Risikoforschung
»Nichts ist sicher«
Ein Gespräch mit dem Risikoforscher Gerd Gigerenzer über die Schweinegrippe und über richtige und falsche Entscheidungen.
© Dietmar Gust

Gerd Gigerenzer ist Direktor des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung
DIE ZEIT: Sie wollen mit Ihrem Harding Center for Risk Literacy den Menschen helfen, in einer modernen, technologischen Welt die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wie schätze ich die Schweinergrippe (besser: Amerikanische Grippe) richtig ein?
Gerd Gigerenzer: Niemand weiß, wie sich das weiter entwickeln wird. Man kann sich nur die bisherigen Daten ansehen und daraus Schlüsse ziehen. Man kann sich zum Beispiel anschauen, wie sich die Schweinegrippe im Vergleich zur normalen, saisonalen Grippe verhält. Daran sterben in Deutschland jährlich etwa 10.000 Menschen; an der Schweingrippe sind bis jetzt 20 gestorben.
ZEIT: Und welchen Schluss ziehen Sie daraus?
Gigerenzer: Ich denke, wir sollten in Deutschland einen etwas entspannteren Umgang mit Risiken lernen. Es gibt immer regelrechte Wellen der Angst, von BSE über Sars zu Vogel- und jetzt Schweinegrippe. Was haben wir uns damals vor BSE gefürchtet und deshalb kein Rindfleisch mehr gegessen!
ZEIT: Im Nachhinein scheinen die Reaktionen auf solche Ereignisse häufig übertrieben. Aber was heißt das für die Zukunft? Sie sagen ja selbst, dass niemand weiß, wie sich die Schweinegrippe entwickelt.
Gigerenzer: Das ist der Punkt. Das Leben ist voller Überraschungen. Man darf nicht versuchen, Sicherheiten zu suchen, wo keine sind. Wir müssen uns der Herausforderung stellen, auch mit unsicheren Informationen umzugehen.
ZEIT: Das ist jetzt sehr abstrakt. Kann uns die Risikoforschung denn bei der Frage nach konkreten Entscheidungen helfen?
Gigerenzer: Sie kann einem zumindest helfen, sich bestimmte Zusammenhänge vor Augen zu führen. Es gibt viele Gesundheitsgefahren, denen wir relativ gleichgültig gegenüberstehen. Nehmen Sie das Rauchen. Nach Schätzungen sterben jedes Jahr 3000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens, darunter 60 Kleinkinder. Solche Gefahren ignorieren wir gern, weil unsere Aufmerksamkeit eher von Neuem und möglichen Katastrophen angezogen wird. Oder ein anderes Beispiel: An BSE starben europaweit in zehn Jahren etwa 140 Menschen. In derselben Zeit sind 140 Kinder durch das Trinken von parfümiertem Lampenöl gestorben. Ich bin im Beirat der Bundesanstalt für Risikobewertung, die über Jahre hinweg versuchte, ein Warnetikett für Lampenöl durchzusetzen. Das stieß auf großen Widerstand. Wären diese 140 Kinder innerhalb einer Woche gestorben – was hätte das für einen Aufruhr gegeben!
- Datum 27.11.2009 - 13:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
- Kommentare 13
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...Schweinergrippe (besser: Amerikanische Grippe) richtig ein?"
Nichts für ungut, aber die Grippe heißt eher weniger "besser" amerikanische Grippe.
"Bezeichnung
Bezüglich der Bezeichnung der hier beschriebenen Epidemie bzw. der entsprechenden Erkrankung besteht keine Einigkeit. Die Bezeichnung „Schweinegrippe“ herrscht bislang (November 2009),[2] insbesondere in den Medien, vor. Sie wurde auch von wissenschaftlichen und politischen Organisationen verwendet.[3][4]"
http://de.wikipedia.org/w...
Gerne verwies auch ich auf einige tausend Grippetote jedes Jahr. Nach einem heftigeren Streitgespräch deswegen, forschte ich im Internet nach:
Eine Datenbank des Robert-Koch-Instituts berichtet von ca. 100 - 300 Tote durch Grippe in den letzten 6 Jahren. Als Quelle ist das Statistische Bundesamt angegeben.
Zitat: Gigerenzer: Ich denke, wir sollten in Deutschland einen etwas entspannteren Umgang mit Risiken lernen. Es gibt immer regelrechte Wellen der Angst.
Falsch es gibt keine Wellen der Angst sondern Epizentren der Propaganda die das wiederholen, was die Seilschaften aus der Pharmalobby von den Dächern pfeifen. Bestes Beispiel ist ja die aktuelle sogenannte "Epidemie". Wo findet die Epidemie statt? In den Köpfen der Menschen und in den Börsenkursen der Pharmaindustrie. Der Spiegel meldet grad das die Scheitelwelle wohl überschritten sein.. Naja aber die 2te oder 3te Welle steht sicher schon in den Startlöchern. Ist nur die Frage wann die PR Abteilungen von GSK, Roche und Co wieder einsatzbereit sind.
"Der Deutsche lebt in der Erwartungshaltung, dass der Staat dafür sorgen muss, dass nichts schiefgehen kann."
Allein für diesen Satz könnte ich diesen Mann lieben:
Sozialstaat, Krankenversicherungen und ihre alljährlichen Zuschüsse, Rentenversicherung und ihre staatlichen Zuschüsse, Schweinegrippe, der überhebliche Kontrollapparat für jeden Mist (BSE und alle anderen Krankheiten, das statistische Bundesamt mit seinen Statistikzwang, Überwachung von öffentlichen Plätzen und allem möglichen anderen Kram), Opel (ja auch hier muss der Staat natürlich einspringen), Erhöhung von Betreuungsgeldern, Terrorgesetze etc.
Bei jedem bisschen was in Deutschland schiefgeht schreit man nach dem Staat statt einfach zu sagen: Ok, das Geld ist nicht da, also müssen wir da sparen. Bei der Latte an staatlichen Verpflichtungen darf man sich nicht wundern dass unser Staat Richtung Abgrund marschiert. Grund hierfür sind zum größtenteil die Medien, die die ganze Angst erstmal schüren....
Das schlimmste in Deutschland sind Jammerlappen wie Sie,
viele davon ausgerechnet Beamte.
Ich nehme an, Herr Gigerenzer hat sich in der Vergangenheit als Wissenschaftler ausgewiesen. In den vorliegenden Äusserungen kann ich die Wissenschaft hinter den Platitüden nicht erkennen, die so auch am Stammtisch fallen könnten.
Das schlimmste in Deutschland sind Jammerlappen wie Sie,
viele davon ausgerechnet Beamte.
Jammerlappen? Worüber jammere ich denn? Ich bin weder verbeamtet noch über 40, das heißt ich muss den ganzen Mist, den die Politiker dank Schulden finanzieren später auch noch zurückzahlen durch höhere Steuern auf mein Gehaltes, nebst Zinsen und dem Beitrag an meine private Altersvorsorge, weil ich ja dann von der Rente nicht mehr viel haben werde....jetzt bin ich vielleicht Jammerlappen, aber dafür einer, der ein bisschen mehr in die Zukunft denkt als sie...
Jammerlappen? Worüber jammere ich denn? Ich bin weder verbeamtet noch über 40, das heißt ich muss den ganzen Mist, den die Politiker dank Schulden finanzieren später auch noch zurückzahlen durch höhere Steuern auf mein Gehaltes, nebst Zinsen und dem Beitrag an meine private Altersvorsorge, weil ich ja dann von der Rente nicht mehr viel haben werde....jetzt bin ich vielleicht Jammerlappen, aber dafür einer, der ein bisschen mehr in die Zukunft denkt als sie...
Wäre es denn besser gewesen die ganzen Banken bankrott
gehen zu lassen ?
Glauben Sie bei 20% Arbeitslosigkeit wäre es um ihre
Zukunft besser bestellt ?
Angenommen Sie bekommen Krebs, sagen Sie dann:
"Dafür ist momentan kein Geld da, sterbe ich halt !",
oder erwarten Sie Solidarität, oder sind Sie gar einer
von den ewig jungen und fitten Unsterblichen ?
Fragen über Fragen.
Wäre es denn besser gewesen die ganzen Banken bankrott
gehen zu lassen ?
Glauben Sie bei 20% Arbeitslosigkeit wäre es um ihre
Zukunft besser bestellt ?
Angenommen Sie bekommen Krebs, sagen Sie dann:
"Dafür ist momentan kein Geld da, sterbe ich halt !",
oder erwarten Sie Solidarität, oder sind Sie gar einer
von den ewig jungen und fitten Unsterblichen ?
Fragen über Fragen.
Genauer lesen! In meinem Beitrag kritisiere ich weder den Bankenrettungsfond (denn der war richtig) noch meckere ich über Maßnahmen zur Bekämpfung von Arbeitslosigkeit bzw. über das Kurzarbeitergeld (weil das dem Prinzip der Nachhaltigkeit entspricht). Bei Opel ist es was anderes: Wenn ein Unternehmen den Bach runtergeht, dann muss es in die Insolvenz und dort wird entschieden, wie man sowohl die Gläubiger befriedigt und nach Möglichkeit das Unternehmen am Leben hält...(sie wissen gar nicht wieviele Unternehmen durch die Insolvenz noch gerettet werden).
Und bei tödlichen oder schweren Krankheiten muss natürlich der Staat einspringen. Aber warum muss halb D bei ner mittelschweren Erkältung zum Arzt rennen und mit (teilweise zugezahlten) Medikamenten eingedeckt werden (Arztkosten Medikamentenkosten). Wenn nicht genug Geld für wichtige Behandlungen da ist, müssen halt die Beitragssätze erhöht werden. Das ist schließlich auch der Grund, warum das ein Beitrag ist und nicht durch normale Steuern verteilt wird. Jeder Zuschuss auf Pump dient zum Stützen, obwohl sich das dahinterstehende System selbst schützen sollte...
Wie sie vielleicht merken: Nachhaltig muss man denken.
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