Stilkolumne Die ticken einfach anders

Tillmann Prüfer über eine neue Uhrengeneration

Wer weiß schon, dass die meisten mechanischen Uhren von heute ihre Existenz einer kleinen Quarzuhr verdanken? In den siebziger Jahren war die Welt von einem neuen Produkt begeistert, eben der Quarzuhr aus Japan. Quarzuhren waren genau, unempfindlich und viel billiger als die mechanischen Räderwerke, die in der Schweiz hergestellt wurden. Schließlich wurde ein Industrieberater namens Nicolas Hayek beauftragt, zwei Uhrenkonzerne zu fusionieren. Er lancierte 1983 ein neues Produkt. Eine Uhr mit einem Quarzwerk, das weniger Teile hatte als herkömmliche Uhren. Die Swatch war poppig, bunt, aus der Schweiz – und wegen ihrer einfachen Bauweise vergleichsweise billig. Bis heute wurden Hunderte Millionen Swatch-Modelle verkauft.

Die Herrensportuhr Right Track ist der erste Automatik-Chronograf, den Swatch entwickelt hat.

Die Herrensportuhr Right Track ist der erste Automatik-Chronograf, den Swatch entwickelt hat.

Der Erfolg der kleinen Plastikuhr machte es möglich, auch wieder komplizierte mechanische Werke zu bauen und Marken wie Omega, Blancpain und Breguet zu stärken oder wiederzubeleben. Nach mehr als 25 Jahren erreicht nun die Mechanisierung auch die Modeuhrenmarke Swatch. Statt eines Quarzherzens tickt in dieser Herrensportuhr, die es in fünf Ausführungen gibt, ein Automatik-Chronografenwerk.

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Arlette-Elsa Emch, die neue Chefin von Swatch, lobt: »Noch nie hat es ein Schweizer Chronografenwerk in dieser Preislage gegeben.« Die mechanische Swatch ist so günstig, weil – wie schon bei der Ur-Swatch – das Werk mit weniger Teilen als üblich auskommt. Wieder ist die Einfachheit das Prinzip. Swatch bleibt der Reduktion treu.

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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Damit ist die mechanische Swatch das Beispiel für einen Trendwechsel. Früher galt es, Werke immer komplizierter zu machen und mit zusätzlichen Funktionen zu versehen. So wurden Uhren immer größer und teurer. Viele Hersteller sehr komplexer Uhren haben nun Probleme, die hochgerüsteten Mechaniken an den Kunden zu bringen.

Zwar interessieren sich immer mehr Leute eher für eine mechanische Uhr als für eine Quarzuhr, sie wollen aber nicht allzu viel Geld ausgeben. Wieder eine Krise, die Innovationen befeuert. Waren mechanische Uhren bislang vor allem Statussymbole, werden sie endlich zu Modeuhren.

Manchmal ist es eben doch schön, wenn sich die Geschichte wiederholt. Spätestens wenn es irgendwann eine mechanische Swatch für die Damen gibt.

 
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