Sieben Uhr morgens. Der Wecker schlägt Alarm. Ein besonderer Tag beginnt: Heute bin ich ein Klimaheld. Das Klima nur schonen und schützen ist zu wenig – denn die Folgen des Klimawandels sind zu dramatisch. Was das Klima braucht, sind Helden. Und schon geht es los.

Ich registriere: Radiowecker! Frisst Strom rund um die Uhr und verantwortet 22,6 Gramm CO2 pro Tag. Klingt vernachlässigbar, aber summiert sich in zehn Jahren auf über 80 Kilogramm. Aufs ganze Leben bezogen, steht die kleine Kiste für über eine halbe Tonne an CO2-Emissionen. Rund 25 Kilogramm CO2 vermag eine Eiche im Jahr zu binden. Um den Klimaschaden von drei lächerlichen Radioweckern wettzumachen, braucht man also eine ausgewachsene Eiche!

Ein Klimaheld rechnet sehr viel und redet wenig. Er tut was. Ich besitze einen ordentlichen Aufziehwecker, der liegt irgendwo auf dem Dachboden. Da steige ich heute mal rauf.

Als Klimaheld wird man nicht geboren. Es ist eine Entscheidung. Und ein wenig Lust an Selbsterforschung und -erkenntnis kann nicht schaden.

Ich war ja ein Klimaschwein. Licht aus? Ich rechnete jedem vor, dass eine Glühbirne pro Nacht nur ein paar Pfennige verbrät (als man noch in Pfennigen rechnete und nicht in CO2). Ich fuhr mit 250 Sachen durch den Hunsrück und freute mich darüber, wenn die Autobahn Kurven bekam. Ich hatte Spaß daran, fossile Brennstoffe abzufackeln. Ich liebte das Fliegen und wollte Pilot werden.

Doch eines Tages hatte ich – nein, keine Erscheinung – Moos an meinem neuen Auto! Ich hatte es seit Monaten nicht mehr bewegt, weil die Eisenbahn billiger und schneller war. Ich verkaufte den Wagen. Nichts fehlte; stattdessen ließ ich mich kutschieren. Von Lokführern, Straßenbahn- und Taxifahrern. Für den Notfall trat ich dem lokalen Carsharing-Verein bei.

Wer das Klima heute nicht rettet, rettet es nie. Also weg mit dem elektrischen Wecker. Weg mit dem Elektrorasierer. Auch die Elektrozahnbürste muss dran glauben. Ein Klimaheld ist konsequent. Ich dusche nicht. Schon gar nicht mit Wasser aus dem elektrischen Durchlauferhitzer. Klaus Töpfer hat, glaube ich, als Umweltminister mal gesagt, einmal Duschen in der Woche reiche. Stimmt! Lappenwäsche klingt zwar nicht toll, geht aber auch.

Der Computer bleibt vorerst aus, E-Mail vor dem Frühstück ist sowieso ungesund. Brot muss ich nicht toasten. Weg mit dem batteriegetriebenen Milchschäumer – die Milch wird ab sofort mit dem Schneebesen gerührt. Wenn das Radio abgestellt ist, reden die Menschen miteinander. Auch die Heizung im Zimmer der schulpflichtigen Tochter wird abgedreht, sieben Stunden am Tag steht es leer, mindestens.

Unfassbar, wie viel CO2 ich schon vor der Arbeit einspare! Andererseits: Was kann man heute überhaupt noch unternehmen, ohne dem Klima zu schaden? Nicht mal spazieren gehen ist unschuldig, wenn ich Handy und tragbare Musik dabei habe. Es gibt kaum noch klimaneutrale Bewegungen; und auch Stillstand kostet zumindest im Winter Heizenergie. Um den Makel des Klimafossils loszuwerden, kaufe ich groß ein.