Mehr Freiraum lassen für die Allgemeinbildung

Wie es jetzt läuft: Nichts gegen Spezialbachelorprogramme à la »Gesundheitsmanagement im Tourismus« oder »Recht mit seinen internationalen Bezügen zu Technik, Politik und Wissenschaft«, doch einige sind so sehr nach den Vorlieben ihrer Professoren gestrickt, dass für Wahlfreiheit und allgemeinbildende Anteile kein Platz bleibt. Die Stundenpläne sind bis zum letzten Semester durchgeplant, durch das Pauken von Detailwissen leidet die Neugier. Allerdings ist das Problem akademischer Enge nicht neu, auch vor der Reform haben etwa Mediävisten selten etwas über Statistik gelernt.

Was sich ändern muss: Gute Bachelorprogramme vermitteln nicht nur Detailwissen, sondern verbessern die Allgemeinbildung. Sie geben den Studenten die Möglichkeit, zumindest einen Teil der Veranstaltungen nach ihren Interessen auszusuchen und so selbst ihre Schwerpunkte zu finden.

Wo es heute schon anders gemacht wird: An der Leuphana Universität Lüneburg durchlaufen alle Studienanfänger ein gemeinsames erstes Semester. Darin lernen sie die Inhalte und Methoden verschiedener Fächer kennen und setzen sich mit wissenschaftsethischen Fragen auseinander. Erst im zweiten Semester starten sie ihr Fachstudium, wobei sie immer auch ein Nebenfach belegen und ein Sechstel ihrer Studienzeit aus fachfremden Kursen wählen können. Ähnliche Modelle gibt es unter anderem an der privaten Zeppelin University, dazu kommen komplette Studium-generale-Bachelor wie am European College for Liberal Arts (siehe Interview).

Das Studium im Ausland leichter machen

Wie es jetzt läuft: Es war ein Kernversprechen von Bologna: Durch die Umstellung auf international vergleichbare Abschlüsse sollte der Wechsel ins Ausland und zurück unkomplizierter werden. Zwar haben Bachelor und Master – anders als vielfach behauptet – die Mobilität deutscher Studenten nicht verringert, trotzdem müssen sich die Reformer vorhalten lassen, dass sich ihre Verheißung nicht erfüllt hat: Die vollgepackten Programme lassen kaum Zeit für einen Auslandsaufenthalt, und viele Professoren weigern sich hartnäckig, an ausländischen Hochschulen besuchte Veranstaltungen als gleichwertig anzuerkennen.

Was sich ändern muss: Werden die Studiengänge insgesamt entstaucht (siehe auch Punkt zur Arbeitsbelastung), können automatisch mehr Studenten auf Reisen gehen. Ebenso wichtig ist, dass Hochschulen und Professoren sich von ihrer kleinkarierten Anerkennungspraxis verabschieden. Umgekehrt sollten aber auch mehr Studenten bereit sein, auf die einmalige Auslandserfahrung nicht nur deshalb zu verzichten, weil sie ein oder zwei Seminare nicht anerkannt bekommen. Vor Bologna war das ja auch nicht anders.

Wo es heute schon anders gemacht wird: Die Forstwirtschaftler der Uni Freiburg haben in ihrem Bachelorstudiengang das fünfte Semester für den Gang ins Ausland freigeschaufelt. Zum einen stehen weniger Wahlpflichtkurse oder Projektarbeiten an – und die sind so gefasst, dass sie sehr unkompliziert im Ausland absolviert werden können. Zum anderen heißt das: Auch für die Daheimgebliebenen gibt es weniger Veranstaltungen. An vielen Hochschulen ist es außerdem üblich, möglichst viele feste Partnerschaften mit Universitäten im Ausland einzugehen, die eine automatische Anerkennung sichern.