Technik Klang der Stille
Abhilfe gesucht: Leise Hybridautos gefährden Fußgänger und Radler
© Gareth Cattermole / Getty Images

Elektroautos wie der Tesla Roadster rollen fast lautlos. Fußgänger bemerken sie deshalb manchmal erst, wenn sie so nah sind wie dieser hier
Seit das US-Verkehrsministerium den Bericht HS811204 vorgelegt hat, wonach umweltfreundliche und leise Hybridautos häufiger in Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern verwickelt sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, köchelt in der Autoszene und im Internet eine Debatte: Wie stichhaltig ist die Studie, wie gefährlich die moderne Autotechnik? Was tun?
Die National Highway Traffic Safety Administration warnt selbst, ihr Report beruhe noch auf einem begrenzten Datensatz, die Erhebung laufe weiter. Doch die Feststellung, dass in geschwindigkeitsbegrenzten Zonen Fußgänger doppelt so häufig mit leisen Hybridfahrzeugen kollidieren wie mit Durchschnittsautos und dass auch Hybrid-Crashs mit Radfahrern signifikant häufiger vorkommen, sollte aufhorchen lassen. Steigende Unfallzahlen mit der Zunahme geräuscharmer Fahrzeuge sind abzusehen.
Immerhin haben Hybride ja noch einen Verbrennungsmotor, der bei Kaltstarts, leerer Batterie oder hoher Leistung den stillen Elektroantrieb übertönt. Spätestens wenn reine E-Fahrzeuge durch Innenstädte gleiten und auf eine alternde Bevölkerung mit Hör- und Sehschwächen treffen, werden Warnsignale obligatorisch. Bevor aber Bürokraten ein nervtötendes »Bip, Bip Bip« wie bei rückwärtsfahrenden Nutzfahrzeugen vorschreiben, sollten Soundingenieure wirksame und attraktive Fahrzeugklänge suchen.
Schon peppen Tuner Elektroflitzer mit Lautsprechern und Zwölfzylinderröhren auf. Warum sollte nicht künftig jedermann die gewünschte Klangkulisse einfach auswählen und herunterladen können – ähnlich wie Klingeltöne für Handys? So ließe sich heute mit (gedämpftem) Porsche-Sound fahren. Morgen mit Rolls-Royce, am Wochenende mit Trabi-Klang. Pferdefreunde könnten mit Hufgetrappel und leisem Wiehern achtspännig vorfahren, Folkfans mit dem »sound of silence«. Also: keine Bange vor der Elektrifizierung.
- Datum 27.11.2009 - 13:21 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
- Kommentare 13
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Jaulende Kawasakis und proletende BMWs mal ausgenommen, ist es doch schon seit Längerem so, dass die Rollgeräusche der Reifen weiter tragen als die vergleichsweise ruhigen weil gut gedämmten Motoren.
dass das reifenabrollgeraeusch das lautere ist, ist zwar richtig, aber konditioniert sind wir auf das motorengeraeusch.
dass das reifenabrollgeraeusch das lautere ist, ist zwar richtig, aber konditioniert sind wir auf das motorengeraeusch.
dass das reifenabrollgeraeusch das lautere ist, ist zwar richtig, aber konditioniert sind wir auf das motorengeraeusch.
... dürfte das Geräusch-"Problem" nicht nur für E-/Hybrid-Autos vorhanden sein.
Oder sollte ich der einzige sein, der schon mal ein modernes Auto mit leisem Verbrennungsmotor bei Tempo 30 schlicht überhört hat?
Wieso muss ein Auto laut sein? Weil wir uns daran gewöhnt haben, sprich konditioniert sind? Lasst uns von dem Lärm entwöhnen und achtsam über die Straße gehen. Dann haben wir es leise und uns passiert nichts.
Ich fände es nicht so verkehrt, wenn nach-Gehör-über-die-Strasse-Geher mittelfristig aus dem Stadtbild verschwinden würden - sei es durch Anpassung oder Aussterben.
Das Leben der heute schon lautlosen Radfahrer würde dadurch jedenfalls sicherer.
Sie sind also der Ansicht, dass Blinde aus dem Stadtbild verschwinden sollten... Interessant...
Sie sind also der Ansicht, dass Blinde aus dem Stadtbild verschwinden sollten... Interessant...
... laufen ja inzwischen eh alle mit Kopfhörern und MP3-Player herum. Da ist es ja egal, ob Autos laut oder leise sind.
... aber das wäre doch ein Ansatzpunkt für die "Augmented Reality". Mit einem elektronischem Transponder wird auf absehbare Zeit ohnehin jedes Auto herumfahren.
... aber das wäre doch ein Ansatzpunkt für die "Augmented Reality". Mit einem elektronischem Transponder wird auf absehbare Zeit ohnehin jedes Auto herumfahren.
... aber das wäre doch ein Ansatzpunkt für die "Augmented Reality". Mit einem elektronischem Transponder wird auf absehbare Zeit ohnehin jedes Auto herumfahren.
auf seine steinzeitlichen Fähigkeiten besinnen...und sich nach Gefahren umsehen. Das gedankenlose Herumstolpern, das viele Fußgänger und Radfahrer heutzutage zeigen, wird etwas zurückgehen müssen, zugunsten der Eigenverantwortung des guten, alten Links- und Rechtsschauens vor dem Überqueren der Fahrbahn.
Übrigens gäbe es auch lautlose Hybridfahrzeuge - Brennstoffzellen in Verbindung mit einem Akkupack, das die Zeit bis zum Erreichen der Betriebstemperatur der Brennstoffzelle überbrückt und dann gleich damit wieder geladen werden kann.
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