Streitgespräch Dürfen Fernreisen sein?Seite 5/5
Minninger: Ich stand diesen Sommer beruflich vor so einer Entscheidung. Meine Aufgabe ist es, unsere Partnerorganisation in Thailand, die Ecumenical Coalition On Tourism, in Fragen der Klimagerechtigkeit zu beraten, und da sollte ich erst an einigen wichtigen Konferenzen im Juli teilnehmen, dann im Oktober an den Klimaverhandlungen der UN. Zweimal Berlin–Bangkok innerhalb weniger Monate? Ich habe mich entschieden, zwischen den Events in Thailand zu arbeiten. Meinen Berliner Sommer habe ich so verpasst. Aber alles andere wäre mir unglaubwürdig vorgekommen.
Zeiss: Ich finde, der erste Schritt muss noch nicht einmal der große Verzicht sein. Es wäre schon sehr wirkungsvoll, erst einmal zu gucken, was man im Alltag ändern kann. Zum Beispiel: Wir sitzen seit zwei Stunden in diesem Konferenzraum, und der große Monitor läuft, obwohl wir den gar nicht brauchen. Die Heizung ist an, und hinten ist ein Fenster auf. Auch beim Fliegen ergeben sich sicherlich Möglichkeiten zu sparen; wenn es in Europa eine einheitliche Flugsicherung mit optimierten Routen gäbe, könnten zehn Prozent der Emissionen vermieden werden.
Trojanow: Wir sollten schon ehrlich sein: Leute wie wir fliegen einfach viel zu viel. Mobilität wird heutzutage einfach vorausgesetzt. Die ZEIT wollte ja auch, dass ich für dieses Gespräch von Wien nach Berlin fliege, per Videokonferenz ging’s doch auch, oder? Mir geht es ständig so: Ich werde zu Lesungen, Diskussionen, Interviews eingeladen, wo die Leute ganz selbstverständlich sagen, selbst wenn ich in Australien bin: Kein Problem, wir fliegen Sie her. Für eine Abendveranstaltung!
ZEIT: Dabei schreiben Sie gerade an einem Buch über den Klimawandel. Ihr Held ist ein Gletscherforscher, dem das Eis schmilzt.
Trojanow: Eis ist eine wunderbare Metapher, mit der sich all das erzählen lässt, worüber wir hier reden. Ich bin in Kenia aufgewachsen, dort habe ich als Kind den Anblick des Kilimandscharo genossen mit seiner Eismütze obendrauf – und jetzt ist sie fast weg. Man sieht von unten gar kein Eis mehr, das war für mich ein Schock. Seitdem versuche ich, so wenig Flugreisen zu machen wie möglich, selbst wenn ich ein charmantes Literaturfestival auf Bali ausschlagen muss.
Zeiss: Man muss aber noch einmal sagen: Die meisten Urlauber machen nur selten Fernreisen. Den größten Teil unserer Reisen verkaufen wir in Europa, zum Beispiel in Spanien.
Trojanow: Wo ist dann das Problem? Nach Spanien kann man herrlich mit dem Zug fahren! Am besten mit dem Nachtzug. Dann fängt es gleich mit einer abenteuermäßigen Inszenierung an, in einem schönen Abteil, mit einer guten Flasche Rotwein. Das ist doch tausendmal romantischer als ein Billigflug!
Interview: Stefanie Flamm, Christiane Grefe
- Datum 04.12.2009 - 17:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.12.2009 Nr. 50
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...doch tatsächlich im zuge der weltklimaerrettung ihren "berliner sommer" geopfert und sich dazu herabgelassen, zwischen zwei "events" einfach ein wenig in thailand zu arbeiten. das eigene leben schön so einrichten, daß man all das darf, was man anderen mit der klimamoralkeule verbieten möchte. diese verlogenheit ist wirklich beeindruckend. auch wäre es äußerts interessant, zu erfahren wieviele termine herr trojanow bereits abgesagt hat um das klima zu retten und wieviel honorar ihm dabei entgangen ist.
daß der ägypter, der in seiner bitteren armut so vorbildlich wenig wasser verbraucht, wahrscheinlich alles dafür tun würde auch so "verschwenderisch" leben zu können wie der böse europäische tourist, sollte hier auch nicht unerwähnt bleiben.
Idealismus ist toll, aber bitte auf dem Teppich der Möglichkeiten bleiben. Ich denke ,daß Herr Trojanow zwar ex Waldorf Schüler mit seinen Ansichten glücklich macht aber die Welt des arbeitenden, 14 Tage Urlaub zusammenkratzenden ,Ottonormalbürger, erreicht er damit nicht...mit dem Nachtzug nach Spanien...mein armer Rücken...wo lebt der denn...
...dieses Gespräch beängstigend.
Der einzige Weg dem Klimaproblem, so es wirklich ein Problem ist, effizient Herr zu werden ist über den Preismechanismus unter vorsichtiger und wohlstrukturierter Verwendung von auktionierten Zertifikaten und Steuern. Tun wir das und stimmt es, dass wir pro Kopf im Jahr geringfügig mehr CO2 verwednen dürfen, als eine Reise nach DomRep verpufft, so werden die Fragen ganz andere sein, als im Gespräch aufkamen.
Natürlich werden reiche Leute einige Male im Jahr nach New York und Shanghai shoppen fliegen. Das werden aber nicht Leute mit einem Einkommen von 20.000 im Monat sein. Die werden nach Bayern und Elsas fahren in Sommerfrische.
Ja, der Witz an der Sache ist: Die Rechnung stimmt nicht. Der Flug in die DomRep erzeugt keine zig Tonnen CO2, denn so viel Sprit tankt der Touristenbomber ja gar nicht - es werden mit Rückflug irgendwo zwischen einer und zwei Tonnen CO2 emittiert (je nachdem, wie sparsam das Flugzeug ist), der Rest ist Hochrechnung verschiedener Effekte, die man mehr oder weniger gut versteht, und die durchaus gegensätzliche Wirkungen haben, und sehr unterschiedlich lang wirken (wenn man wie Atmosfair Ozon und CO2 in einen Topf wirft, muss man eben auch berücksichtigen, dass die Lebensdauer des Ozons in Tagen, die von CO2 in Jahrzehnten gerechnet werden muss, und das Ozon beim Abbau auch entsprechende Mengen Methan ).
Ja, der Witz an der Sache ist: Die Rechnung stimmt nicht. Der Flug in die DomRep erzeugt keine zig Tonnen CO2, denn so viel Sprit tankt der Touristenbomber ja gar nicht - es werden mit Rückflug irgendwo zwischen einer und zwei Tonnen CO2 emittiert (je nachdem, wie sparsam das Flugzeug ist), der Rest ist Hochrechnung verschiedener Effekte, die man mehr oder weniger gut versteht, und die durchaus gegensätzliche Wirkungen haben, und sehr unterschiedlich lang wirken (wenn man wie Atmosfair Ozon und CO2 in einen Topf wirft, muss man eben auch berücksichtigen, dass die Lebensdauer des Ozons in Tagen, die von CO2 in Jahrzehnten gerechnet werden muss, und das Ozon beim Abbau auch entsprechende Mengen Methan ).
Ich kenne die Rechnungen auch, bei denen der Zug "viel klimaschonender" ist als das Flugzeug. Nachvollziehen kann ich sie aber nur beschränkt - denn auf weiteren Strecken fährt man eben *nicht* mit dem sparsamen Bummelzug, sondern mit dem ICE oder TGV, und dessen Energieverbrauch ist nicht wesentlich niedriger als der eines sparsamen Flugzeugs. Dafür ist der Energieaufwand für's Tunnelbohren und Brückenbauen nicht mitgerechnet - dieser Aufwand taucht nur im Preis für's Ticket auf, und genau da entscheiden die Leute dann, lieber das Flugzeug zu nehmen.
Oder die Klimaschädlichkeit durch die Flughöhe: Abgesehen vom Überfliegen der Arktis findet der Luftverkehr in der Troposphäre statt. Gase, die dort oben emittiert werden, können schon Stunden später in einer ganz anderen Höhe sein. Kondensstreifen sind oft nach Minuten schon wieder weg - die Wirkung der Kristallisationskeime kann natürlich später anderswo andere Sachen auslösen, aber das gilt natürlich auch für vom Boden aus in die Luft geblasenen Drecks: Das Schwefeldioxid aus Chinas Kohlekraftwerken sorgt auf der ganzen Nordhalbkugel für eine vermehrte Dunst- und Wolkenbildung.
Genau diese Faktoren sind aber im Moment praktisch gar nicht verstanden, und reine Mutmaßungen in den Modellen.
Ja, der Witz an der Sache ist: Die Rechnung stimmt nicht. Der Flug in die DomRep erzeugt keine zig Tonnen CO2, denn so viel Sprit tankt der Touristenbomber ja gar nicht - es werden mit Rückflug irgendwo zwischen einer und zwei Tonnen CO2 emittiert (je nachdem, wie sparsam das Flugzeug ist), der Rest ist Hochrechnung verschiedener Effekte, die man mehr oder weniger gut versteht, und die durchaus gegensätzliche Wirkungen haben, und sehr unterschiedlich lang wirken (wenn man wie Atmosfair Ozon und CO2 in einen Topf wirft, muss man eben auch berücksichtigen, dass die Lebensdauer des Ozons in Tagen, die von CO2 in Jahrzehnten gerechnet werden muss, und das Ozon beim Abbau auch entsprechende Mengen Methan ).
Ups, falsche Taste gedrückt, Ozon reagiert letztendlich mit Methan, und sorgt dann nach dem kurzzeitigen Aufwärmeffekt für einen langfristigen Abkühleffekt.
Der von Vulkanen in die obere Atmosphäre eingebachte Dreck sorgt bekanntlich für eine deutliche Abkühlung. Das kann man aber tatsächlich messen, bei den Flugzeugen sieht's da mit messbaren Ergebnissen düster aus.
Hallo Herr Paysan - Da sind Sie leider auf dem Holzweg:
Ein Hin- und Rückflug in die DomRep erzeugt ca. 1 Tonne CO2 pro Passagier (!), nicht pro Flug.
Das kann man mit ein bischen Schulchemie selber nachrechnen: Kerosin (im Schnitt C12H26 = 170 g/Mol, Dichte ca. 0.8 kg/l (Wikipedia). Bei einem angenommenen Verbrauch von 3 l/100 km (Lufthansa-Werbung und daher eher untere Grenze) kommen da bei rund 6000 km in die DomRep ruckzuck eine halbe Tonne zusammen.
Bei 200 Leuten im Flugzeug hat man da schon 100 Tonnen pro Flug, und dann nochmal das gleiche auf dem Rückflug.
Beachten Sie, dass pro Molekül Kerosin 12 Moleküle C02 erzeugt werden.
Aktuell verursacht der Durchschnittsbürger etwa 10T CO2 pro Jahr. Das Ziel, zu dem sich die EU verpflichtet hat, sind langfristig 2T/Bürger und Jahr(Reduzierung des CO2 Ausstoßes um 80%).
Wenn man es so sieht sind eine Tonne pro Flug eine ganze Menge!!!
Ups, falsche Taste gedrückt, Ozon reagiert letztendlich mit Methan, und sorgt dann nach dem kurzzeitigen Aufwärmeffekt für einen langfristigen Abkühleffekt.
Der von Vulkanen in die obere Atmosphäre eingebachte Dreck sorgt bekanntlich für eine deutliche Abkühlung. Das kann man aber tatsächlich messen, bei den Flugzeugen sieht's da mit messbaren Ergebnissen düster aus.
Hallo Herr Paysan - Da sind Sie leider auf dem Holzweg:
Ein Hin- und Rückflug in die DomRep erzeugt ca. 1 Tonne CO2 pro Passagier (!), nicht pro Flug.
Das kann man mit ein bischen Schulchemie selber nachrechnen: Kerosin (im Schnitt C12H26 = 170 g/Mol, Dichte ca. 0.8 kg/l (Wikipedia). Bei einem angenommenen Verbrauch von 3 l/100 km (Lufthansa-Werbung und daher eher untere Grenze) kommen da bei rund 6000 km in die DomRep ruckzuck eine halbe Tonne zusammen.
Bei 200 Leuten im Flugzeug hat man da schon 100 Tonnen pro Flug, und dann nochmal das gleiche auf dem Rückflug.
Beachten Sie, dass pro Molekül Kerosin 12 Moleküle C02 erzeugt werden.
Aktuell verursacht der Durchschnittsbürger etwa 10T CO2 pro Jahr. Das Ziel, zu dem sich die EU verpflichtet hat, sind langfristig 2T/Bürger und Jahr(Reduzierung des CO2 Ausstoßes um 80%).
Wenn man es so sieht sind eine Tonne pro Flug eine ganze Menge!!!
Wenn die Umweltschäden mit in den Preis eingerechnet werden, wird sich die Sache einpendeln. Die Flugzeughersteller sind dann gehalten, "noch" umweltfreundlichere Flugzeuge zu bauen, damit kommt mehr positive Entwicklung in die Sache.
Die Milliarden Asiaten und inder werden wohl drastisch weniger werden, da mit steigendem Wohlstand die Faulheit zunimmt und damit die Zahl der Kinder abnimmt. Überbevölkerung und damit überbordender Tourismus regelt sich dann auch von selbst. In 50 Jahren sieht alles anders aus.
Ein anderer Regulator ist ein ganz banaler: finde ich dort, wo ich mich erholen möchte, nach meinem Geschmack zuviele Menschen vor, fahre ich dort nicht mehr hin.
Da ich persönlich lieber meine nähere Welt kennenlerne als Fernreisen zu unternehmen, ist es mir ganz recht, wenn die Leute wegfahren.
Im übrigen kann man auch mit dem Schiff fahren, wenn man nicht fliegen will, es ist mit Sicherheit natürlicher, da man sich langsam an Klima und Zeit gewöhnen kann.
Für mich ist Urlaub, ein paar Wochen ganz ohne Verkehrsmittel, Hotels etc. auszukommen. Wie ich das mache? So wie der da: "Leise Reisen",http://www.kanu.1000seiten.de
und danken wir Gott für unsere Demokratie!
Das Motto "Keiner darf reisen außer (so wie) ich!" hätte ich eigentlich eher von aktiven Teilnehmern einer Krabbelgruppe erwartet.
Na ja, so lange wir unsere "splendid" Demokratie haben kann uns o.a. Gesülze ganz klimafreundlich am Hintern vorbeireisen.
Aber falls die Herrschaften einen Slogan brauchen, bitte sehr:
"Das schöne, gute Poleis schmilzt,
weil Du nach Polen reisen willst!"
Ups, falsche Taste gedrückt, Ozon reagiert letztendlich mit Methan, und sorgt dann nach dem kurzzeitigen Aufwärmeffekt für einen langfristigen Abkühleffekt.
Der von Vulkanen in die obere Atmosphäre eingebachte Dreck sorgt bekanntlich für eine deutliche Abkühlung. Das kann man aber tatsächlich messen, bei den Flugzeugen sieht's da mit messbaren Ergebnissen düster aus.
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