Privatschule im Dorf Schools SchülerSeite 3/3
Wenn School süßlich sächselnd über Zukunft und Weltgewandtheit parliert, reagieren Eltern angetan, weil sich all das nach einer Jobgarantie anhört, nach einer Art Führerschein in Zeiten des Turbokapitalismus. Jeder Schüler bekommt in der Region einen Patenbetrieb vermittelt, in dem er Praktika absolviert. Und auch sonst dreht sich vieles um Leistung. »Wer meint, er müsse sein Kind antiautoritär erziehen – na, meinetwegen, aber nicht mit uns«, sagt School.
Erdkunde, Mathe, Physik werden zweisprachig unterrichtet. Geschichte in der Regel sogar mit Spanischanteil. Ein Dutzend Muttersprachler ist dafür beim Schulträger angestellt. Sie bereisen Schools Schulen und sprechen dort Spanisch, Französisch, Englisch. Im Team ist eine Finnin, die auch Mandarin spricht. Ziel ist das Erlernen der Sprache sozusagen nebenbei. »Unsere Kinder streuen ganz selbstverständlich immer wieder englische Wörter in ihre deutschen Sätze«, so Rüdiger School. Er versteht das als Lob.
Dorfbürgermeister Höfer sagt, er sei inzwischen ein Fan der International School. Es ist erst sieben Jahre her, da hat das Kultusministerium die damalige Würschnitztalschule noch als »Schule mit Idee« ausgezeichnet; auch Höfer freute sich damals. Die Plaketten hängen bis heute am Eingang. Die lebenswichtigen Ideen haben am Ende gefehlt. Vielleicht, meint Rolf Höfer, war die Schließung der alten Schule das Beste, was Niederwürschnitz passieren konnte.
- Datum 26.11.2009 - 09:29 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
- Kommentare 9
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Die staatlichen Schulen haben versagt. Wird Zeit andere es machen zu lassen.
...womit wir uns wieder ins Mittelalter katapultierten.
Darf Bildung wirklich nur für eine Elite an Vielverdienern sein?
...womit wir uns wieder ins Mittelalter katapultierten.
Darf Bildung wirklich nur für eine Elite an Vielverdienern sein?
Hört sich erst mal ganz nett an und toll und gross usw. Aber man darf nicht vergessen, gerade als Elternteil, dass es dem Betreiber nicht darum geht guten Unterricht zu machen, Persönlichkeiten zu formen, sondern sich privat zu bereichern. Man müsste gucken, wieviel Substanz wirklich hinter der schillernden Fassade steckt. Der Erfolg scheint Herrn School (witziger Name übrigens für einen Besitzer einer internationalen Schule) recht zu geben, aber der erklärt sich eben auch aus der (leider) grossen Nachfrage nach Privatschulen. Leute glauben eben oft, dass diese so überaus modern wären und ihre eigenen Kinder NATÜRLICH nicht zur Masse gehören. Leider ist das oft ein Trugschluss und gerade in ländlichen Gebieten sind mit härter werdender Konkurrenz gerade die Privatschulen der erste Kandidat der die Schotten dicht macht. Als Einzelfall ist die Erfahrung sicher beeindruckend, kann aber kein Modell werden. Dafür reden die Bildungssysteme vieler Staaten eine zu deutliche Sprache. Das der USA beispielsweise, oder anderer sehr neoliberaler Staaten.
...womit wir uns wieder ins Mittelalter katapultierten.
Darf Bildung wirklich nur für eine Elite an Vielverdienern sein?
@Kleinempfaenger
Gerade weil sich die private Schule bereichern will wird sie darauf achten gute Lehrer einzustellen um guten Unterricht zu gewährleisten.
offtopic:
Meiner persönlichen Ansicht und Erfahrung nach ist das größte Problem der deutschen Bildung das 3-Schulen-System mit zu grossen Klassen bzw. zu wenig Lehrern. In dem die persönlichen Schwächen/Begabungen eines Schülers (m/w) nicht berücksichtigt werden können.
Für eine "Hochkultur" wie Deutschland müsste es ein individuell angepasstes System geben. Natürlich fehlt im Bildungsbereich wie in allen Staatlichen Organisationen ein transparentes Qualitätssicherungssystem (Stichwort: Beamten-Faulenzer).
75 euro im monat um sein kind auf die schule zu schicken sind denke ich für jeden machbar. erst recht, wenn man sich den niveau unterschied zwischen staatlicher und privater schuleform ansieht.
Wie finanziert sich dieses System?
Ist so wenig realistisch?
Ich glaube es nicht!
Wie finanziert sich dieses System?
Ist so wenig realistisch?
Ich glaube es nicht!
Wie finanziert sich dieses System?
Ist so wenig realistisch?
Ich glaube es nicht!
Das finanziert sich recht einfach: Das Schulgeld beläuft sich auf 900€ im Jahr. Das heißt, School bekommt pro Schüler ca. 4350€ im Jahr gegenüber 3450€, die eine normale Schule bekommen würde. Außerdem bekommt er das Gebäude fast für umsonst von der Gemeinde gestellt.
Ich würde nicht sagen, dass Privatschulen besser sind, als staatliche, aber sie haben im Moment zwei Vorteile:
1.Große Entscheidungsfreiheit, da nicht für jede Rolle Klopapier beim Ministerium gebettelt werden muss. Das erlaut im Prinzip mehr Freiheiten, wie man sein Geld an der Schule verwenden will. So werden dann zb. Laptops für die Schüler möglich
2.Kleinere Klassengrößen dank mehr Geld: Ich erlebe es gerade selbst an der Uni: mein Kurs mit 15Leuten kommt einfach viel schneller voran, als der Parallelkurs mit 30 Leuten. Kleinere Klassengrößen <20 bedeuten größeren Lehrerfolg.
will sagen: Eine öffentliche Schule könnte problemlos genau so gut werden, wie eine solche "International School", die Realität sieht halt anderst aus. Meistens fehlts an Geld.
Bei PISA und anderen Vergleichstests schneiden Privatschulen übrigens nicht besser ab als staatliche. Aber das liegt vermutlich alles nur an den Stammtischen der Republik allseits beliebten Beamten-Faulenzern - und natürlich den Angestellten-Faulenzern in den Bundesländern, in denen es kaum Beamte im Schuldienst gibt...
Dass das staatliche Schulsystem gerade bewusst voll an die Wand gefahren wird, ist ja bekannt. Schließlich kommen selbst bezuschusste Privatschulen die Länder billiger als staatliche Schulen. Bin mal gespannt, wo das endet. Vielleicht so desaströs wie in England, wo z.B. Kreationisten-Vereinigungen ganze Schulen übernommen haben und entsprechend ihrer Ideologie arbeiten. Oder wie in Kalifornien, wo das öffentliche Schulsystem so systematisch degradiert wurde, dass 2/3 aller Schüler mittlerweile aus den Unterschichten stammen. Da müssen wir auch hin. Schöne neue Schulwelt.
Die Bewährungsprobe für Privatschulen käme übrigens dann, wenn sie nicht mehr nur ihre handverlesene Schülerschaft bedienen könnten, sondern gezwungen wären, unter den gleichen Bedingungen wie staatliche Schulen zu arbeiten. Aber das will man gar nicht wirklich. Der Markt regelt bekanntlich alles.
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