Studienreform Baustelle BolognaSeite 3/3

Den Zugang zum Master transparent regeln

Wie es jetzt läuft: Die protestierenden Studenten fordern einen offenen Masterzugang. Auch wenn es die kritisierten Quoten formal fast nirgendwo gibt, ist die Verunsicherung verständlich: Häufig werden die neuen Masterstudiengänge erst im letzten Moment eingerichtet, die Zugangsvoraussetzungen für Bachelorabsolventen bleiben allzu lange unklar.

Was sich ändern muss: Die Hochschulen müssen ihren Bachelorstudenten von Anfang an sagen, welche Mindestnote sie für den Master voraussetzen. Die Note darf nicht von Semester zu Semester geändert werden, um doch eine faktische Quotierung zu betreiben. Es muss deutlich werden, dass für jeden Studenten unabhängig, von der aktuellen Bewerberzahl, ein Platz da ist, solange der individuelle Studienerfolg wahrscheinlich erscheint.

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Wo es heute schon anders gemacht wird: Die RWTH Aachen hat neuerdings die Devise ausgegeben, dass sie alle ihre Bachelorstudenten im Master wiedersehen will. Die Zugangsnoten bleiben langfristig stabil. Wer sie reißt, für den soll es »wohlwollende Einzelfallprüfungen« geben. Auch andere Hochschulen begreifen: Eine solche Zusicherung kostet sie nichts, schafft aber das nötige Vertrauen.

Studenten und Professoren an der Reform beteiligen

Wie es jetzt läuft: Die Bologna-Krise ist auch eine Imagekrise. Tatsächlich stehen fast jedem miesen Studiengang pfiffige Modelle anderswo gegenüber, und die beruflichen Erfolge der Absolventen können sich sehen lassen. Laut dem repräsentativen Studierendensurvey sind die Studenten so zufrieden wie nie zuvor. Warum all das kaum noch einer glaubt? Weil die Reform bislang zu sehr von oben gemacht wurde. Dadurch haben sich viele Studenten und Professoren als ohnmächtige Opfer eines bürokratischen Monstrums gesehen, von dem sie nichts Positives erwarten.

Was sich ändern muss: Die Wissenschaftsminister haben versprochen, die Unis nicht mehr mit unsinnigen Bologna-Detailvorschriften zu knebeln. Umgekehrt müssen die Rektoren den Hörsaalbesetzern signalisieren, dass sie ihre Forderungen ernst nehmen. Bei den anstehenden Neujustierungen müssen sie den Professoren möglichst freie Hand lassen, die wiederum ihre Studenten an den Tisch holen.

Wo es heute schon anders gemacht wird: Die Unis in Nordrhein-Westfalen wollen die Studierbarkeit ihrer Programme gemäß den Beschwerden der Streikenden überprüfen. In Potsdam sollen die Studenten gleichberechtigt an der Studiengangsplanung mitwirken. Wie es anderswo längst funktioniert, zeigt ein Beispiel aus Hildesheim: Die dortige Fachschaft für Psychologie hat unter den Studenten Vorschläge gesammelt, wie die Flut von Referaten beendet werden kann. Die Professoren hörten zu – und sprechen sich seither ab: Will der eine Vorträge, ist der andere mit Essays zufrieden. Und die Studenten sind es auch.

Mindestens 15 Prozent mehr Geld für die Hochschulen

Wie es jetzt läuft: Wenn die Rektoren sich für die Bologna-Probleme rechtfertigen sollen, zeigen sie gern mit spitzem Finger auf ihre Finanzminister: Die hätten ihnen das zusätzliche Geld vorenthalten, das eine so grundsätzliche Neuausrichtung zwangsläufig koste – in der Hoffnung, über den Bachelor lasse sich ein Sparstudium etablieren.

Was sich ändern muss: Tatsächlich haben Experten errechnet, dass eine vernünftige Bologna-Umsetzung etwa 15 Prozent teurer wäre als der Status quo: Damit die Reform funktioniere, müssten Beratung und Betreuung der Studenten verbessert werden. Verteilt würde das Geld am besten, indem die Politik niedrige Abbrecherquoten an den Hochschulen belohnt.

Wo es heute schon anders gemacht wird: Die Schweiz hat einen besonderen Finanzausgleich geschaffen: Jedes Kanton zahlt für seine Abiturienten – egal, wo sie studieren. Das Prinzip »Geld folgt Studierenden« nimmt den Druck von den Unis, einen Studentenansturm allein bewältigen zu müssen.

 
Leser-Kommentare
  1. Schön, dass sich die ZEIT mal die Mühe gemacht hat, die Diskussion zu versachlichen und etwas die Hysterie aus der ganzen Sache nimmt.

    Lösungsansätze sind sicher sinnvoller als besetzte Unis.

    • pirad
    • 03.12.2009 um 11:26 Uhr

    Die Probleme sind nicht nur Hausgemacht. Ein LP soll 30 h Arbeit entsprechen. Ein Semester soll 30 LP bringen, macht 60 LP pro Jahr. Nun ist es allerdings so, dass man in manchen Fächern viel in der Vorlesungsfreien Zeit machen muss und kann, und in anderen Fächern nicht. In der Mathematik kann man keine Hausarbeiten schreiben und Blockveranstaltungen will auch kein Prof anbieten, denn er muss ja auch irgendwann forschen... Ist ja auch egal warum jedenfalls gibt es Fächer in denen außerhalb der Vorlesungszeit nicht viel passieren kann.
    Das macht 60LP*30h/LP=1800 Stunden im Jahr. Und diese 180 Stunden müssen zwangsweise auf 2*15 Vorlesungswochen 2*3 Prüfungswochen =36 Wochen aufgeteilt werden. dies macht eine Arbeitsbelastung von 1800/36=50 h/Woche. Dies ist nicht leistbar, aber in der Bolognareform so festgelegt.

  2. ich vermisse die senkung oder abschaffung der studiengebühren oder zumindest ein vernünftiges finanzierungsverfahren durch kredite (studienkredite sind nämlich anders als versprochen unter aller sau, kompliziert und teuer, und die rückzahlungsmodalitäten gehen leider auch gar nicht) oder eben elternunabhängiges bafög (sowohl für kinder reicher als auch armer eltern).

    erwähnenswert wäre vielleicht auch noch, dass man im studium nicht alle klausuren in einer woche schreiben lässt. das ging vielleicht in der schule, aber der lernaufwand an der uni ist ungleich höher.

    der zugang zum master sollte übrigens schon etwas gelockert werden. zugang ab einer 3,0 fänd ich ok. man studiert doch nicht 3 oder 4 jahre um dann gesagt zu bekommen ... ab hier gehts für dich nicht weiter. oder/und man sollte den zugang gar nich pauschalisieren. es sollte auch einschreibunsfreie master geben, wie bei beginn des bachelors (z.b. medizin 1,5, archäologie frei, chemie 2,5, linguistik frei, etc.)

    • PGMN
    • 03.12.2009 um 15:53 Uhr

    sollte man sich einmal vergegenwärtigen, was ein nicht erreichen derselben für den Einzelnen bedeutet:
    Nehmen wir an, es gäbe einen "NC" von 2,4 für die Zulassung zum Masterstudium. Fast jeder Student, der diesen Schnitt im Bachelor erreicht, wird sich wohl im Masterstudium einschreiben. Ein Student, der dies nicht schafft, steht also nicht nur ohne Master sondern auch noch mit einem nur mittelmäßigen Bachelor auf der Straße. Eine Arbeitsstelle wird er ob wohl vielfach vorhandener Masterabsolventen nicht oder nur sehr schwer bekommen und hat somit mehrere Jahre seines Lebens schlichtweg vergeudet. Dies wiegt umso schwerer, da er keine zweite Chance bekommt. Effektiv ist der Bachelor ein völlig unnötiger Abschluss und lässt nur den Blick auf das eigentliche Ziel, der Kostenersparnis im Bildungswesen, frei.

  3. nirgendwo wird die uni Magdeburg erwähnt, welche im Studiengang KWL bereits alles vereint : Bachelorstudiengang über 8 Semester mit integriertem Praktikums- sowie Auslandssemester, einer Zwischenprüfung, mehr Hausarbeiten und Essays als Prüfungen und der Möglichkeit in jedem Semester jede Fachfremde Vorlesung zu besuchen und sich, soweit man den Zusammenhang zu KWL erläutern kann, sogar anrechnen zu lassen. Ich studiere jetzt gerade KWL und konnte daher die Proteste bis jetzt nicht verstehen. So wie dieser Studiengang sollten alle sein.

  4. Eine ganz toller Idee: Wir belohnen jetzt niedrige Abbrecherquoten mit Geld. Dann senken wir das Niveau, bis auch jeder es schaffen kann und bekommen auch noch Geld dafür. Es müssen ja möglichst viele Absolventen her, ganz gleich, ob sie am Ende etwas gelernt haben oder nicht. Ich bilde angehende Mathematiker aus und es reicht dann, wenn die eine quadratische Gleichung lösen können. Wir wollen ja mit den Anforderungen nicht übertreiben.

    Man kann sicher viel an den Bachelor-und Masterstudiengängen verbessern, aber die Kommentare der Zeit waren bisher selten hilfreich. Das ist mal wieder so ein Beispiel für einen wenig durchdachten Vorschlag.

    Prof. Dr. Maik Kschischo

  5. Ich begreife nicht so ganz, wie ernsthaft folgendes behauptet werden kann. Zitat:
    "Wie es jetzt läuft: Es war ein Kernversprechen von Bologna: Durch die Umstellung auf international vergleichbare Abschlüsse sollte der Wechsel ins Ausland [...] unkomplizierter werden. Zwar haben Bachelor und Master – anders als vielfach behauptet – die Mobilität deutscher Studenten nicht verringert, trotzdem müssen sich die Reformer vorhalten lassen, dass sich ihre Verheißung nicht erfüllt hat:
    Die vollgepackten Programme lassen kaum Zeit für einen Auslandsaufenthalt, und viele Professoren weigern sich hartnäckig, an ausländischen Hochschulen besuchte Veranstaltungen als gleichwertig anzuerkennen."

    Hier stutze ich, hat sich die Mobilität - was ja ein Kernversprechen war - nun verbessert oder nicht? Schlechter ist sie nicht geworden BEHAUPTET die ZEIT aber besser auch nicht, steht im selben Abschnitt. Und selbstredend sind NUR die Professoren daran schuld und ihre Eitelkeit, denn sonst, ja sonst wäre diese 'durchdachte' Reform die beste der Welt. Aber keine Sorge die Lösung des Problemes der nichtveringerten veringerten Mobilität folgt ja auf den Fuß!
    Zitat:
    "Was sich ändern muss: Werden die Studiengänge insgesamt entstaucht (siehe auch Punkt zur Arbeitsbelastung), können automatisch mehr Studenten auf Reisen gehen."
    Ich übersetze mal frei "Senken wir doch einfach das Niveau noch weiter, dann erreichen wir vielleicht soger mit diesem System wieder die alte (nicht verringerte)Mobilität.
    lol

    • Tala00
    • 15.01.2010 um 16:35 Uhr

    Ich kann nicht ganz glauben, dass dieser Artikel ernst gemeint ist!
    1) Allgemeinbildung sollte man sich in der Schule aneignen. Das Studium ist ja wohl zur Spezialisierung gedacht? Und wenn man damit im 1. Semester anfängt, statt alle Studenten in einen "Studienvorbereitungskurs" zu schicken, hat man dafür auch mehr Zeit! Und dafür dass ich mich mit Interessen beschäftige, die mit meinem Studium nichts zu tun haben, muss ja wohl nicht der Steuerzahler aufkommen. Demnächst soll dann auch noch der Arbeitgebern seinen Mitarbeitern Freizeitprogramme finanzieren?
    2) Der Gang ins Ausland IST einfach geworden. Vielleicht nicht während des Bachelor Studienganges, aber niemand hindert einen daran, seinen Master dann im Ausland zu absolvieren. Und das Anrechnen ist einfach schwierig, nachdem Studiengänge nunmal an jeder Uni anders sind.
    3) Dass ich eine gewisse Abschlussnote erreichen muss, um mich für einen Master zu bewerben, ist ja wohl nur verständlich. Der Master ist eine Zusatzqualifikation. Und er soll eine gewisse Aussagekraft haben. Bzw. die Alternative wäre, einfach beim Zugang zum Bachelor schon mehr auszusieben. Aber eigentlich würde es reichen wenn man in Deutschland Bachelor und Master akzeptieren würde statt ewig den alten Abschlüssen nachzuweinen. Dass man nur mit Master Jobaussichten hat stimmt nämlich nicht.

    Dass an den Studienbedingungen in Deutschland einiges ändern muss, steht auf einem anderen Blatt, aber so wie der Artikel das vorschlägt, nicht.

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