Wintersport Platz da!Seite 2/2
Der Wandel des Schlittens vom Nutzfahrzeug zum Sport- und Spaßgerät scheint in der Schweiz begonnen zu haben. Wahrscheinlich sind die englischen Wintertouristen dafür verantwortlich, die Ende des 19. Jahrhunderts den Reiz des Rodelns entdeckten. 1883 fand in Davos das erste offizielle Schlittenrennen statt.
Grundlage für den Spaß ist natürlich ein robuster Schlitten. Dazu gehören »formstabile« Kufen. Früher wurde das Holz im Dampfbad erhitzt und eingeweicht, bis es sich in die endgültige Form biegen ließ. Heute wird meistens »schichtverleimt«: dünne Holzschichten werden miteinander verklebt und gleichzeitig gekrümmt. Im Übrigen aber fertigt Glogger seine Produkte auf traditionelle Art: Bei ihm werden die Zapfverbindungen in guter Handwerkertradition präzise zugeschnitten und nicht verleimt, sondern nur verschraubt. So bleibt der Schlitten in sich flexibel. Er ist nicht so starr wie andere und besser zu steuern. Was das bringt, erkennt man am besten, wenn man die Schlitten für die Sportrodler ansieht. Kufen und Aufbau sind beweglich verbunden; der komplette Rodel verzieht sich wie eine windschiefe Hütte, wenn der Sportler sein Gewicht verlagert. Die extrabreiten, stählernen Kufenbeläge schneiden sich in den Schnee wie ein Ski – und man kommt ohne Sturz um die Kurve (was aber vieles vom Spaß verdirbt).
Leider macht der Nostalgietrend in den Alpen und hoch gelegenen Mittelgebirgsregionen die warmen Winter nicht wett. Das Schlittengeschäft ist knochenhart geworden. Von den einstmals 17 bedeutenden Herstellern in Deutschland sind vier übrig geblieben, und von denen ist einer seit 2008 insolvent. Auch hinter Gloco liegen schwere Zeiten. 1979 stellte der Betrieb mit 50 Mitarbeitern noch 150000 Schlitten her. Kürzlich, nach ein paar milden Wintern in Folge, musste Glogger seinen Laden schließen. Er entließ alle Mitarbeiter und legte eine Pause ein. Jetzt kurbelt er vorsichtig die Produktion wieder an. Er hat einen Trend entdeckt, von dem er profitieren möchte: Die Leute sind bereit, für Qualität mehr Geld auszugeben. Deshalb stellt Glogger demnächst nur noch Schlitten aus edlem Eschenholz her. Bis jetzt aber sieht der typische Großauftrag eher so aus: Möglichst umgehend 1000 Stück. Fünf Zentimeter lang, zu je 80 Cent. Es handelt sich um winzige Schlittenmodelle für die Werbung.
- Datum 27.11.2009 - 13:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.11.2009 Nr. 49
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och, wie gerät man da ins träumen und fühlt sich als fährt man selbst diesen Schlitten. Sehr schön formuliert! Holzschlitten kann man hier erwerben www.holzschlitten-shop.de, einfach mal rein schauen.
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