Sahra Wagenknecht Die schöne Kommunistin
Was für ein Herz schlägt in Sahra Wagenknechts Brust?
Die hysterische Neugierde, die sich auf eine vermutete Affäre zwischen den Linksparteigenossen Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine richtet (sogar Detektive sollen schon in Marsch gesetzt worden sein), mag befremden. Indes beruht sie nicht auf dem notorischen Klatschinteresse an den Schürzenjägereien Lafontaines. Es geht nicht um den dicken Frosch, sondern um die schöne Kommunistin. Es geht auch nicht darum, wer gegebenenfalls wen mit einem Kuss zur wahren Gestalt erlösen könnte. Die schöne Kommunistin ist vielmehr ein kollektives Traum- und Wunschbild, das enttäuschenderweise bisher, wenn man von Tamara Bunke, der legendären Gefährtin Che Guevaras, absieht, meist nur im Partisanenfilm zur Anschauung gekommen ist.
Sahra Wagenknecht aber gibt es wirklich, und sie beflügelt die Fantasie auch jener, die ihrer politischen Orthodoxie eher fernstehen. Warum? Dass Schönheit sich an das Kapital verkauft, beobachten wir täglich. Dass Schönheit sich der Erlösung des Menschengeschlechtes verschreibt, ist dagegen fast so unwahrscheinlich wie die Verwirklichung der kommunistischen Utopie. Die schöne Kommunistin verzichtet darauf, ihren Körper an der Börse der erotischen Tauschverhältnisse zu notieren. Sie leistet den Verzicht der Tugend, indes ohne die härenen Gewänder, in die sich Tugend nach christlichen Vorstellungen kleidet.
Und nicht nur im Christentum: Auch die Kommunistin stellen wir uns gewohnheitsmäßig eher nach dem Bild Hilde Benjamins vor, jener zu Recht gefürchteten Justizministerin der frühen DDR. Zumindest eine gewisse uncharmante Ruppigkeit gehörte selbst nach sozialistischem Selbstverständnis zum Ideal der linientreuen Proletarierin. Dass Schönheit und Moral zusammengehen, wurde schon nicht mehr propagiert, vielleicht weil es dem Sehnsuchtsbild des »Neuen Menschen« zu nahe kam, den selbst die glorreiche Sowjetunion bekanntlich nicht überzeugend zu schaffen vermocht hatte.
Der Neue Mensch, den Michail Bulgakow in seiner berühmten Satire Hundeherz vor Augen rückte, ist die Karikatur eines Proletariers, der nach seiner frankensteinhaften Herstellung als ersten Laut das Wort »Kneipe« hervorstammelt. Es handelt sich, mit anderen Worten, um ein verkommenes Subjekt. In Sahra Wagenknechts Brust dagegen schlägt ein edles Herz, das höchstens durch eine gewisse dogmatische Trotzköpfchenhaftigkeit befremdet, andererseits aber auch bezaubert. Insofern erschrickt der Zeitgenosse bei der Vorstellung, sie in die gewieften Hände eines abgebrühten Machttaktikers wie Lafontaine fallen zu sehen.
Aber wer weiß? Vielleicht liegt eine gewisse historische Gerechtigkeit darin, wenn der fatale Händedruck, mit dem einst die SPD von den Kommunisten zur SED zwangsvereinigt wurde, nun von sozialdemokratischer Seite erwidert wird, aber eben entsprechend zärtlicher selbstverständlich. Vielleicht wollte der alte Sozialdemokrat Lafontaine (der er am Ende doch immer ist und bleibt) nur einmal demonstrieren, wie mit der historisch hart erarbeiteten Sanftmut seiner Partei auch möglich ist, wofür die Kommunisten Polizei und Stasi brauchten. Wer wen? lautete bekanntlich die entscheidende Formel Lenins. Wer wen – ergänze: verführt – ist auch im Falle Lafontaines und Wagenknechts die entscheidende Frage.
Die klassische Männerfantasie, die in Ernst Lubitschs Film Ninotschka beispielhaft durchgeführt wurde, will natürlich den Eispanzer der linientreuen Tugend unter dem Charme des bürgerlichen Bonvivants dahinschmelzen sehen. Aber dann wäre es auch mit dem Reiz der Verbindung von Schönheit und Moral vorbei; die Liebe hätte über den Gegenstand ihres Begehrens gesiegt und ihn gleichzeitig zum Verschwinden gebracht. Attraktiver für uns Bewunderer des Wunders Wagenknecht wäre das Gegenteil: dass sie ihre schöne Sprödigkeit dem alternden Roué injizierte und er allen konsumptiven Erfüllungen entsagte. Wenn sie gemeinsam das Fakirlager der tugendhaften Entsagung teilten – ah! Das wäre ein großer Schritt voran auf dem schmerzensreichen Weg zum Neuen Menschen, den schon niemand mehr für gangbar gehalten hatte.
- Datum 29.11.2009 - 13:55 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
- Kommentare 50
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mal auch von der ZEIT ein wirklich überzeugender Blick hinter die Kulissen.
Mit diesem Pamphlet, Herr Jessen, haben sie es geschafft, sich für die BILD zu empfehlen. Sie müssten ihre kruden Sätzchen nur noch von Fremdworten bereinigen und etwas knackiger setzen. Ich bin mir aber sicher, dass das Lektorat Ihnen dabei behilflich sein wird.
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Niveau.
In Sahra Wagenknechts Brust dagegen schlägt ein edles Herz, das höchstens durch eine gewisse dogmatische Trotzköpfchenhaftigkeit befremdet, andererseits aber auch bezaubert.
lies: In Sahra Wagenknecht schlummert die "Moral" einer Leila Khaled.
Herzlichst Crest
Wer sich mal Frau Wagenknecht angehört hat, der ist erstaunt, wie jemand, der so einen absurden Unfug redet, in der Politik eine Rolle spielen kann.
Ich kann mir nur vorstellen, dass ihr hübsches Äußeres da eine relevante Rolle gespielt hat. Auch wenn sie ihre körperlichen Vorzüge nicht wie im Zusammenhang mit Lafontaine kolportiert eingesetzt hat: auch auf Parteitagen zählt die Optik.
Je geringer in einer Partei die Ratio, desto größter sind die Chancen eines "scharfen Fegers", über die emotionale Schiene nach vorne zu kommen.
Frauen haben da gegenüber Männern nun mal Vorteile, die auch Frau Wagenknecht gezielt ausspielt.
bin ich über den absurden Unfug in vielen Ihrer Kommentare.
bin ich über den absurden Unfug in vielen Ihrer Kommentare.
Kommunistin zu sein, wenn man mit einem Millionaer verheiratet ist in 'unserer deutschen so demokratischen Republik'wo linke Sozialdemokraten mit Stalinisten Versoehnung feiern duerfen unw wo Nazi-Opfer eben gaaanz was anderes sind als Stasi-opfer.
Ist "Kunststück" eine Anspielung auf Wagenknechts offenbar immer noch Ehemann, der u.a. mit Kunstfälschung zu tun hatte?
War Ralph-Thomas Niemeyer nicht der, der wegen Anlagebetrug zu mehr als 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und anschließend mit gefälschten Gemälden gehandelt hat?
Ich dachte, Frau Wagenknrecht hätte mit diesem verurteilten Verbrecher nichts mehr zu tun. Ist sie tatsächlich noch mit dem verheiratet?
Ist "Kunststück" eine Anspielung auf Wagenknechts offenbar immer noch Ehemann, der u.a. mit Kunstfälschung zu tun hatte?
War Ralph-Thomas Niemeyer nicht der, der wegen Anlagebetrug zu mehr als 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und anschließend mit gefälschten Gemälden gehandelt hat?
Ich dachte, Frau Wagenknrecht hätte mit diesem verurteilten Verbrecher nichts mehr zu tun. Ist sie tatsächlich noch mit dem verheiratet?
Ist "Kunststück" eine Anspielung auf Wagenknechts offenbar immer noch Ehemann, der u.a. mit Kunstfälschung zu tun hatte?
War Ralph-Thomas Niemeyer nicht der, der wegen Anlagebetrug zu mehr als 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und anschließend mit gefälschten Gemälden gehandelt hat?
Ich dachte, Frau Wagenknrecht hätte mit diesem verurteilten Verbrecher nichts mehr zu tun. Ist sie tatsächlich noch mit dem verheiratet?
Mein Großvater würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die Dame hören würde.
Opa war Arbeitersportler und bis zu seinem Tod zahlendes Mitglied der SED.
Er hat mir jedenfalls mehr beigebracht als jede politische Phrase es je tun kann und wird!
Schließlich hat er die Kaiser- und NS-Zeit erlebt und überlebt - mit viel Glück.
Ich werde seine Worte nie vergessen:
"Junge, du kannst froh sein, heute aufzuwachsen und so schön zur Schule zu gehen!"
...und er behielt Recht!
Jedenfalls war er ein Mann der Tat und ein Praktiker und kein studierter Politologe, der seine Nase nach dem Wind dreht oder sich irgend einer Weltanschauung hingibt, die ihm gerade vor die Flinte läuft.
Was die Wagenknecht ist?
Jedenfalls keine "echte" Kommunistin!
Eher ein "Verschnitt" der Merkel, nur im linken Spektrum - sei es drum!
dieser Artikel uns sagen?
Ich habe beim Lesen die ganze Zeit auf eine Aussaeg gewartet. Allerdings kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Autor einer gewissen Schwärmerei für Frau Wagenknecht erlegen ist, die sich allerdings lediglich auf der Ebene ihrer "Schönheit" stehenbleibt und nicht tiefer geht. Es ist nicht einmal die Schwärmerei eines Pubertierenden zu (s)einer Lehrerin. Denn diese schließt ja auch die Achtung vor dem Objekt der Schwärmerei ein. Der Autor aber, ich weiß nicht, ob es ihm bewußt war beim Schreiben, verniedlicht das, was Sarah Wagenknecht ganz wesentlich ausmacht: ihre intellektuelle Kraft und den Mut, sich Phänomenen anzunehmen, sie zu analysieren und zu ergründen, die andere konsequent ausblenden. Er benutzt Worte wie "Trotzköpfchenhaftigkeit" usw. Ein wenig liest sich dieser Arteikel als sei er frühmorgens direkt nach einem Traum von der "schönen Kommunistin" geschreiben. Diese Sarah Wagenknecht ist daher auch nicht viel mehr als eine einfache Projektionsfläche. Mit dem Selbstverständnis der Frau Wagenknecht hat das hier auf sie Projizierte sicherlich recht wenig zu tun.
Wenn man ganz streng sein wollte, könnte man diesen Artikel als frauenfeindlich bzw. sexistisch bezeichnen. Aber geschenkt. Er sit letztlich so grottenschlecht, daß man (und frau) eigentlich lediglich lachen kann über diese pubertäre Schwärmerei.
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