Indien Gefährlicher als der TigerSeite 4/4
Doch Indien hofft auf Pioniere wie Baral. Bis 2030 sollen zehn Prozent des nationalen Energieverbrauchs durch Solarenergie abgedeckt sein. Das hat das Kabinett in Delhi kürzlich im Rahmen seines Nationalen Aktionsplans zum Klimawandel beschlossen. Den Plan gibt es seit zwei Jahren. Mit ihm will Delhi seinen Bürgern und der Welt beweisen, dass es offensiv auf die Klimaherausforderung reagiert. Baral begrüßt den Plan. Er hat sich bereits ein unbebautes Fabrikgelände vor den Toren Kolkatas gesichert. »Es fehlt nur noch ein ausländischer Investor oder Joint-Venture-Partner«, sagt Baral.
Auch die Umweltschützer applaudieren dem Plan. »Indiens Solarziel für 2030 ist das ehrgeizigste weltweit«, sagt Kushal Yadav, Klimaexperte beim regierungsunabhängigen Zentrum für Wissenschaft und Umwelt in Neu-Delhi. Hier, in einem verstaubten Randbezirk der Hauptstadt, hat auch Umweltminister Ramesh seinen Auftritt vor den Journalisten.
Ramesh zählt zu den Schwergewichten im Kabinett. Vorher war er Handelsminister. Er studierte am berühmten MIT in den USA. Seit der Wiederwahl seiner Kongresspartei im Mai bekleidet er nun das in diesem Jahr wegen des Klimagipfels in Kopenhagen besonders wichtige Umweltressort.
Neben Ramesh sitzt an diesem Tag Sunita Narain auf dem Podium. Sie leitet das Umweltzentrum. Narain ist fast schon Legende, eine Ökoheldin, die mit ihrem kämpferischen Engagement gasbetriebene Busse und Rikschas in der Hauptstadt durchsetzte. Seitdem kann man in Delhi wieder atmen. Diesmal aber gibt sich Narain nicht kämpferisch. Im Gegenteil: Sie und Ramesh erwecken den Eindruck vollständiger Harmonie. Das ist gewollt. Narains Zentrum ist eine international einflussreiche Nichtregierungsorganisation. Aber sie hat entschieden, sich in Kopenhagen hinter ihre Regierung zu stellen. Weil kein anderes Land eine radikalere Position vertritt.
Ramesh hat also ein Heimspiel. »Im Westen werden wir als Blockierer dargestellt. Aber Indien ist nicht Teil des Problems, wir verursachen den Klimawandel nicht. Von uns zu verlangen, dass wir dem Kyoto-Protokoll beitreten, ist die allergrößte Scheinheiligkeit«, sagt Ramesh. Er trifft damit den Kern der Klimagespräche. Die USA verweigern bis heute die Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls, des bislang einzigen international verbindlichen Klimavertrages, weil China und Indien darin keine Verpflichtungen auferlegt werden. Die aber wollen nicht dasselbe Dokument unterzeichnen wie die Industriestaaten und so mit ihnen auf eine Stufe gestellt werden. Allenfalls würden sie ein separates Abkommen akzeptieren, das den künftigen Klimagasausstoß der Schwellenländer begrenzt. Der Gipfel in Kopenhagen könnte auch an diesem Konflikt scheitern. Ramesh weiß das. Trotzdem bleibt er hart.
Er kann wohl nicht anders. Er ist Inder. Ramesh hat alles gesehen: Aila, die Opfer, die Armut. Er kennt Indiens Unternehmer, Leute wie Baral, ihre Kraft und Kreativität. Er vertraut ihnen. Aber er weiß, Indien braucht mehr, viel mehr Geld und Technologie, um dem Klimawandel zu trotzen. Und vor allem kann es selbst wenig bewirken. Er sagt: »Indien wird und sollte keine Limitierung akzeptieren, solange die entwickelten Länder keine sichtbaren Beweise für ihre Reduktionen liefern.« Ist das Sturheit? Oder ist es der Realismus der einzigen Großmacht, die wirklich etwas vom Klimawandel versteht?
- Datum 26.11.2009 - 15:20 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
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Die Haltung "Wir tun nichts, solange ihr nichts tut" ist genau der Grund, warum weltweit kaum etwas geschieht: Jeder schiebt dem anderen den schwarzen Peter zu. Natürlich braucht Indien Technologie, um dem Klimawandel zu trotzen, aber mir kann kein Inder erzählen, dass sie dazu selbst nicht in der Lage sind - wie man Software macht, haben sie ja auch kapiert.
BTW: Wetterkapriolen sind kein Klimawandel, sondern einfach nur Wetterkapriolen. Ein Jahrhundertsturm kommt eben einmal im Jahrhundert vor, wie der Name sagt.
"Bis zum Jahr 2080 könnte der Ernteertrag der Inder aufgrund der Erderwärmung um 30 bis 40 Prozent zurückgehen"
Schon herrlich, wie da mit Jahrzehnten jongliert wird. Das ganze ähnelt zwar mehr einem Stochern im dichtesten Nebel, klingt aber gut. Man könnte auch schreiebn, dass die Ernten um 1% oder 90 % zurückgehen werden, das interessiert jetzt doch sowieso niemanden und die, welche es dann betrifft, sind noch nicht mal in Planung.
Genauso gut kann man dann auch schreiben:" In 4,5 Milliarden Jahren hat sich das Klima von selbst erledigt!"
... leider wird ja nichtmehr alles veröffentlich was hier als Kommentar rausgeht, dann versuch ichs halt einfach nochmal ...
zu 1: die entwicklung von software kann ja wohl kaum - oder lediglich von industriefernen laien - mit der entwicklung von umwelttechniken im industriellen bereich wie solarenergie, dämmsysteme etc. verglichen werden. bei zweiterem reicht wissen nunmal einfach nicht aus, da braucht es schon ewtas mehr ...
zu 2: möglicherweise sind es keine 4,5Mrd jahre mehr, sindern vieleicht nur noch 100 oder 200 ... daran vieleicht mal gedacht ?? sie sagen doch selbst, es handelt sich um prognosen ... wenn einem die begrifflichkeit des wortes prognose nicht völlig unbekannt ist, dürfte es doch schwer fallen einen solchen - ihren - kommentar ersthaft zu schreiben ...
im übrigen gibt es immernoch die möglichkeit, das wir das in griff bekommen, genauso wie die variante, dass sich innerhalb der nächsten 50 jahre das klima expotential verändert, denn die co2 ausstöße verhalten sich ebenfalls nicht linear, dann kippt das weltklima plötzlich und innerhalb eines jahrzehnts fehlen dann plötzlich 7,5 der 8 mrd erdenbürger ... auf experten oder länder rummzuhacken halte ich für ziemlichen quatsch, leisten sie doch knstruktive beiträge und kritisieren sie nicht immer alles was geschrieben wird ...
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