Die ersten Aussteiger wollen sich nicht mehr bei Facebook vernetzen lassen © Dan Kitwood/Getty Images

Sie brauchen meist nicht viele Worte, um ihren Entschluss zu begründen.

Willi ist am 16. November aus Facebook ausgestiegen, weil: "überdrüssig".

Stefan ist aus MeinVZ am selben Tag ausgestiegen: "Weil es einfach MEIN Leben ist und es nur MICH was angeht."

Richard ist am 17. November ausgestiegen: "weil niemand so viele freunde braucht!"

Wer sein Leben im Sozialen Netzwerk beendet, schreibt keinen Abschiedsbrief, sondern eine finale Statusmeldung. Kurz, knapp und dennoch schmerzvoll.

Auf der Internetseite ausgestiegen.com machen Flüchtlinge von Facebook, StudiVZ , MySpace , Xing und anderen Netzen ein letztes Mal einen Gedanken öffentlich, ein Gefühl, eine Entscheidung. Seither hüllen sich Willi, Stefan und Richard in Schweigen – und sind im Netz, absolut konsequent, nicht mehr auffindbar.

Das Motto der Seite lautet: "Freunde treffen statt Freunde adden" (Netzsprech für: hinzufügen) . Das mag ein bisschen gestrig, ein wenig zukunftsfeindlich klingen. Vielleicht ist es aber auch das Gegenteil davon.

Zurzeit verabschieden sich die ersten Abtrünnigen aus den Sozialen Netzwerken, deren Nutzerzahlen sich seit Jahren nur in eine Richtung zu entwickeln scheinen: steil aufwärts. Früher oder später, dachte man, wäre wohl jeder Mensch auf diesem Planeten über seine Profilseite anklickbar. Und während noch Pädagogen, Psychologen und Frank Schirrmacher mit seinem Buch Payback  auf allen Kanälen vor den Gefahren des digitalen Zeitalters warnen, erklären es manche bereits, in der Stille ihres Privatlebens, für beendet.

Der Österreicher Dieter Willinger, 32, stellte die Seite ausgestiegen.com ins Netz, als er selbst genug hatte von der ständigen Zurschaustellung: "Ich hatte mal wieder eine Stunde bei Facebook verdaddelt und mich gefragt: Was mache ich hier eigentlich? Und wen stelle ich hier überhaupt dar?" Beim Herumstöbern in Fotos und Statusmeldungen von Menschen aus seinem Bekanntenkreis habe er sich manchmal wie ein Voyeur gefühlt, "und ich wollte auch keine Freundschaften mit Leuten aufrechterhalten, die ich nie sehe". Dabei sei er keineswegs ein "Verfechter von Federkiel und Pergament".