Liebeskolumne Warum hat er Aussteigerfantasien?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Sind seine Ausbruchswünsche Zeichen der Entfremdung?

Darf sie ihn aufhalten, wenn er wie der Teufel auf der Ducati über die Berge brausen will?
Die Frage: Brigitte und Dieter sind schon viele Jahre zusammen, sie haben einen Sohn und eine Tochter. Brigitte ist Lehrerin, Dieter höherer Beamter. Periodisch fühlt er sich im Beruf zu wenig anerkannt, dann erschreckt er Brigitte mit Aussteigerprojekten. Er möchte eine Farm in Chile kaufen, auf einem Segelboot leben oder sich mit einem Gleitschirm von Berggipfeln stürzen. Vorläufig hat er sich zum 40. Geburtstag eine Ducati Monster geschenkt und trägt am Wochenende zur Feinstaubbelastung von Alpenstraßen bei. Brigitte hat Angst um ihn. Sie bittet ihn, an die Kinder zu denken und das gefährliche Hobby aufzugeben. "Willst du mir jede kleine Freude vermiesen?", empört sich Dieter. Brigitte überlegt, ob etwas in ihrer Beziehung nicht stimmt, wenn Dieter solche Aussteigerfantasien hat.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Als deutscher Beamter in sicherem Wohlstand zwei Kinder großzuziehen ist eine attraktive Lebenssituation. Aber dieses Leben bietet wenig für den primitiven männlichen Narzissmus, der sich in der Jagd auf Höhlenbären besser spiegelt als in einem Büroschreibtisch. Brigitte kann nicht viel mehr tun, als ihren Standpunkt klarzumachen, dass sie lieber in Deutschland unterrichtet, als Kühe in Chile zu melken. Vielleicht sollte sie sich damit beschäftigen, dass Männer manchmal solche Fantasien aktivieren, wenn sie sich erotisch zu wenig wahrgenommen fühlen. Im Übrigen hilft es ihr, an Dieters Vernunft zu glauben, und sich erfüllendere Betätigungen zu suchen als das Warten auf einen ausgeflogenen Partner. Je weniger sie klammert, desto schneller wird sich Dieter besinnen.
Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.
Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine Mail an liebeskolumne@zeit.de
- Datum 24.11.2009 - 13:33 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 26.11.2009 Nr. 49
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dass das Problem so klassisch zu sein scheint.
Interessant finde ich vor allem "… dass Männer manchmal solche Fantasien aktivieren, wenn sie sich erotisch zu wenig wahrgenommen fühlen."
Versteh ich das richtig, dass der primitive männliche Narzissmus also "manchmal" ständig so in Schach gehalten werden müsste, dass Mann erst gar nicht solche Fantasien entwickeln kann? Wenn ja, gibt es ein paar zeitsparende aber effektive Tipps, damit man eventuell auch Zeit hat, sich um etwas anderes zu kümmern? Und wie ist das dann vereinbar mit dem nicht-"klammern"?
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