Lehrerausbildung Besserung in Sicht

Eine Bilanz nach zehn Jahren Reform der Lehrerbildung

Vor zehn Jahren legte eine Expertengruppe der Kultusministerkonferenz »Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland« vor. Was ist seitdem geschehen? Ewald Terhart, Erziehungswissenschaftler an der Universität Münster, der mit dem im Januar 2008 verstorbenen Hamburger Staatsrat Hermann Lange die Kommission leitete, blickt zurück:

Ende Oktober 1999 verabschiedete die Kultusministerkonferenz (KMK) eine Expertise zur Situation und Reform der Lehrerbildung und empfahl sie den Bundesländern als Rahmenvorgabe. Der Abschlussbericht erschien ein halbes Jahr später unter dem Titel Perspektiven der Lehrerbildung in Deutschland.

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Die Experten vertraten die Auffassung, dass die Grundstruktur der Lehrerbildung sachgerecht sei, ihre Möglichkeiten aber nicht ausgeschöpft würden und deshalb eine umfassende Reform des gesamten Prozesses der Lehrerbildung anstehe. Hierzu entwickelten sie Vorschläge, die von der ersten universitären Phase der Lehrerbildung über das Referendariat, die Berufseinstiegsphase, die berufliche Weiterbildung bis hin zu einer aufgabengerechten Laufbahngestaltung für den Lehrerberuf reichten. Es war ein Leitmotiv des Gutachtens, nicht länger alles von der Erstausbildung zu erwarten – und diese damit zu überlasten, sondern sehr viel stärker auf das ständige Weiterlernen im Beruf zu setzen.

Der Bericht bündelte damals die vielfältigen Veränderungsideen und wurde zu einem der zentralen Dokumente im weiteren Verlauf der Reform der Lehrerbildung. Der auf europäischer Ebene etwa gleichzeitig startende Bologna-Prozess, der – völlig unabhängig von der Lehrerbildung – die deutschen Universitäten überrollte, hat daran nichts geändert, denn auch hier stehen die Probleme und Besonderheiten der Lehrerbildung wieder auf der Tagesordnung.

Was hat sich seitdem in der Lehrerbildung getan? Welche Reformprozesse wurden angestoßen? Was hat sich umsetzen lassen – und was nicht? Welche neuen Ideen, Erkenntnisse und Einsichten sind aufgetreten?

In Fortsetzung und Ergänzung der Perspektiven hat die KMK im Jahr 2004 Standards für die bildungswissenschaftlichen Teile der Lehrerbildung in Universität und Vorbereitungsdienst verabschiedet; diese wurden später durch die Einigung hinsichtlich fachbezogener und fachdidaktischer Anforderungen in der Ausbildung ergänzt. Das bedeutet: Es ist klarer geworden, was angehende Lehrer am Ende der Ausbildung fachlich und pädagogisch wissen und können sollten.

An den Universitäten ist das Bewusstsein für die Bedeutung der Lehrerbildung gestiegen. Es wurden fast überall eigene Zentren dafür gegründet, Studienprogramme in den erziehungswissenschaftlichen Anteilen deutlicher auf das spätere Berufsfeld abgestimmt; die Situation der Fachdidaktiken schrittweise verbessert. Zwar gibt es weiterhin große Unterschiede zwischen den Universitäten, aber die Reformbewegung hat so viel Schwung gewonnen, dass jeder Universitätspräsident mit Vorzeigeprojekten dabei sein will.

Die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und Studienseminaren, die den berufspraktisch ausgerichteten Vorbereitungsdienst durchführen, hat begonnen; in den Studienseminaren sind Ausbildungspläne gestrafft worden; selbst organisiertes, schulnahes Lernen der Referendare kommt sehr allmählich und schrittweise stärker zum Zuge.

Leser-Kommentare
  1. Wenn gute Leistungen der Schüler und überhaupt Bildung Indikatoren für ordentliche Schulen und fähige Lehrer sind, dann war das noch in den 50ern, 60ern und frühen 70ern bei uns der Fall.

    All dies damals ohne jedwedes zwanghaft-hysterisches Verbesserungsdenken, wie man es bereits seit Jahren erleben muss - mit all den bekannten Folgen.

    Und danach!?

    Das sich an die 70er anschließende Dauerchaos an "Erneuerungen" im Bereich der Schule setzt sich bis heute fort. Die Größe des Aufwands für "Verbesserungen" steht längst in einem umgekehrt proportionalen Verhältnis zu den Resultaten.

    Das Ganze liegt nicht primär an der schlechteren Lehrerausbildung, sondern an der Gesellschaft insgesamt: An zweifelhaften Werten, die medial über die Eltern ausgegossen werden, an einer zunehmend perversen Unterhaltungselektronik, die die jungen Gemüter von Wichtigerem ablenken.

    Das Tempo der Reformen hält längst nicht mehr Schritt mit dem Tanz der Bevölkerung ums goldene Kalb.

  2. Was ist Kulturpessimismus? "füher war alles besser". Ich habe beides genossen: die "alte Schule" in der Wissen mit Zwang und körperlicher Gewalt vermittelt werden sollte und das darauf folgende System (2 verschiedene Fachgymnasien), das vom Aufbruch gekennzeichnet war.

    Die Pädagogik von damals nennt man heute "Schwarze Pädagogik", sie hat genau zu dem geführt: der Lehrerberuf gilt bei vielen Mitmenschen als höchst zweifelhaft.
    1.) Jeder hat in seiner Karriere punktuell Willkür und Unfähigkeit seitens des Lehrkörpers kennengelernt. Nach Eltern sind alle Menschen tief von ihren Lehrern geprägt. Das sitzt.

    2.) Die meisten Familien von heute hassen es, wenn Kinder am Abend die Athmosphäre dadurch vergiften, daß sie an den Hausaufgaben versagen. Haß aber ist ein schlechter Ratgeber in Kulturfragen.
    Daraus folgt: jede Gesellschaft benötigt gerade für den Lehrerberuf die besten, die es gibt, es ist mit keinem anderen Beruf zu vergleichen. Warum bezahlt man Grundschullehrer schlechter als Studienräte?

    Hausaufgaben gehören ersetzt durch qualitativ hochwertigen Unterricht und pädagogische Betreuung in der Schule am Nachmittag.

    Was fehlt, ist das Engagement seitens der Landesregierungen, sich dieses Themas so intensiv zu widmen, wie es seiner Bedeutung entspricht. Eine Brücke darf nicht einstürzen. Wenn aber durch unfähige Lehrer oder ein ganzes Fehlsystem ein Teil der Kinder fehlgeprägt werden, haut das niemanden sofort um, ausgenommen die Familien, in denen das geschieht.

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    Pardon, aber Sie haben offenbar nicht verstanden, was ich meinte. Ganz gewiss nicht, dass "früher alles besser" gewesen sei.

    Wenn ich mir die Empfehlung erlauben darf, dann schauen Sie ich auf youtube.com einmal die Sendereihe mit dem o.a. Titel an.

    Pardon, aber Sie haben offenbar nicht verstanden, was ich meinte. Ganz gewiss nicht, dass "früher alles besser" gewesen sei.

    Wenn ich mir die Empfehlung erlauben darf, dann schauen Sie ich auf youtube.com einmal die Sendereihe mit dem o.a. Titel an.

  3. Es langweilt sehr den x-ten Anlauf diesbezüglich nachzulesen und die Ignoranz des ewig Selbigen zu ertragen.
    Die Tätigkeit des Lehrers setzt sicher Fachkenntnisse voraus, doch noch weit mehr geht es um Menschenkenntnis, Führungsfähigkeit, Erfahrung, Menschenliebe und die dazu nötige beaufsichtigte (nicht bürokratisierte oder gegängelte) Freiheit.
    Damit ist der Lehrerberuf einer der anspruchsvollsten Jobs, die eine Gesellschaft zu vergeben hat. Dem wird weder die Ausbildung gerecht, noch das aktuelle Selbstverständnis eines großen Teils der Lehrerschaft.
    Junge Lehrer sind häufig sehr engagiert und hoch motiviert, doch ihre mangelnde Erfahrung, ihre Tendenz zur Überbewertung formaler Leistung, überfordern sie häufig. Ein Teil der älteren Lehrerschaft ist deshalb enttäuscht und frustriert und macht Dienst nach Vorschrift, fällt demoralisiert wegen Krankheit aus.
    Es gibt auch die raren Vertreter, die lernen die formalen Bedingungen nicht so wichtig zu nehmen, denen es immer wieder gelingt Zugang zu ihren Schülern zu finden, die sich den immer neuen Überraschungen, was mögliche Charaktere oder Zeitgeist angeht, öffnen und aus Erfahrung geduldig auf das Endergebnis setzen. Trotz besserwisserische Schulbehörden, Bürokratie, hysterische oder bezüglich den eigenen Sprösslingen blinde Eltern, opportunistische Direktoren oder Kollegen,schlechten Schulbücher und Konzepten, sind sie das Rückgrat und letzte Bastion deutscher Schulen.
    Wie wäre es, wenn man mal auf diese setzen würde?

    H.

  4. Pardon, aber Sie haben offenbar nicht verstanden, was ich meinte. Ganz gewiss nicht, dass "früher alles besser" gewesen sei.

    Wenn ich mir die Empfehlung erlauben darf, dann schauen Sie ich auf youtube.com einmal die Sendereihe mit dem o.a. Titel an.

  5. Ein wesentliches, wenn nicht sogar das eigentliche Problem ist die Unterwerfung jeglicher Bildungsanstrengungen unter das Prinzip betiebswirtschaftlicher Nutzen -und Verwertungsinteressen.

    Einige Kurz-Rezensionen hier:
    http://www.amazon.de/prod...

  6. immer nur ein Stückchen pro Generation, und dass, obwohl Lehrer fürstlich entlohnt werden? Die Kinder müssen sich jahrelang in die Unterdrückungsmaschine setzen und fragen sich, warum sie dies oder das immer wieder aushalten müssen. [ entfernt: Bitte beschränken Sie sich auf Verlinkungen, die direkt ersichtlich zur Debatte beitragen. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

  7. Solange Bildung Ländersache ist, geht nichts voran. Die Prioritäten liegen völlig falsch. Angesichts unseres Bildungsproblems, das ein Unterschichtenproblem ist, muß die Schule Sozialarbeit leisten. Sie mag dafür nicht gedacht sein, ist aber alles, was wir haben. Und das geht nur über Ganztagsschulen und kleine Klassen. Das Geld wird aber verpulvert für neue Lehrpläne, neue Strukturen, den ewigen Streit zwischen Gesamtschule und Gymnasium. In einer Klasse mit 30 Schülern bleiben die Schwachen und die ganz Starken auf der Strecke, egal in welcher Schulform.

  8. Wir reden über Lehrer und stellen aber Planstellenausfüller und Lehrplanvollzugsbeamte an und merken den Unterschied noch nicht einmal. Die künftigen Unterrichtsabwickler üben eine ErZIEHung mit DRUCK ein und nicht einmal ihre Ausbilder haben realisiert, dass es ErDRÜCKung ist. Wenn es damit nicht geht, verdopppeln sie die BEWUSSTEN Anstrengungen und vernachlässigen das UNBEWUSSTE noch mehr; die daraus resultierende DYSBALANCE wird stur ignoriert.
    Dieses Chaos nennen sie Bildung und Ausbildung und haben ganz offensichtlich nicht mal im Lexikon nachgeschaut, was das Wort BILdung einmal bedeutet hat und bedeuten kann und sollte. Als Ich-kann-Schule-Lehrer sehe ich weder eine Lehrer(aus)bildung noch Lehrer noch Bildung. Nach den Grundsätzen der neuen Ich-kann-Schule würde ich jemand folgen, der 1.) wenigstens 1 Problem konkret ghelöst hat und 2.) den Lösungsweg konkret vorausgeht.
    Schaun wir mal.
    Franz Josef Neffe

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  • Quelle DIE ZEIT, 03.12.2009 Nr. 50
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  • Schlagworte Lehrer | Bildungspolitik | Ausbildung
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