Auch zum Leben des Helden gehört die Sünde – und die Beichte
Auch zum Leben des Helden gehört die Sünde – und die Beichte
Am Abend brät der Held sein erstes klimafreundliches Spiegelei. So plan der Pfannenboden! So dicht der Deckel! Die Eier habe ich selbstverständlich im Bioladen besorgt, der regionale Produkte bevorzugt. Noch besser fürs Klima wäre es, direkt von Bauern aus der Region zu kaufen. Nach dem Essen macht die Espressokanne Probleme, sie ist für alle Kochplatten zu klein. Vielleicht werde ich den Kaffee künftig mit Campinggas kochen. Ich muss etwas zur CO2-Bilanz von Butan finden…
Dann sind die funkbetriebenen Steckdosen dran. Im Dunkeln mache ich Jagd auf die verräterischen roten Lämpchen, die auf Stand-by-Verluste hindeuten. Dann verlege ich Kabel und baue die neuen Steckdosen ein. Es ist lustig, vom Bett aus mit der Funkfernbedienung den Wohn- und Arbeitsbereich komplett vom Netz zu trennen. Was wehtut: Die fünf Lämpchen am WLAN-Router leuchten immer. Sonst geht das Telefon nicht mehr.
Und skandalöserweise vergisst unser Radio, wenn man ihm den Strom nimmt, alle Einstellungen. Ich sollte das Fossil wegschmeißen. Eine Freude wird die Montage und Programmierung der neuen Heizungsventile. Bei geöffnetem Fenster voll zu heizen ist eine Unsitte in unserer Familie – der neue Heizkörperregler merkt, wenn Tür oder Fenster offen sind, und schaltet ab. Ich spüre, dass mir Klimaretten Spaß machen kann. Wenn es mit Basteln und Technik zu tun hat.
Bevor der Tag zu Ende geht, erforsche ich mein Klimagewissen. Ach ja, es gibt Defizite, Peinliches, sogar Schändliches. Ich habe etwa bisher in allen Bilanzen meine Flüge unterschlagen. Der Familie wegen fliegen wir mehrmals im Jahr nach Südosteuropa. Beruflich bin ich gelegentlich in der Schweiz. Da kann ich mein Leben lang Sparlampen kaufen und Stand-by-Verluste unterbinden – ein einziger Flug verhagelt mir die schönste CO2-Bilanz. Und nicht zuletzt gibt es ja durchaus Gründe, sich trotz guten Willens am Klima zu versündigen. Es zu Hause knuffelig warm zu haben ist einfach toll; viel schönes Licht freut die Seele, graues, kaltes Sparlicht macht traurig. Und beliebte Spartipps wie »Seltener außer Haus essen« oder »Urlaub in Deutschland machen« bedrohen Kultur und Lebensstil.
Tatsächlich ist die Klimasünde immanenter Bestandteil des Lebens, auch bei Klimahelden. Zur Entlastung der Sünder aber ist ein unübersehbarer Markt von Kompensationsanbietern entstanden. So kann ich selbst in der Nacht noch einen sündigen Tag rückwirkend klimaneutral gestalten. Die begrifflich konsequenteste Idee ist vielleicht der »Beichtstuhl für Klimasünder«. Auf der Webseite klimaretter.de kann ich öffentlich bekennen. Man liest da: »Bin 300 Kilometer Auto gefahren, nur um eine Nacht bei der Freundin zu sein« oder »Habe alte Glühbirnen wieder reingeschraubt«. Auch für Ablass ist gesorgt. Man kann auf »Buße« klicken und muss sich dann einer Aktionsgruppe anschließen. Oder eine Petition unterschreiben.
Die üblichste Gewissensberuhigung ist das Freikaufen. Atmosfair.de etwa berechnet die bei Flugreisen freigesetzte CO2-Menge und kassiert einen entsprechenden Betrag, um das Gas per Baumschule wieder einzufangen. Myclimate.org bietet Kompensationszahlungen für Autofahrten und Haushaltssünden an. Und mancher Klimaheld trinkt abends immer noch ein oder zwei Bier eines regionalen Brauhauses, welches sich einem erweiterten Reinheitsgebot unterworfen hat und nur mit Biozutaten aus der Gegend braut.
Zur Not hilft dem Klima vielleicht auch ein Besuch auf der Webseite der skandinavischen Umweltaktivisten von Fuck for Forest, die selbst gemachte Pornofilme und -fotos anbieten. Wer sie sehen möchte, muss einen Clubbeitrag zahlen. Mit dem Geld wird – so heißt es – ein ecuadorianisches Aufforstungsprojekt unterstützt.
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- Datum 03.12.2009 - 16:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.12.2009 Nr. 50
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Viel guter Wille, leider in meinen Augen umsonst.
Was ordentlich ins Gewicht fallen dürfte: der sog. ökologische Rucksack. Was wurde an Wasser, Energie, CO2 verpulvert, um zB den Wecker, der weggefeuert wurde, herzustellen? Versündigt man sich mit dem Kauf eines neuen handbetriebenen nicht noch mehr durch die bei der Produktion anfallenden CO2-Emissionen als durch den weitergehenden Besitz des Batterieweckers?
Ich will mir nicht ausmalen, wie sehr mich der Besitz und Betrieb des Rechners, von dem aus ich gerade tippe, in die Kreide fährt.
Sicher wird der Artikel nicht 100%ig ernst gemeint sein, doch unerwähnt bleibt auch, dass man sich sämtliche CO2-Billanzen, Emissions-Ablassbriefe oÄ an den Hut stecken kann, solang der Saft für die tollste Sparlampe aus einem Kohlekraftwerk kommt, für die Herstellung des noch so löblichen Sonnenkollektors mit giftigen Elementen herumhantiert wird und man den Weg zur Arbeit doch mit einem (wenn nicht benzin-, dann aber) strombetriebenen Gefährt zurücklegen muss.
Wie man diese Billanz - ohne sich wieder auf das Leben in Lendenschurz vor der heimischen Höhle (OHNE Lagerfeuer!) zurückzubesinnen - in den Griff bekommen soll, weiß ich allerdings auch nicht...
Als ich jung und schön war, also nach der Eiszeithysterie, während des Waldsterbens und lange vor der Klimahysterie, wurde Wasser noch gebraucht, nicht verbraucht. Gut, ich gebe zu, ich habe mit 38 Jahren schon ein paar Trends verpaßt - Twitter, Web 2.0, sowas - aber wann wurde eigentlich der Wasserkreislauf abgeschafft?
Als ich jung und schön war, also nach der Eiszeithysterie, während des Waldsterbens und lange vor der Klimahysterie, wurde Wasser noch gebraucht, nicht verbraucht. Gut, ich gebe zu, ich habe mit 38 Jahren schon ein paar Trends verpaßt - Twitter, Web 2.0, sowas - aber wann wurde eigentlich der Wasserkreislauf abgeschafft?
Ich wohne z.Z. auf der Südhalbkugel und fliege einmal in Jahr zur Familie in D. Laut atmosfair verursache ich damit allein 8 Tonnen CO2. Dagegen nehmene sich die hier erwähnten Einspartipps wie Lachnummern aus. Ja ich könnte sogar ein Jahr lang 4 Autos mit jeweils 15.000 km fahren und würde nicht an den CO2-Ausstoß meiner Flugreise kommen.
Im Gegenzug bietet Atmosfair an, für 193 EUR meinen Frevel in Klimaschutzprojekten auszugleichen. Da wird man schon stutzig - warum nicht gleich ein paar Hundert Euro dorthin überweisen und das ganze Jahr kein schlechtes Gewissen mehr haben mit Standby-Geräten und Co. Entweder der Denkfehler liegt bei mir oder der ganze Online-Ablasshandel ist purer Unfug.
Vereinfacht kann man sagen, dass, je mehr Geld man ausgibt, desto mehr wird die Umwelt belastet. Selbst wenn man nicht direkt Produkte der petro-chemischen Industrie kauft. Irgendwann wird es derjenige tun, dem man sein Geld gegeben hat. Und eine Verkäuferin im Bioladen würde vermutlich verhungern, wenn sie sich ausschließlich von Bioprodukten ernähren müsste.
"Die Eier habe ich selbstverständlich im Bioladen besorgt, der regionale Produkte bevorzugt. Noch besser fürs Klima wäre es, direkt von Bauern aus der Region zu kaufen. "
Diese Aussage wage ich zu bezweifeln. Wenn jeder mit dem Auto auf Land faehrt, um dort seine paar Eier zu kaufen, duerfte die OEKO-Bilanz ziemlich schlecht aussehen. Und selbst wenn ich mich mit dem Fahrrad abstrampeln wuerde, wuerde ich dabei ne ganze Menge CO2 freisetzen. Was spricht gegen Gueterverkehr, statt dass jeder alles selbst von sonstwo holt?
Dann kann ja bald, neben dem Bundesverdienstkreuz, der Orden "Held des Klimas" eingeführt werden...
Aber mal im ernst:
Sind solche Artikel die Endphase des medialen Alarmismus? Es zeichnet sich doch mehr als deutlich ab, dass die Klimaapokalypse nicht mehr zieht und den gleichen Weg wie einst das Waldsterben geht. Man muss sich wohl oder übel bald eine neue Sau suchen, die man durchs mediale Dort treiben kann.
Es wird langsam zeit, wieder echten Journalismus statt peinlicher "Selbstversuche" zu betreiben.
Gut recherchierte Artikel über die Klimahysterie, wie man sie in der Endphase des Waldsterbens über die damalige Apokalypse zu lesen bekam, wären durchaus interessant.
Vor gerade mal 5 Jahren hat Die Zeit noch solche guten Artikel hinbekommen:
Chronik einer Panik
http://www.zeit.de/2004/5...
...wenn jetzt noch jeder, der in CO2 rechnet und an den Klimawandel glaubt, das Ausatmen für ein paar Minuten... Wir könnten uns wieder Wirtschaft, Politik und Wíssenschaft, vor allem aber der Vernunft widmen.
Als ich jung und schön war, also nach der Eiszeithysterie, während des Waldsterbens und lange vor der Klimahysterie, wurde Wasser noch gebraucht, nicht verbraucht. Gut, ich gebe zu, ich habe mit 38 Jahren schon ein paar Trends verpaßt - Twitter, Web 2.0, sowas - aber wann wurde eigentlich der Wasserkreislauf abgeschafft?
Es kommt auf die definition an. Wasser wird in eine bestimmten Güte und Menge bereitgestellt. Dieses Wasser wird verbraucht. Es ist in der Güte und Menge nicht mehr vorhanden. Das Material Wasser an sich wird natürlich nicht verbraucht.
Waldsterben ist übrigens kein guter Vergleich da unser Wald ohne die Maßnahmen die getroffen wurden wirklich erheblichen Schaden genommen hätte. Leider ist die Sache mit dem Klima erheblich komplexer.
Aber wie meine Vorredner schon zurecht bemerkt haben ist es wohl eher sinnvoll bei neuen Geräten auf ihren Verbrauch zu achten wenn sowieso eine Neuanschaffung ansteht. Die Heizung kann man beim Lüften ja noch von Hand abstellen und eine Mehrfachsteckdose mit Schalter sollte ja auch genügen.
Zu bemerken sei dabei dass es ja nicht nur um die CO2 Produktion geht sondern auch einfach um Ressourcenschohnung. Die kohlenwasserstoffe brauchen wir nämlich auch z.B. für die Pharmazie- und Textilindustrie.
Nicht das wir uns missverstehen. Saubere Luft, Umweltschutz und ein sparsamer Umgang mit Ressourcen sind richtig und wichtig. Es wird nur sehr viel Geld unnötig verschwendet, wenn man sinnvolle Dinge tun will, indem irgendjemand absurde alarmistische Hypothesen aufstellt.
Haben Sie sich mal diesen Artikel durchgelesen?
http://www.zeit.de/2004/5...
Der widerspricht Ihrer These im ersten Absatz sehr deutlich.
Der mitteleuropäische Wald wäre so ziemlich das letzte gewesen, was bei fortschreitender Luftverschmutzung drauf gegangen wäre. Das Verschmutzungsniveau, das nötig ist, um unsere Bäume und Sträucher umzubringen ist so hoch, das vorher Menschen und Tiere nicht mehr mitmachen.
Die Klimahysterie ist zudem nicht Ressourcen schonend. Sie gebiert z.B. hoch ineffiziente CCS- Kraftwerke, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch der Emissionshandel führt zu vollkommen unsinnigen Seiteneffekten.
Und solche Ideen
http://www.welt.de/wissen...
haben dann mit Ressourcen schonen gar nichts mehr zu tun.
Wenn man Ressourcen sparen möchte, dann soll man genau das tun und nicht irgendwelche Klima- Schauermärchen erzählen.
Nicht das wir uns missverstehen. Saubere Luft, Umweltschutz und ein sparsamer Umgang mit Ressourcen sind richtig und wichtig. Es wird nur sehr viel Geld unnötig verschwendet, wenn man sinnvolle Dinge tun will, indem irgendjemand absurde alarmistische Hypothesen aufstellt.
Haben Sie sich mal diesen Artikel durchgelesen?
http://www.zeit.de/2004/5...
Der widerspricht Ihrer These im ersten Absatz sehr deutlich.
Der mitteleuropäische Wald wäre so ziemlich das letzte gewesen, was bei fortschreitender Luftverschmutzung drauf gegangen wäre. Das Verschmutzungsniveau, das nötig ist, um unsere Bäume und Sträucher umzubringen ist so hoch, das vorher Menschen und Tiere nicht mehr mitmachen.
Die Klimahysterie ist zudem nicht Ressourcen schonend. Sie gebiert z.B. hoch ineffiziente CCS- Kraftwerke, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch der Emissionshandel führt zu vollkommen unsinnigen Seiteneffekten.
Und solche Ideen
http://www.welt.de/wissen...
haben dann mit Ressourcen schonen gar nichts mehr zu tun.
Wenn man Ressourcen sparen möchte, dann soll man genau das tun und nicht irgendwelche Klima- Schauermärchen erzählen.
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