Karibik Ausreißen!Seite 2/2

Die Reise hat Fermor verleitet, seinen einzigen Roman zu schreiben, Die Violinen von St. Jacques. Darin verdichtet er die Hitze und die Süße dieser Inseln zu solcher Konzentration, dass am Ende die ganze zauberhafte vorrevolutionäre Welt mit ihrem Hausvulkan in die Luft fliegt.

Die Romanidee geht wohl auf ein reales Ereignis zurück, von dem Fermor berichtet – den Ausbruch der Montagne Pelée auf Martinique und die vollständige Zerstörung der alten Inselhauptstadt Saint-Pierre im Mai 1902 innerhalb von Minuten. Die Bevölkerung hätte sich retten können, doch der Gouverneur hielt sie mit aufmunternden Reden bei Laune, bis in den Tod.

Romantik ist kein deutsches Privileg. Englische Autoren plagt sie auch, nur etwas anders. Wo der englische romantische Impuls in den Raum zielt, wie bei Robert Byron, geht er nach Asien. Zielt er in die Zeit, wie beim älteren Byron, dem Lord, dann strebt er nach Byzanz. Das Griechische zieht auch Fermor mächtig an. Mit 19 Jahren, 1934, ging er zu Fuß von London nach Konstantinopel, wie er die Stadt neuzeitlich unbeeindruckt nennt, und schrieb 35 Jahre später sein Opus magnum darüber: Die Zeit der Gaben. Heute, mit 95, lebt er in seinem byzantinesken Landhaus am Messenischen Meer. Schriftstellern, die sehr alt werden, wächst eine Unberührbarkeit zu, die sie nicht verdient haben. Am wenigsten verdient hat sie dieser. Fermor zeichnet die Bereitschaft aus, sich ein Leben lang in Abenteuer zu werfen, sich von dem, was dann geschieht, berühren zu lassen – aber zu schreiben aus der Stille der Jahre und manchmal Jahrzehnte danach. Diese Methode hat ihn davor bewahrt, unter seinen literarischen Möglichkeiten zu bleiben. Wer das Erzählen dem triefäugigen Moralisieren, wie es im Zeitalter der Massenrührung in Mode gekommen ist, vorzieht, der wird Fermor lieben.

 
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