Eben ist er aus der Türkei zurückgekehrt, wie stets mit einem Kofferraum voll aufregender Dinge. Jede Menge Oliven und Sumachbeeren, eine Flasche Arrak. Wir treffen Mark Brownstein in Monte San Savino in der Toskana, er lebt in einem viele Hundert Jahre alten Haus an der Piazza. Wir sitzen in der Küche, im offenen Kamin brennt ein Feuer, von der Decke baumeln Kupertöpfe.

ZEITmagazin: Mr. Brownstein, erzählen Sie uns, was Sie auf Ihren Streifzügen so gefunden haben?

Mark Brownstein: Oh Gott, das sind mittlerweile 40, 50 Sachen, eine ziemlich wilde Liste. Ich weiß gar nicht, womit ich beginnen soll.

ZEITmagazin: Beginnen Sie am Anfang. Was war Ihr erster großer Fund?

Brownstein: Okay, das war 2004. Ich war mit meiner Frau in Laos unterwegs. Wir fuhren mit dem Fahrrad durch das Land. Als begeisterte Hobbyköche hatten wir auch ein Auge auf die Küche. Es war aufregend, überall entdeckten wir irgendwas. Auf einem Dorfmarkt in Luang Prabang stießen wir zum Beispiel auf eine orangenartige Frucht namens Mak Dum, die wir nie zuvor gesehen hatten. In den Regenwäldern fanden wir ein Pfefferkorn, das höllisch auf der Zunge brennt, aber der eigentliche Fund, der alles Weitere ins Rollen brachte, war Khao Kiep, ein schlichter, dünner Cracker aus Kassawa-Knollen, der in der Sonne getrocknet wird. Ich habe einige von diesen Crackern und das Rezept mitgenommen und zu Hause in Hongkong herumexperimentiert, Zitronengras hinzugetan, Kümmel, Ingwer. Da ich damals einen Weinhandel besaß, hatte ich Kontakt zu Spitzenköchen. Ich wollte wissen, was sie von diesen Crackern hielten. Ich hatte das Bedürfnis, meinen Fund zu teilen.

ZEITmagazin: Und?

Brownstein: Das Interesse war enorm. Nach kurzer Zeit verschickte ich die Dinger in die ganze Welt, High-End-Restaurants in Bangkok, in Shanghai und New York nahmen sie auf ihre Karte, die einen wollten sie zum Dippen, die anderen als Beilage zum Curry. Irgendwann legte ich dann ein Lager an und verkaufte die Cracker. Nicht im großen Stil, eher als Gourmet-Handel.

ZEITmagazin: Und seitdem jetten Sie als Schatzsucher in Essensangelegenheiten durch die Welt?

Brownstein: Könnte man so sagen.

ZEITmagazin: Als eine Art kulinarischer Ethnologe.

Brownstein: Als ein Verrückter, der getrieben ist von seiner Leidenschaft fürs Essen.

ZEITmagazin: Sind Sie der einzige Ihrer Art?

Brownstein: Nein, weltweit sind inzwischen wohl eine Handvoll Leute als Foodhunter unterwegs.

ZEITmagazin: Wie gehen Sie bei Ihren Reisen vor?

Brownstein: Im Grunde so wie damals. Ich lass mich einfach treiben. Streife über Märkte, rede mit den alten Frauen, frage, was sie essen, was sie anbauen, wie sie es zubereiten. In Kaschmir schipperten wir einmal über einen See, unweit von Srinagar. Ein paar Bauern am Ufer winkten uns heran, wir blieben bis zum Abend. Eigentlich hatte ich es in Kaschmir auf den legendären Safran abgesehen, aber in der Küche dieser Leute fiel mein Blick dann auf ein kleines, hartes Ding, das an einem Nagel an der Wand hing. Es sah sehr rustikal aus, wie ein dunkles Rad, und roch unfassbar intensiv, nach Senföl und frischem Chili. Sie erklärten mir, dass es eine Currypaste sei, die sie gerade getrocknet hätten. Heute ist dieses Rad, das ich Curry Spice Wheel taufte, ein Verkaufsrenner in meinem Sortiment.