dem Oswald Grübels Fernziele zu sehen sind. Der UBS-Chef weiß, dass er rasch neues Vertrauen bilden muss und dass er dies nur über neue Gewinnzahlen schafft. Also muss sein Haus jetzt im Investmentbanking schnell wieder höhere Erträge einfahren – zumal im Handel mit Devisen, Zinsprodukten und Rohstoffen. Denn sonst blutet ihre Vermögensverwaltung weiter aus. Dies ist die akute Zwangslage. Eine heikle Situation, denn sie verlangt eine erhöhte Risikobereitschaft. Und die UBS ist damit auch auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass sich die Märkte weiter erholen. Er sähe es gern, sagte Finanzchef John Cryan bei der Vorstellung der letzten Quartalszahlen, »wenn wir etwas mehr Risiko auf den Tisch legen und ein bisschen härter Handel treiben würden«.

Die UBS ist nicht Hai, sie ist nicht Wal, und sie muss dem Schicksal des Kabeljaus entkommen. Für die Bank wird entscheidend sein, ob sie sich in der veränderten Finanzwelt wieder einen eigenen Platz erkämpfen kann. Die »neue UBS«, von der Oswald Grübel vergangene Woche mehrmals redete, soll eine Universalbank werden, in der sich Investmentbanking, Asset-Management und Private Banking gegenseitig verstärken – und nicht wie zuvor weitgehend lose nebeneinander herlaufen.

Nimmt man allerdings die Maßstäbe, welche die Chefs der UBS (wie auch der Credit Suisse) jahrelang vertraten, so ist die Lage auch hierbei recht unangenehm. Denn bislang galt die »kritische Größe« in allen Bereichen der Universalbank als entscheidender Faktor – sowie ihre Rentabilität im Vergleich zur Konkurrenz. Doch wo steht die UBS da? Als Nischenplayer ist sie zu groß, mit den Großen hält sie nicht mit (außer in der Vermögensverwaltung). Und schwer zu erkennen sind die Spezialitäten, dank denen die Schweizer Bank weltweit herausragen könnte: Preis? Image? Vertrieb? Die UBS ist irgendwo in der ungemütlichen Mitte gelandet. Auf halbem Weg zwischen Weltspitze und Untergang.

 
Leser-Kommentare
    • hamkon
    • 27.11.2009 um 11:21 Uhr

    manchmal glaubt man sich in die Vergangenheit zurück versetzt.

    Lebensraum im Osten.
    Neuland unter dem Pflug.

    Und jetzt hören die Gnome von Zürich offenbar auch schon die Vorsehung rufen.

    Hybrider Größenwahn, pathologische Defekte des zentralen Nervensystems und partielle Totallähmung der vorderen Cortex.

    Oh, oh. Hoffenlich überleben wir den Aufprall auf die Realität. Das ganze hat schon den Anschein, als würden wir demnächst statt mit litter bombs aus den Hochhäusern von Singapur demnächst mit elite bombs aus Zürich und Genf traktiert.

    PS: Natürlich sind hier die elite & excellency bombs aus Berlin, Frankfurt, Wiesbaden, München und Stuttgart eingeschlossen.

  1. Folgt auf die Swissair vielleicht die UBS? Kann jedem
    Schwarzgeldkontoinhaber nur raten: schnell Geld abheben
    bei der UBS.

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