Die Wiener Psychologin Helene Karmasin hat unter den Essern zwei Grundtypen ausgemacht: die Schlabberer und die Beißer. "Die einen bevorzugen Nahrungsmittel, die ihnen einen kleinen Widerstand entgegensetzen, wo sie etwas zu beißen und zu kauen haben, die anderen lieben das Weiche, das Feuchte, das sie sich ganz leicht aneignen können."

Doch die Unterschiede sind fließend. Mal so, mal so, je nach Laune: Wer Trost sucht, greift zur weichen Cremespeise, wer sich aktiv und kräftig fühlt oder fühlen will, bestellt sich ein Steak. In Prenzlauer Berg haben sich nicht nur das Steak, sondern auch Milchreis und Hirsebrei zum urbanen Modegericht entwickelt. Comfort food ist gefragt, weshalb selbst der Sonntagsbraten, einst als Inbegriff bürgerlicher Spießigkeit geächtet, nun wieder auf den Tisch kommt. Das Wiener Schnitzel ist inzwischen ein Berliner Nationalgericht.

Vielleicht ist das Steak im Moment auch deswegen besonders beliebt, weil sein Verzehr politisch ausgesprochen unkorrekt ist. Der Kitzel des Verbotenen erhöht bekanntlich die Lust. Denn Fleisch ist böse, warnen Umweltschützer. Und Rindfleisch ist der Klimakiller Nummer eins. Bald können wir den CO₂-Ausstoß der verschiedenen Lebensmittel genauso auswendig hersagen wie früher die Zahl ihrer Kalorien.

Das junge Kreuzberger Lokal Foodo, das sich als erstes klimaneutrales Café-Restaurant Deutschlands bezeichnet, warnt seine Gäste auf der Website (nicht aber auf der Speisekarte) denn auch, dass tierische Lebensmittel die mit Abstand schlechteste Ökobilanz haben und Rind die allerschlechteste hat. Ein Kilo schlägt demnach mit einem CO2-Ausstoß von 8733 Gramm zu Buche, bei Eiern sind es noch 2571, bei einem Kilo Gemüse nur 137 Gramm.

Es gibt daher durchaus Leute, die sich einen Ferrari leisten könnten, sich aber bewusst für den Bus entscheiden. Paul McCartney zum Beispiel. Der Ex-Beatle ist der prominenteste Advokat der Kampagne Meat Free Mondays, die auch überzeugte Karnivoren dazu anstiften will, zum Wohle der Umwelt und damit der eigenen Zukunft zumindest Teilzeitvegetarier zu werden.

Auch wenn der fleischfreie Montag vermutlich genauso folgenlos sein wird wie der autofreie Sonntag – die Idee dahinter ist so alt wie einleuchtend: dass man Fleisch nur ein-, zweimal die Woche auf den Tisch bringt, weil es teuer und kostbar ist. Wenn es wirklich gut sein soll.

Wer sich dann aber mal ein Bistecca alla Fiorentina für 79 Euro das Kilo leistet, der will es hinterher nicht in den Mülleimer werfen, weil er es falsch behandelt hat.