Vor sieben Jahren führte Klaus Toppmöller eine deutsche Fußballmannschaft, Bayer Leverkusen, ins Finale der Champions League. Das ist seither keinem Trainer geglückt. Im Oktober 2004 wurde er beim Tabellenletzten HSV entlassen. Zwei Monate zuvor hatte der Klub ein Pokalspiel beim SC Paderborn verloren – nach zwei Elfmetern und einer Roten Karte. Schiedsrichter der Partie war der von der kroatischen Wettmafia gekaufte Robert Hoyzer. Von 2006 bis 2008 trainierte Toppmöller die Nationalmannschaft Georgiens. Zurzeit lebt er, 58 Jahre alt, in Rivenich an der Mosel und orientiert sich neu.

DIE ZEIT: Gehen Sie ins Casino?

Klaus Toppmöller: Vielleicht alle drei Jahre mal. Eher um die Leute zu beobachten, weniger um zu spielen. Bei 300 Euro Verlust ist für mich ohnehin Schluss.

ZEIT: Wetten Sie auf Fußballspiele?

Toppmöller: Gelegentlich spiele ich für 20 Euro Oddset, aber nur Bundesliga. Gewinnen tu ich selten, es geht mehr um die Gaudi. Mit unserem Stammtisch wetten wir immer um das Abendessen.

ZEIT: Sie sind vor fünf Jahren Opfer von Wettbetrügern geworden. Denken Sie häufig daran?

Toppmöller: Ich werde oft darauf angesprochen. Gerade im Moment rufen viele Freunde an und sagen: »Mensch Klaus, wo wärst du heute ohne Hoyzer

ZEIT: Wo wären Sie heute ohne Hoyzer?

Toppmöller: Bei Bayern München.

ZEIT: Im Ernst?

Toppmöller: Ja. Wir waren in konkreten Verhandlungen. Aber ich will genügsam sein. Ich bin zufrieden, wie mein Weg verlaufen ist. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

ZEIT: War ein einziges verschobenes Spiel schuld an dem Knick in Ihrer Karriere?

Toppmöller: Es war natürlich nicht nur dieses eine Spiel. Aber es war eine Niederlage gegen einen Drittligisten mit schweren Folgen für die Stimmung im Verein, die Bild- Zeitung eröffnete anschließend das Feuer gegen mich. Heute zehre ich noch von der Saison mit Leverkusen und bin immer mal wieder als Nationaltrainer im Gespräch, etwa in Tschechien, Bulgarien oder Iran. Mein Traum ist es, an der Weltmeisterschaft teilzunehmen. Vielleicht klappt das ja im nächsten Jahr, lassen wir uns überraschen.

ZEIT: Die Liebe zum Fußball hat man Ihnen nicht genommen?

Toppmöller: Nein, das geht nicht. Aber zwischendurch verlor ich den Glauben. Ich war schockiert, weil ich das nicht für möglich gehalten hatte. Warum passiert das ausgerechnet mir?, hab ich mich danach oft gefragt. Es gibt größere Verbrechen als Wettbetrug, aber emotional ist die Schiebung eines Fußballspiels für mich das Schlimmste auf der Welt. Was an einem Fußballverein alles dranhängt: Spieler, Vorstand, Sponsoren, Fans, von denen manche ihren letzten Groschen ins Stadion tragen.