Siebeck Wurzeln sind die neue Delikatesse

Wolfram Siebeck kocht dieses Jahr zu Weihnachten ein Menü mit Karotten, Sellerie und Pastinake zur Ente – und verleiht dem Wurzelgemüse höchste Weihen

Wolfram Siebecks Weihnachtsmenü: Karottencreme mit Ingwer, Hechtklößchen mit Riesling-Safran-Sauce, Entenbraten mit Sellerie und Pastinakenpüree und zum Nachtisch Kernölparfait

Wolfram Siebecks Weihnachtsmenü: Karottencreme mit Ingwer, Hechtklößchen mit Riesling-Safran-Sauce, Entenbraten mit Sellerie und Pastinakenpüree und zum Nachtisch Kernölparfait

Weihnachten ist die Wurzel von allem – meinen zumindest die Christen. Und deshalb passt dieses Menü so besonders gut zum bevorstehenden Fest: Zum einen kommen dreierlei Wurzeln und Knollen in ihm vor (Karotten, Sellerie und Pastinake), weil man die jetzt mehr und mehr auf den Märkten sieht und immer neue Möglichkeiten kennenlernt, sie delikat zuzubereiten.

Zum anderen aber hat das Vorbild der Nazarener Kleinfamilie Schule gemacht. Auch bei uns werden die Familien immer kleiner, was es ratsam erscheinen lässt, den Weihnachtsbraten ebenfalls zu verkleinern. Und was ist kleiner als eine Gans? Klar: die Ente!

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Wir servieren also: erstens eine Karottencreme mit Ingwer, zweitens Hechtklößchen mit Riesling-Safran-Sauce, drittens Entenbraten mit Sellerie und Pastinakenpüree, viertens ein Kernölparfait. Doch wie Sie wahrscheinlich ahnen, kochen wir die Dinge nicht in dieser Reihenfolge, sondern gehen so vor, dass am Weihnachtstag möglichst wenig Hektik in der Küche ausbricht. Wir beginnen mit den Vorbereitungen also schon am Vortag.

1. Gang

Karottencreme mit Ingwer

1 Schalotte
1 pflaumengroßes Stück Ingwer
20 g Butter zum Andünsten
500 g Karotten
½–1 EL Zucker
¾ l Hühnerbrühe oder Fleischbrühe
100 g Crème fraîche
100 g Sahne
2 TL Tomatenmark
1 TL Curry
Salz, weißer Pfeffer

Die Schalotte und den Ingwer schälen und möglichst klein schneiden. Butter in einer Kasserolle heiß werden lassen, Schalotten- und Ingwerwürfel darin für 10–15 Minuten leise anschwitzen (nicht bräunen). Karotten waschen, schälen und in Scheiben schneiden. In die Kasserolle geben, etwas mitdünsten, Zucker einstreuen, mit ungefähr zwei Dritteln der Brühe auffüllen, salzen und in 10–15 Minuten weich köcheln. Dann alles mit dem Mixstab pürieren und das Karottenpüree auf die richtige Konsistenz prüfen. Ist es zu dicklich, noch Brühe nachgießen. Sahne und Crème fraîche zugeben und etwas einkochen lassen. Mit Tomatenmark, Curry, weißem Pfeffer und Salz abschmecken. Mit dem Mixstab etwas aufschäumen und sofort servieren

2. Gang

Hechtklößchen mit Riesling-Safran-Sauce

Fischsud:
ca. 600 g Fischabschnitte (Haut, Gräten, Kopf)
100 g Zwiebeln, 100 g Sellerieknolle
100 g Lauch, 3 Champignons
Lorbeer, Nelke, weißer Pfeffer
¾ l Wasser
⅜ l trockener Weißwein

Gemüse und Pilze putzen und klein schneiden, alle Zutaten zusammen aufkochen, 20 Minuten ziehen lassen, durchseihen

Hechtklößchen:

800 g Fischfilets
3 Eier, ½ l Sahne
Salz, Pfeffer, Fischsud

Filets auf Gräten untersuchen und in Würfel schneiden, dann noch einmal sehr gut kühlen, mit den gekühlten Eiern, sehr kalter Sahne und den Gewürzen in der Küchenmaschine verquirlen, bis sich eine homogene Masse bildet. Durch ein Sieb streichen und bis zu 24 Stunden lang kalt stellen. Mit 2 Löffeln Nocken abstechen und im heißen Fischsud bei 80 °C gar ziehen lassen

Riesling-Safran-Sauce:

Fischsud
1 Glas Riesling
Sahne, Safran
2 Eigelb

Fischsud stark einkochen und abkühlen lassen. Mit Wein und Eigelb über Dampf aufschlagen, mit Safran würzen, Sahne zufügen und abschmecken. Nicht mehr kochen lassen!

3. Gang

Entenbraten mit Selleriegemüse und Pastinakenpüree

Entenbraten:

2 Enten
Pfeffer, Salz, Chili-Öl

Banyuls, Piment, Koriander Sichuanpfeffer, Tabasco Limonensaft, Zimt, Curry Kardamom, Balsamico

Enten mit Salz und Pfeffer einreiben, in eine Bratenform legen, mit Chili-Öl übergießen, von allen Seiten leicht anbraten und für ca. 40 Minuten ins 200 °C heiße Rohr schieben. Ente aus dem Bräter nehmen, Keulen abschneiden, um den Garzustand zu prüfen, eventuell im Bräter weitergaren lassen. Bruststücke von der Karkasse schneiden und warm stellen, dann den Bratensaft entfetten und mit Süßwein und den anderen Gewürzen nach Belieben verfeinern

Selleriegemüse:

1 große Sellerieknolle
Chili-Öl, Weißwein
Zitronensaft, Salz etwas Butter

Sellerie schälen, halbieren und in Stücke schneiden, in Chili-Öl anbraten, mit Weißwein ablöschen, Salz und Zitronensaft beifügen und nicht zu weich dünsten. Zuletzt etwas Butter unterrühren und abschmecken

Pastinakenpüree:

2 bis 3 Pastinaken
1 weiße Zwiebel
etwas Butter, Bouillon Pfeffer, Salz andere Gewürze nach Belieben

Pastinaken schälen und würfeln. Die gehackte Zwiebel kurz in Butter anschwitzen, dann Pastinakenstücke dazugeben und mit etwas Bouillon weich dünsten. Pürieren und durch ein Sieb streichen, kräftig abschmecken

4. Gang

Kernölparfait

140 g Zucker
Vanillezucker
4 Eigelb
2 bis 4 cl Kürbiskernöl
½ l Schlagsahne
evtl. Kumquats zum Garnieren

Zucker, Vanillezucker und Eigelb über Dampf aufschlagen, mit Kürbiskernöl vermischen, steif geschlagene Sahne unterheben. In eine Kastenform füllen, gefrieren lassen. Vor dem Servieren stürzen und in Scheiben schneiden. Mit Kürbiskernen, Kürbiskernöl oder mit Kumquats garnieren

Um Fischklöße herzustellen, verwendet man traditionellerweise einen Hecht. Weil sein Fleisch in dieser Form besonders gut schmeckt, sagen die einen. Die anderen sehen es nüchterner: Der Hecht hat furchtbare Gräten. Nur wenn er püriert ist, muss die ängstliche Familie die bedrohlichen Widerhaken nicht mehr fürchten. Natürlich kann man statt des sehr seltenen Hechts auch einen Zander verarbeiten. In jedem Fall aber sollte man mit etwa einem Drittel Abfall rechnen. Also kaufen wir pro Portion etwa 350 Gramm Fisch, einschließlich Kopf und Haut, um 200 Gramm Filet zu erhalten.

Wobei "Abfall" – wie die Profiköche unter meinen Freunden nicht müde werden zu betonen – natürlich die falsche Vokabel ist, denn aus den "Abschnitten", die beim Filetieren übrig bleiben, bereite ich – am Vortag des Festes – einen Fischsud.

Ich koche also die üblichen Gemüse mit Gewürzen und den Fischabschnitten in Weißwein und Wasser auf, lasse alles gründlich durchziehen, seihe ab und stelle den Sud nach dem Erkalten in den Kühlschrank.

Leser-Kommentare
  1. Hauptsache genug Fleisch, genug Elend, welches durch Fleisch aus der massentierhaltung gefördert werden kann.W eihnachtszeit ist Fleischzeit..ach eigentlich ist jede Zeit Fleischzeit...

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    Es gibt in diesem Menü Fisch und Ente, aber keinerlei Fleisch. Soviel Genauigkeit muss sein.

    • luccas
    • 06.12.2009 um 19:58 Uhr

    "Hauptsache genug Fleisch..."

    Warum nicht.
    Die Alternativen sind dünn gesäht.

    "...genug Elend, welches durch Fleisch aus der massentierhaltung gefördert werden kann..."

    Nicht jedes Stück Fleisch hockt in einem Käfig.

    So langsam sollte es sich auch in Vegfetarierkreisen mal rumsprechen, dass Fleisch nicht immer aus Massentierhaltung stammt.
    Sollte nicht jeder nach seiner Facon glücklich werden dürfen? ich mache ja auch keinem Vegi vorhaltungen, dass sein ganzes Gemüse aus überdüngtem und mit Pestiziden verseuchten Boden stammt.
    ---
    @ Herr Siebeck: Eier in der Farce ist nur wenig schlimmer als Mehl... Hecht und Zander brauchen keine Eier zur Bindung!
    zur Sauce: erst einkochen, und danach montieren, umgekehrt geht die Sache in die Hose.

    Es gibt in diesem Menü Fisch und Ente, aber keinerlei Fleisch. Soviel Genauigkeit muss sein.

    • luccas
    • 06.12.2009 um 19:58 Uhr

    "Hauptsache genug Fleisch..."

    Warum nicht.
    Die Alternativen sind dünn gesäht.

    "...genug Elend, welches durch Fleisch aus der massentierhaltung gefördert werden kann..."

    Nicht jedes Stück Fleisch hockt in einem Käfig.

    So langsam sollte es sich auch in Vegfetarierkreisen mal rumsprechen, dass Fleisch nicht immer aus Massentierhaltung stammt.
    Sollte nicht jeder nach seiner Facon glücklich werden dürfen? ich mache ja auch keinem Vegi vorhaltungen, dass sein ganzes Gemüse aus überdüngtem und mit Pestiziden verseuchten Boden stammt.
    ---
    @ Herr Siebeck: Eier in der Farce ist nur wenig schlimmer als Mehl... Hecht und Zander brauchen keine Eier zur Bindung!
    zur Sauce: erst einkochen, und danach montieren, umgekehrt geht die Sache in die Hose.

    • A.S.
    • 01.12.2009 um 1:21 Uhr

    Heiligabend Würschtl mit Kartoffelsalat, weil die Hausfrau mit dem Baum beschäftigt ist.
    Am ersten Feiertag a Gans mit Kartoffelknödeln und Blaukraut.
    Bei kleineren Familien macht ma halt a kleinere Gans und nimmt weniger Blaukraut.
    Diese ganzen Vorsuppen und Nachspeisen haben doch nur den Grund, dass das eigentliche Essen zu wenig war. Das ist ja heutzutage nicht mehr nötig.
    Also lieber reichlich von dem Weihnachtsschmaus, die ganzen andern Schmankerln können wir ja an andern Tagen genießen.

  2. Es gibt in diesem Menü Fisch und Ente, aber keinerlei Fleisch. Soviel Genauigkeit muss sein.

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    • Chavah
    • 06.12.2009 um 13:30 Uhr

    Siebeck kocht wohl toll, leider für die bei uns lebenden Juden nicht nachkochbar. Wie wärs, wenn man ab und zu mal Alternativen reinbringt, eben für diese Gruppe? Denn nicht nur Schweinefleisch geht nicht, sondern auch Milchprodukte zum Fleisch z.B., Krabben, Fisch ohne Schuppen geht auch nicht. u.s.w.

    Danke

    Chavah

    • Chavah
    • 06.12.2009 um 13:30 Uhr

    Siebeck kocht wohl toll, leider für die bei uns lebenden Juden nicht nachkochbar. Wie wärs, wenn man ab und zu mal Alternativen reinbringt, eben für diese Gruppe? Denn nicht nur Schweinefleisch geht nicht, sondern auch Milchprodukte zum Fleisch z.B., Krabben, Fisch ohne Schuppen geht auch nicht. u.s.w.

    Danke

    Chavah

    • Chavah
    • 06.12.2009 um 13:30 Uhr

    Siebeck kocht wohl toll, leider für die bei uns lebenden Juden nicht nachkochbar. Wie wärs, wenn man ab und zu mal Alternativen reinbringt, eben für diese Gruppe? Denn nicht nur Schweinefleisch geht nicht, sondern auch Milchprodukte zum Fleisch z.B., Krabben, Fisch ohne Schuppen geht auch nicht. u.s.w.

    Danke

    Chavah

    • luccas
    • 06.12.2009 um 19:58 Uhr

    "Hauptsache genug Fleisch..."

    Warum nicht.
    Die Alternativen sind dünn gesäht.

    "...genug Elend, welches durch Fleisch aus der massentierhaltung gefördert werden kann..."

    Nicht jedes Stück Fleisch hockt in einem Käfig.

  3. So langsam sollte es sich auch in Vegfetarierkreisen mal rumsprechen, dass Fleisch nicht immer aus Massentierhaltung stammt.
    Sollte nicht jeder nach seiner Facon glücklich werden dürfen? ich mache ja auch keinem Vegi vorhaltungen, dass sein ganzes Gemüse aus überdüngtem und mit Pestiziden verseuchten Boden stammt.
    ---
    @ Herr Siebeck: Eier in der Farce ist nur wenig schlimmer als Mehl... Hecht und Zander brauchen keine Eier zur Bindung!
    zur Sauce: erst einkochen, und danach montieren, umgekehrt geht die Sache in die Hose.

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