Wer übernimmt die Schulden?
Es gibt ja nicht nur die Immobilien in Dubai selbst, die stark an Wert verloren haben und die der Scheich derzeit besser nicht verkaufen sollte. Es gibt auch die Fluggesellschaft Emirates, den Aluminium-Giganten Dubal, den Hafen Dschabel Ali, es gibt Beteiligungen an den Börsen von London und New York, an der HSBC-Bank. Es gibt darüber hinaus Hotels und Bürohäuser in den besten Lagen von New York, London, Hongkong. Der Scheich ist keineswegs über Nacht verarmt. Er hat nur andere Prioritäten, als sofort alle Schulden zu bedienen und zu begleichen.
Seine Regierung will den Nakheel-Konzern radikal umzubauen. Sie will den Immobilienentwickler möglichst nicht durch weitere Quersubventionierung retten, sondern erinnert die Investoren an »ihre Verantwortung für ihre Entscheidung, den Unternehmen Geld zu leihen«. So schön dekorierte der Finanzminister Abdulrahman al-Saleh die Absicht der Regierung, die Schulden nicht zu übernehmen. Ein Beobachter in Dubai vermutet, man wolle die lädierte Nakheel »an die Wand fahren lassen« und von den lukrativen Geschäften der Staatsholding trennen.
Dazu gehört das Logistikunternehmen Dubai World Ports, das auch in diesem Krisenjahr Gewinne macht. Dazu zählt vor allem der neue Flughafen in Dubai, ein Drehkreuz für Afrika, Asien und Europa, das 120 Millionen Passagiere im Jahr abfertigen soll. Dazu zählt auch der Tiefseehafen Dschabel Ali, der wie der Großflughafen in der Freihandelszone Dubai Logistics City liegen soll. Hier und nicht in Luxusapartments mit Golfblick liegt die Zukunft von Dubai – das will der Scheich retten.
Allein schafft er es nicht. Wer hilft ihm dabei? Alle schauen auf den nahen Nachbarn und die eigentliche Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate: Abu Dhabi. Hier ist ADIA, der reichste Staatsfonds der Welt, beheimatet. Hier wohnen die Miteigentümer der Daimler AG und der Citigroup in New York.
Auch Abu Dhabis Staatsfonds haben in der Krise gelitten, aber auf hohem Niveau. Ihr Geldzufluss beruht nicht auf Miet- und Pachtzinsen, sie schwimmen auf Öl. Abu Dhabi hat größere Erdölreserven als Russland und nur etwas geringere als Iran. Der Herrscher, Scheich Khalifa bin Sajid al-Nachjan, hat bereits Kredite in Höhe von 20 Milliarden Dollar ans Nachbaremirat gegeben. Es hätte auch mehr Geld sein können. Doch hielt sich der Scheich in den Tagen des Sturms über Dubai vornehm zurück. Warum hat er dessen Entblößung zugelassen?
Am Golf kursieren zwei Erklärungen: Zunächst einmal hat Dubai Schulden aufgehäuft, die niemand gern übernimmt. Eckart Wörtz vom renommierten Gulf Research Center meint, dass Abu Dhabi nicht unnötig Geld in ein tiefes Loch werfen wolle. Man denke sich: »Warum sollen nicht die internationalen Investoren auch zahlen?« Der Schaden indes sei erheblich, warnt Wörtz, auch wenn außerhalb des Immobilienbereichs viele Unternehmen recht gut dastünden. Das zeigt der Einbruch an den Golfbörsen. Zum Zeichen seiner Solidarität hat Scheich al-Nachjan dem Herrscher von Dubai am Dienstag – spät, aber immerhin – zu dessen Krisenmanagement gratuliert. Diese Verbeugungen und Liebenswürdigkeiten verdecken den harten Machtkampf der beiden Scheichs.
Viele Jahre schon hatte das Glitzeremirat Dubai der Hauptstadt Abu Dhabi Schau und Schneid gestohlen. Nicht nur die schicksten Hochhäuser wuchsen in Dubai empor, das Emirat betrieb auch eine eigene Außenpolitik. Im Krieg zwischen Irak und Iran in den achtziger Jahren stand Abu Dhabi zu Saddam Hussein, während Dubai es mit den Mullahs hielt. Erst 1996 hat Dubai seine Armee zögerlich in die Einheitsstreitkräfte der Emirate integrieren lassen. Dubais Straucheln ist nun Gelegenheit für Scheich al-Nachjan, mit den Extravaganzen Schluss zu machen. Seine Hilfe gegen Aufgabe der Unabhängigkeit Dubais – so kann der Deal nun lauten. Die Konföderation der Emirate würde in der Krise zum stärker zentralisierten Staat.
Über derlei Absichten schweigen sich die Scheichs natürlich aus. Den Investoren gegenüber wollen sie künftig etwas mehr Klarsicht walten lassen. Dubai World verspricht, es wolle »eine Politik der regelmäßigen Kommunikation« einführen, um die Kreditgeber laufend über »den Prozess der Restrukturierung« zu informieren. Dass die Zeit der Kilometertürme und Palmeninseln mit Zwölfzylinder-Highways vorbei ist, deutet die Hauptmeldung der Gulf News vom Wochenbeginn an: Dubai will jetzt Fahrradwege bauen.
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- Datum 04.12.2009 - 18:05 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.12.2009 Nr. 50
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Wie weit kann Fehlinformation noch gehen? Dubai war einer der zahlreichen, Kleinstprovinzen des Osmansichen Reiches und das seit über 400 Jahren. Das vertragen die vornehmen, "Adligen" nicht und verfälschen ihre Herkunft.
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