Wien, 22. Oktober 1961

Sehr geehrter Herr Dr. Unseld,
vor ein paar Tagen habe ich an Ihren Verlag ein Prosamanuskript geschickt. Damit wollte ich mit dem Suhrkamp-Verlag in Verbindung treten. Ich besitze einige Bücher aus Ihrer Produktion und sie gehören zum Besten aus der neueren Zeit. Das ist es auch, was mich veranlasst hat, gewisse andere Verbindungen, die ich eingegangen bin, zu vernachlässigen. Vielleicht lässt sich ein Gespräch mit Ihnen arrangieren: ich komme Ende November durch Frankfurt. Ich kenne Sie nicht, nur ein paar Leute, die Sie kennen. Aber ich gehe den Alleingang.

Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebener
Thomas Bernhard.

Wien, 18.5.67

Lieber Dr. Unseld,
in meinem Safe, der gar kein imaginärer ist, ist als Wichtigstes das Vertrauen meines Verlegers zu mir aufbewahrt, ein wunderbarer selbstverständlicher Schatz. Ich finde, die Kritiker, ob dumm oder nicht, haben sich von meinem Buch aufregen lassen, das ist der Sinn eines solchen Buches. Wie Sie ja wahrscheinlich, sicher wissen, gibt es ja überhaupt nur dumme, darunter aber verheerend ganz dumme Kritiker. Ich weiss das und die Kost verdirbt mir nicht den Magen, wichtig ist nur, wie und in welchem Rahmen die Kritikerdummheit aufgetragen wird, das Besprechungsmenu, das auf eine Veröffentlichung folgt. (...) Sie haben einen Autor, der nicht dumm ist und sich nicht irritieren lässt.

Sehr herzlich
Ihr
Thomas Bernhard

Ohlsdorf, 14.11.67

Lieber Herr Dr. Unseld,
(...) Manchmal habe ich in letzter Zeit gezweifelt, ob ich denn doch einen Verleger habe, denn es schien mir, als kümmerte sich gar keiner um mich. Dann aber habe ich gedacht, was denn ein wirklich guter Verleger eigentlich ist, und zwar heute ist, wie schaut er aus, und dann bin ich, möglicherweise sogar gegen meinen Willen, auf Sie gekommen. Sie blieben übrig, sonst niemand. Ein Autor ist etwas ganz und gar erbärmliches und lächerliches und so betrachtet ist es ein Verleger auch. Aber ein Verleger ist letztenendes noch mehr mit dem Teufel im Bunde ein grösserer Anonymus und dadurch von nicht ganz einer solchen zierlichen Lächerlichkeit wie der Autor, der ganz und gar zierlich ist. Nichts ist wirklich unheimlich – und also ist es weder irgendein Autor noch irgendein Verleger.

Wenn ich es ehrlich bedenke, so sind meine Erzeugnisse unter Ihren Verlagszeichen doch am besten. Ich habe meinen und Sie haben Ihren Stolz und beide sind wir angewiesen auf ein Poetisches in der Natur, in welcher wir leben, abwechselnd leben und existieren, und von dem wir beide nicht wissen, was es ist. Ich empfinde mich durchaus glücklich und arbeite gut.

Sehr herzlich Ihr
Thomas Bernhard