Klimawandel und der Mensch Hilferufe aus aller Welt

Dürre, Überflutungen, abschmelzendes Packeis oder Windräder, die in ursprüngliche Wildnis vordringen – anhand von sechs Schicksalen werden die höchst unterschiedlichen Folgen des Klimawandels deutlich.

Rissige Erde: Das wichtigste Wasserreservoir für die nahegelegene Stadt Goulburn in Australien trocknet aus

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Jagd auf dünnem Eis (Kivalina/Alaska)

Dass man ihn »Eskimo« nennt, »Rohfleischesser«, stört Enoch Adams nicht. Viele Ureinwohner Grönlands oder Alaskas lehnen diese Bezeichnung als diskriminierend ab. Enoch aber findet sie ganz zutreffend. Schließlich lebt er, wie alle hier, hauptsächlich von der Jagd. Und wenn er ein Karibu frisch erlegt habe, erzählt er grinsend, beiße er schon mal in dessen rohe Niere. »Das stillt sofort jeden Hunger.«

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Der 48-Jährige lebt in einer der unwirtlichsten Regionen der Erde, in Alaska. Sein Dorf Kivalina zählt nur 400 Einwohner und liegt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Dennoch hat es weltweite Aufmerksamkeit erregt: Die Einwohner von Kivalina haben vergangenes Jahr 24 Öl- und Energiefirmen auf Schadensersatz verklagt. Diese würden bewusst irreführende Informationen zum Klimawandel veröffentlichen und vorhandene Technologien nicht nutzen, um den Ausstoß der Treibhausgase zu reduzieren.

»Für andere ist die globale Erwärmung eine Theorie, für uns nicht«, sagt Enoch Adams. »Wir haben Angst.« Das Häuschen, das er mit seiner Frau und drei kleinen Kindern bewohnt, ist wie alle aus Holz gebaut und kaum größer als ein Container. Neben dem Fernseher trocknen Felle. In Kivalina liegt neun Monate im Jahr Schnee, von November bis Juni ist das Meer vereist. Im Winter fallen die Temperaturen auf bis zu 50 Grad minus. Normalerweise.

Hinter dem Haus zerlegen Enochs Mutter, seine Schwester und seine Nichte eine drei Zentner schwere Bartrobbe. Mit scharfen Messern trennen die Frauen das Fell vom Fett und das Fett vom Fleisch. Eine blutige Arbeit. Fast alles wird verwertet. Aus dem Fell wird Großmutter Lucy Stiefel nähen. Die Nichte, die ebenfalls Lucy heißt, schneidet das Fett in Streifen, um daraus Tran zu gewinnen. Und Schwester Colleen filetiert das dunkle Fleisch und hängt es zum Trocknen in ein überdachtes Holzgerüst, in dem schon Dutzende Lachse baumeln.

Die Frauen lachen über Witze und stöhnen über ihre schmerzenden Rücken. Fünf Robben haben sie in den letzten Tagen zerlegt, für die Wintervorräte brauchen sie aber zehn bis zwölf. Auch Walfleisch sollte auf ihrem Speiseplan stehen. Doch den letzten Grönlandwal haben die Männer von Kivalina vor 15 Jahren »geerntet«, wie sie sagen. Die Wanderrouten der Tiere sind nur im Frühjahr über das Packeis zu erreichen. Das aber war in den letzten Jahren zu dünn, als dass es die Schneemobile mit den Booten im Schlepptau tragen könnte.

Die Frauen ahnen, dass die vielen Jahre mit zu dünnem Eis kein Zufall sind. »Das Klima hat sich geändert«, sagt Colleen. »Die Sommer sind länger, die Winter wärmer. Alles ist durcheinander.« Die Eisausdehnung der Arktis lag am Ende des Sommers nur noch bei etwa 70 Prozent des üblichen Mittelwertes. Prognosen gehen davon aus, dass der Arktissommer im Jahr 2037 eisfrei sein wird. Manche Modelle sehen diesen Zustand schon für 2013 voraus. Erholung ausgeschlossen, sagen die Forscher. Aber vielleicht kann man die Entwicklung noch bremsen oder gar stoppen.

Auf die Probleme angesprochen, zuckt Lucy junior mit den Schultern. Sie habe noch nicht so viel darüber nachgedacht. Macht sie sich Sorgen? Die Antwort ist ein schüchternes Nicken. Viele im Dorf versuchen den Wandel, der ihre Lebensweise, wenn nicht gar ihr Leben bedroht, zu verdrängen. Dabei sprechen die Behörden Alaskas von 183 Gemeinden, die aktuell vom Klimawandel betroffen sind. Kivalina zählt zu den sechs Siedlungen, die am dringendsten geschützt werden müssen.

Colleen zeigt aufs Wasser. »Vor ein paar Jahren lag unser Haus noch 70 Meter vom Ozean entfernt. Jetzt sind es 20.« Ingenieure der US-Armee haben erklärt, dass Kivalina von einer Überflutung bedroht ist. »Im Herbst 2004 fing es an«, erzählt Enoch. »Das Meer war nicht gefroren wie sonst immer zu diesem Zeitpunkt.« Und als die Herbststürme kamen, fehlte das Eis, das die Insel schützt. Die Wellen fraßen 30 Meter Strand. Die Menschen mussten fliehen. Eine dramatische Evakuierung mitten in der Nacht. Das Problem mit dem zu späten Eis ist geblieben. »2005 war es das Gleiche und 2006, 2007, auch im letzten Jahr. Und jetzt? Wir wissen es nicht.« 

Das Dorf will komplett auf das sichere Festland ziehen. Doch trotz jahrelanger Diskussionen mit den Behörden gibt es keine Einigung über den neuen Siedlungsplatz und die Finanzierung. Um das Geld aufzutreiben und um auf ihre Situation aufmerksam zu machen, haben die Menschen von Kivalina nur noch ein Mittel gesehen: die aufsehenerregende Klage gegen die Öl- und Energiefirmen. Die für Kivalina tätigen Anwälte sind optimistisch. Es gibt Präzedenzfälle. Im September und Oktober wurden ähnliche Klagen von den jeweils zuständigen Bundesberufungsgerichten zugelassen. Allerdings, so weiß auch Enoch, kann sich so ein Gerichtsverfahren über Jahre hinziehen.

Während er noch über die Zukunft sinniert, ruft sein Neffe. Das kleine Glasfaserboot mit Außenbordmotor ist startklar. Enoch schlurft zum Strand, an seiner Schulter hängen zwei große Gewehre. Es ist die letzte Robbenjagd in diesem Jahr. Bleibt sie erfolglos, weiß Enoch schon jetzt: Für den langen Winter, der kommt, wird er für sich und seine Familie zu wenig Vorräte haben.

Jörn Klare

Leser-Kommentare
  1. Quelle Wikipedia: 1804 überschritt die Weltbevölkerung eine Milliarde Menschen und ein rapides Bevölkerungswachstum setzte ein. Innerhalb des 20. Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerung fast vervierfacht. 1927: 2 Milliarden, 1960: 3 Milliarden, 1974: 4 Milliarden, 1987: 5 Milliarden und 1999: 6 Milliarden Menschen. Die 7-Milliarden-Marke wird voraussichtlich im Jahr 2012 erreicht...

    Jedes mir bekannte Entwicklungsprojekt zielt darauf ab das es noch mehr Menschen auf der Erde geben soll, ob das funktionieren kann ist ja offensichtlich unmöglich...

    Und Hunger hat wohl auch viel damit zu tun das mehr Menschen in manchen Gegnen Leben als sich dort ernähren können...

  2. Wie kann sie nur.

    Fuer China, Indien und Kenia ist der "Klimawandel" wohl das kleinste Problem.

    Und um "Urvoelker" (TV, Motorschlitten, Telefon, Gewehr) wird sich eh keiner scheren, weils einfach zu wenige sind.

    Liebe Zeit, spart euch solche Artikel!

  3. dass der Klimawandel tatsächlich menschgemacht ist. Das Klima hat sich früher schon geändert, ohne dass der Mensch Einfluss darauf hatte. Die Frage ist deshalb entcheidend, weil man viel Zeit und Know-How auf die Frage verschwendet, wie man Co2 - warum nicht Metan? - einspart. Stattdessen muss man Techniken entwickeln, die gegen Wüstenbildung, Wasserverschwendung und so weiter wirken.

  4. als wäre der Raum in dem wir leben unendlich groß.

    Bei den Massen also die der Mensch in die Atmosphäre pustet trägt er mit 100%iger sicherheit seinen teil dazu bei.

  5. Das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) ist
    das "wissenschaftliche" Forum der UNO. In ihm werden über
    2000(!) Wissenschaftler beschäftigt - das ist praktisch
    eine ganze Söldnerarmee in dem übergeordneten Fachgebiet
    "Klimatologie". Die 10 oder 20 Hansel, die Philip Morris
    beschäftigt, wirken dagegen geradezu lächerlich.

    (Hier eine Kurzinformation über das IPCC:
    www.agenda21-treffpunkt.d...)

    Wenn diese 2000 IPCC-Wissenschaftler nun feststellen, dass

    a) es eine Klimaerwärmung gibt,
    b) diese von der Größenordnung her relevant ist und sich auf die Umwelt auswirkt,
    c) sie menschengemacht, also anthropogen ist und
    d) sie schließlich und schlussendlich reversibel ist (also durch den Menschen kontrollierbar und also rückgängig zu machen ist)

    dann kann man als IPCC-Wissenschaftler guten Gewissens Abermillionen an weiteren Fördergeldern beim IPCC
    einfordern.
    Das IPCC seinerseits pocht auf weiteren Millionen/Milliarden bei der UNO, denn die Forschungsarbeiten sind
    allesamt so unglaublich wertvoll für die Menschheit, dass die UNO guten Gewissens diese Geldforderungen an
    die Mitgliedsstaaten weiterleiten wird. Diesen zahlen dann im Glauben, Gutes zu tun, huldigen also einer Ersatz-
    religion. Man könnte diesen Zahlungsakt auch Ablasshandel nennen. Wirklich ärgerlich nur, dass im Grunde nicht
    "der Staat BRD zahlt", sondern immer nur sein Personal, stets namentlich genannt im jeweiligen Personalausweis.

    Fortsetzung folgt

  6. Durch "ergebnisorientierte Forschung" des IPCC fließen also Unsummen von Geldern aus den Taschen der Bürger
    in die provisorische Eine-Welt-Regierung (UNO). Neben konkreter Machtverschiebung in Form von Kapital aber
    wird auch die Eine-Welt-Metapolitik massiv gefördert, denn die UNO schafft hier einen künstlichen, globalen Feind
    namens CO2, der die Denke vieler, besonders junger Menschen beeinflusst, die ihre Aufgabe tatsächlich nur noch
    im globalen Kampf gegen das böse CO2 sehen.

    Kurz:

    1) Die Arbeiten des IPCC mit seiner wissenschaftlichen Söldnerarmee sind in etwa so glaubwürdig wie eine
    wissenschaftliche Studie von Philip Morris zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens.

    2) Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass Marlboro zeitweise 5, vielleicht auch 10 oder 20 Wissenschaftler
    beschäftigt, das IPCC aber über 2000.

    3) Die Summe der Partikularinteressen weist ausschließlich in eine Richtung: a), b), c) und d) haben allesamt erfüllt zu sein:

    Die IPCC-Wissenschaftlcer brauchen sich keine Sorgen um ihre Jobs zu machen,

    die UNO freut sich, denn sie gewinnt an materieller Macht und an ideologischer Bedeutung hinzu,

    die Politiker lassen sich als KlimakanzlerInnen feiern,

    die Medien haben immer neue, tolle apokalyptische Schlagzeilen zu vermelden,

    und die braven Schafe unten im Volke haben eine schöne Ersatzreligion, der sie huldigen können: Sie können CO2 sparen im Glauben Gutes zu tun, und das schafft eine natürliche, spirituelle Befriedigung.

    Gruß
    sofaboxer

  7. wie leicht unsere lieben Machthaber die Aufmerksamkeit der Allgemeinheit auf bestimmte Dinge lenken können, die nichtmal real existent sein müssen. Es reicht wenn genug falsche Informationen verbreitet werden um eine Panik, Histerie oder ähnliches auszulösen ... und wo hat das ganze meistens seinen Ursprung? was brauchen Machthaber um an der Macht zu bleiben ... Geld... ich wünschte wir hätten es nie erfunden...
    freue mich über andere Meinungen ^^
    Grüße valle

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