Mit seinem hölzernen Colin Archer segelt Michael Bohmann am liebsten von Ankerplatz zu Ankerplatz. Festmachen im Hafen ist nichts für den Hamburger: »Ich mag dieses Wassercamping nicht.« Doch so romantisch einsame Buchten sind – ihnen fehlt ein Stromanschluss. Nach spätestens drei Tagen haben Positionslampen, Funkgerät, Heizung und viele andere Verbraucher die Batterie geleert. Um sie wieder zu laden, läuft im Notfall der Dieselmotor, doch der ist für diese Aufgabe überdimensioniert, hat einen schlechten Wirkungsgrad. »Nicht gerade umweltfreundlich«, weiß Bohmann.

Der Schiffsingenieur hat es auch mit Solarzellen versucht: »Das bringt in nördlichen Breiten gar nix, bei einem kleinen Schiff müsste man das Deck vollpflastern.« Also versuchte er es mit einem Windgenerator. Der lieferte zwar genug Strom, war aber zu laut. »Das knattert die ganze Nacht, da kann man nicht schlafen.«

Inzwischen hat Bohmann sein Stromproblem gelöst: Eine Brennstoffzelle lädt die Bordbatterie bei Bedarf automatisch nach. Sie ähnelt einer kleinen Camping-Kühlbox, doch in der Efoy-Brennstoffzelle (»Energy for you«) steckt Hightech: Lautlos und ohne giftige Abgase liefert sie genau dann Strom, wenn die Batterie nachlässt.

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Efoy funktioniert ähnlich wie eine Wasserstoff-Brennstoffzelle, nur ist ihr Treibstoff Methanol einfacher zu handhaben. Statt in schweren Stahltanks steckt er in einem Plastikkanister zu fünf, zehn oder 20 Litern, der sich schnell auswechseln lässt. Nachschub gibt es an über 1000 Verkaufsstellen, davon 200 in Deutschland. Die Brennstoffzelle hat allerdings einen Nachteil. »Sie ist sauteuer«, sagt Bohmann.

Eine Efoy für den Freizeitbereich kostet je nach Leistung zwischen 2000 und 5000 Euro. Zur Auswahl stehen fünf Leistungsstufen mit 600 bis 2200 Wattstunden pro Tag (Wh/d). Bohmanns Efoy 1600 liefert 1600 Wh/d, ihre bescheidene Nennleistung von 65 Watt reicht aus, um ein Segelboot oder Wohnmobil mit Strom zu versorgen. Das Gerät schluckt etwa einen Liter Methanol pro Kilowattstunde (kWh). Bohmann kam mit fünf Litern pro Monat aus. Während Bootsfahrer erst langsam auf den Geschmack kommen, werden immer mehr Wohnmobile mit Brennstoffzellen ausgerüstet – viele Camper schätzen die Unabhängigkeit besonders.

Methanol-Brennstoffzellen sind nicht neu. Seit Jahren präsentieren Firmen auf der Hannover-Messe ihre Entwicklungen. Doch serienreife Produkte sind die Ausnahme. Im Oktober stellte Toshiba das externe Ladegerät Dynario für Handys und MP3-Player vor, mit einer methanolbetriebenen Minibrennstoffzelle. Die 220 Euro teuren Geräte werden nur in Japan in kleiner Stückzahl vermarktet, quasi ein erweiterter Feldtest.

Anders sieht es bei der Efoy aus: Während die Wettbewerber noch forschen und entwickeln, hat die Herstellerfirma Smart Fuel Cell (SFC) in Brunnthal bei München über 15.000 Geräte verkauft. Die Methanol-Brennstoffzelle könne auch dem mit Wasserstoff betriebenen Pendant den Weg in den Massenmarkt ebnen, glaubt Klaus Bonhoff, Geschäftsführer der Nationalen Organisation für Brennstoffzellentechnologie in Berlin. »Efoy hat für die Technologie große Bedeutung, weil damit erstmals ein Produkt kommerziell angeboten wird.«