Naturschutz Fliegender SensorSeite 2/2
Die rund 450 Brutpaare in Deutschland gelten vor allem deshalb weiterhin als bedroht, weil sie sich der neuen Umwelt angepasst haben: Inzwischen brüten sie nicht mehr in freier Natur, sondern zu etwa 90 Prozent in bewirtschafteten Ackerflächen. Mit der fatalen Folge, dass die Jungen oft nicht vor der Ernte flügge werden und daher Gefahr laufen, von Erntemaschinen getötet zu werden. Deshalb spähen im Frühjahr, wenn die Brutzeit beginnt, Scharen freiwilliger Vogelschützer möglichst viele Nester aus – und bitten die Landwirte, deren Umfeld zu schonen und nicht abzuernten. Das klappt meist sehr gut, manchmal hilft auch eine Aufwandsentschädigung. Doch mittlerweile ist der Bruterfolg stark abhängig von dieser Art von Nestschutz.
Da ihre Nester so ungewöhnlich gut bekannt sind, müssen die Ornithologen bei den Wiesenweihen nur zugreifen, wenn sie zu Forschungszwecken Tiere beringen, markieren oder besendern wollen. Dennoch betrachten die Wissenschaftler die aktuellen Bruterfolge grundsätzlich mit Skepsis. »Sie führen zu einem Artenschutz, der vollständig von menschlicher Hilfe abhängt«, sagt Christiane Trierweiler.
Deshalb fordern die Ornithologen und die Wildtier Stiftung, wieder mehr natürliche Brutflächen, aber auch mehr Ackerrandstreifen und geeignete Brachflächen zu schaffen. Davon würden nicht nur ungeschützt brütende Wiesenweihen profitieren, sondern auch viele andere Vögel, Insekten und Nagetiere. Wichtig sei es, dabei die Landwirte mit einzubinden und ihre Leistungen für den Naturschutz zu honorieren. Das zeigten auch die Erfolge im sogenannten Vertragsnaturschutz. Es genüge, »nur einen Bruchteil der Agrarsubventionen umzulenken«, fordert Hilmar von Münchhausen.
Auch in Afrika ist eine enge Kooperation mit den Bauern unabdingbar. So entdeckte Christiane Trierweiler eine besenderte Wiesenweihe in Nigeria auf einem Hühnerhof: »Der Farmer hatte sie an einen Pfahl gebunden, um andere Raubvögel abzuschrecken«, erzählt sie. Dennoch hofft sie, für ihre Schützlinge Sympathie in der Bevölkerung zu wecken. Denn in Afrika fressen die Wiesenweihen zwar auch Mäuse wie in Deutschland, aber ihre Hauptnahrung sind dort Heuschrecken. Zeigen die Sendersignale, dass sich auffallend viele der Greifvögel in einer Region herumtreiben, dann leben dort wahrscheinlich viele Heuschrecken. Diese Schmarotzer zu bekämpfen liegt auch im Interesse der Bauern.
Leider ist das Versprühen von DDT, diesem sehr billigen und lang wirksamen Insektizid, in Afrika immer noch vielerorts gängige Praxis. Für Greifvögel ist dies hochproblematisch, denn DDT reichert sich in ihrem Fett an und führt zu brüchigen Eierschalen. Damit die Bruterfolge in Deutschland nicht bereits in Afrika zunichte gemacht werden, wollen die Ornithologen die klassischen Insektizide ersetzen durch vorhandene biologische Mittel. »Eines basiert auf einem Schimmelpilz. Die Heuschrecken werden davon teilweise gelähmt, sodass Vögel wie die Wiesenweihe sie sogar leichter fangen und fressen können«, berichtet Bairlein. Erste Pilotprojekte seien bereits erfolgreich verlaufen. Allerdings ist die Anwendung der Biopestizide derzeit noch aufwendiger und auch deutlich teurer als die klassische Bekämpfung. Doch da Zugvögel keine Landesgrenzen kennen, sollte ihr Schutz in Afrika ähnlich förderungswürdig sein wie in Europa.
Mitarbeit: Hans Schuh
- Datum 27.11.2009 - 20:47 Uhr
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- Serie Umwelt
- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
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