Zwecks Geistesbildung an einen fremden Ort geschickt zu werden – das kennen die meisten nur aus der Jugendzeit. Schriftsteller können es noch als Erwachsene erleben. Zum Stadtschreiber berufen, erhalten sie Geld und Logis, dafür müssen sie in dem Ort eine Weile leben und arbeiten. Dieser schmückt sich mit dem Gast – der sich wiederum Einfälle fernab des Alltags erhofft. Einige Große der deutschen Literatur waren Stadtschreiber: Peter Härtling, Jurek Becker, Robert Gernhardt. (Klicken Sie hier, um die gesamte Karte zu sehen)

Ihren Namen leiht sich die Idee vom mittelalterlichen Stadtschreiber (der keine literarischen Pflichten hatte), sie ist aber recht neu: Der Sprecher der Gruppe 47 hat sie 1974 in Frankfurt-Bergen-Enkheim eingeführt.

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Vor allem im Südwesten wurde sie kopiert, seit 1989 auch im Osten. Ein Nord-Süd-Gefälle ist unverkennbar.

Einen Stadtschreiber lädt ein, wer seinen Ruhm mehren möchte und selbstbewusst genug ist, anzunehmen, dass der Literat sich dort nicht langweilen wird.

Recherche: Laura Will