Sven Väth öffnet die Tür zu seiner Dachgeschosswohnung im Frankfurter Westend, er trägt ein T-Shirt mit V-Ausschnitt und eine enge Jeans. Er bittet uns, Platz zu nehmen auf einer flachen Lounge-Couch, und bietet ayurvedischen Tee an, den er gerade zubereitet hat.

ZEITmagazin: Welcher Ayurveda-Typ sind Sie denn, Herr Väth?

Sven Väth: Pitta-Kapha.

ZEITmagazin: Das bedeutet?

Väth: Ich brauche viel Energie, viel gute Nahrung.

ZEITmagazin: Wie kommt es, dass Sie sich so fürs Essen interessieren?

Väth: Es hat sich so über die Jahre ergeben, nach und nach wurde ich zum Connaisseur. Aufgewachsen bin ich mit Braten, Strudel, gutbürgerlich eben. Dass es noch was anderes gibt, habe ich erst mit 21 oder 22 gemerkt. Damals war ich ja schon Popstar und wurde herumgereicht, eine Gala, ein Auftritt. So kam ich zu dem Vergnügen, auch mal richtig gut zu essen. Zum ersten Mal in Italien .

ZEITmagazin: Ist das immer noch Ihr kulinarisches Lieblingsland?

Väth: Nein, heute esse ich am liebsten in Japan . Ich glaube, es schadet einem nicht, wenn man schmerz- und angstfrei ist beim Essen. Wenn man auch mal etwas isst, was anders aussieht oder riecht als das, was man so kennt. Oder wenn es noch zappelt.

ZEITmagazin: Wer in seinem Leben mit Drogen experimentiert hat, dem fällt es leichter, auch beim Essen zu experimentieren?

Väth (lacht): Kann schon sein. Vielleicht trifft das zu bei mir.

ZEITmagazin: Wenn man die Einträge auf Facebook liest, hat man den Eindruck, dass Sie und Ihre DJ-Kollegen sich neuerdings mehr über gutes Essen austauschen als über gute Musik.

Väth: Gutes Essen ist gutes Essen, was für andere die Boni sind! Wir reisen ja alle viel, und nebenher schulen wir unsere Gaumen. Wenn ich verreise, frage ich vorher rum: Wo gibt es gute Restaurants, wo soll ich hin? Die Tipps der Kollegen sind da viel wert. Ansonsten lese ich Kritiken, den Michelin vor allem.

Es klingelt. Sven Väth springt aus seinem Eames-Stuhl und öffnet seinem Koch, Mario Lohninger, die Tür. Dieser trägt eine schwarze Daunenjacke, die Haare hat er zu einem Zopf gebunden, der nach oben steht. Zur Begrüßung verteilt er Küsschen. Dann steuert er auf die Couch zu, wo er sich sehr gerade hinsetzt. Sven Väth hingegen legt sich äußerst entspannt in den Sessel.

ZEITmagazin: Sind Sie eigentlich eher Freunde oder Kollegen?

Väth: Zuerst sind wir Freunde und dann Geschäftspartner.

Mario Lohninger: Manchmal begleite ich Sven auch, wenn er verreist. Aber das geht leider nur selten.

ZEITmagazin: Sie betreiben in Ihrem Club in Frankfurt am Main , dem Cocoon, das einzige Club-Restaurant der Welt, das einen Michelin-Stern hat. Erzählen Sie doch bitte, wie Sie beide zueinanderfanden.

Väth: Oh, lange Geschichte. Zum allerersten Mal getroffen haben wir uns in New York auf der Straße, nach meinem Gig im Limelight. 1996 war das, kann das sein?

Lohninger: Ja, genau. Ich war ein Fan!