Der Name Saxony International School mischt einen Hauch von weiter Welt in den Geruch von konventioneller Landwirtschaft in Niederwürschnitz. Ein Traktor am Hang trägt die wichtigste Botschaft als Aufkleber an der Motorhaube: »Ein Herz für Kinder«.

In dem 2800-Einwohner-Ort im Erzgebirgskreis dachte man schon, die Welt hätte ihr Herz für Kinder verloren. Im Jahr 2006 ließ das Kultusministerium die örtliche Mittelschule schließen. Für sie gebe es »kein öffentliches Bedürfnis« mehr. Unsere Bedürfnisse können nicht gemeint sein, dachten sich die Menschen in Niederwürschnitz. Sie kämpften dafür.

Deshalb gehen hier nun, drei Jahre später, wieder Kinder zur Schule. Kinder, die mehrere Fremdsprachen lernen und Manieren haben. Von denen man erzählt, sie verstünden schon in der fünften Klasse mehr von PowerPoint-Präsentationen als mancher Firmenchef. Es ist ein Wunder geschehen, sagen die alten Männer im Vereinshaus. Niederwürschnitz lebt wieder, freut sich die Frau vor der Fleischerei. Wir hatten das Dorf schon sterben sehen, sagt eine Mutter. »Ein Dorf ohne Schule, das ist doch tot.«

Auf dem Schulhof stehen Sechstklässler, die stolz ein Logo auf ihrer Schulkleidung tragen. Es zeigt, dass sie die Saxony International School besuchen. Sie zählt inzwischen doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze. Die neue fünfte Klasse soll zweizügig werden. Obwohl die staatliche Würschnitztalschule an gleicher Stelle Probleme hatte, nur eine Klasse vollzubekommen, könnte diese hier, wenn nötig, drei Klassen schaffen. Weltgewandtheit, Orientierung, Wissen: Für dieses Versprechen geben Eltern gern jeden Monat 75 Euro Schulgeld aus.

Das wirft Fragen auf. Zum Beispiel, warum das sächsische Schulsystem einen Standort aufgeben muss, an dem der Unterricht doch offenbar weitergehen kann? Warum viele staatlichen Schulen offenbar keine Ideen haben, mit denen sie im Wettbewerb bestehen können? Warum ist die Gründung einer Privatschule die Lösung?

Kaum zu glauben, erinnert sich Bürgermeister Rolf Höfer, 59, »dieser Irrsinn«. Noch Ende der neunziger Jahre wurde die Würschnitztalschule aus dem Jahre 1898 komplett saniert, die Gemeinde verschuldete sich dafür mit vier Millionen Euro. Als dann die Schule dicht und der letzte Schüler weg war, blieben nur die Schulden. Es war an einem seiner Abende im Dorfgasthof Zur Tenne, als Bürgermeister Höfer beschloss, sich mit diesem traurigen Ende nicht einfach abzufinden. In einem Interview mit der Lokalzeitung erklärte Höfer, er werde die Sache jetzt selbst in die Hand nehmen und nach interessierten Geldgebern fahnden. Rüdiger School aus Hohndorf hörte davon, überlegte nicht lange und rief bei Höfer an. »Krise und Chance, das ist im Chinesischen das gleiche Schriftzeichen«, meint der Dorfbürgermeister. 

Es herrschte Krise, und Rüdiger School war die Chance.